Verblisterung

Blisterzentren hoffen auf Lauterbach Carolin Bauer, 25.06.2013 15:33 Uhr

Hoffnung SPD: Die Blisterzentren erhoffen sich, bei einem Wahlsieg der Sozialdemokraten neuen Schub für ihre Branche. Foto: Elke Hinkelbein
Berlin - 

Die Verblisterung in Deutschland könnte durch die Pläne von Professor Dr. Karl Lauterbach neuen Schwung bekommen. Der SPD-Gesundheitsexperte will die Verblisterung für Pflegeheime stärken. Derzeit stehe der Markt still, da die patientenindividuelle Verblisterung nicht genug Ertrag abwerfe, sagt Hans-Werner Holdermann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Patientenindividueller Arzneimittelverblisterer (BPAV). Auch bei 7x4 Pharma in Merzig wird ein Neustart nicht ausgeschlossen.

Die Blisteranbieter bewerten den Vorstoß Lauterbachs positiv: Es sei zu begrüßen, dass Verblistern als Qualitätsthema geführt werde, so Holdermann. Das Verblistern sei von allen Parteien grundsätzlich positiv bewertet. Sollte die Politik die Vergütung regeln, würden die Blisterzentren wieder Investitionen wagen. Dazu müsse allerdings auch die ABDA ihre Bereitschaft signalisieren.

Die industrielle Verblisterung fürchtet Holdermann nicht. Diese Lösungen seien nicht marktfähig, da die Anlagen nur auf eine bestimmte Anzahl an Arzneistoffen oder Darreichungsformen sowie für ausgewählte Indikationen ausgerichtet seien. „Die Vollversorgung von Heimen war nie das Ziel“, so Holdermann.

Dafür seien die Systeme in Anbetracht der Verschreibungsfreiheit der Ärzte oder der Vertragsfreiheit der Krankenkassen nie ausreichend flexibel gewesen. Den industriellen Anbietern gehe es nur um „Rosinenpickerei“.

Doch auch bei der Kohl-Tochter 7x4 Pharma freut man sich über Lauterbachs Äußerungen. Ob die Maschinen wieder anlaufen, sei eine „schwierige Frage“: Noch sei die Zukunft der industriellen Verblisterung unklar, doch man hoffe, dass das Thema weiter komme, sagt ein Kohl-Sprecher. Das Pilot-Projekt wurde 2011 eingestellt. Komme es zu einem zweiten Anlauf, könne das Sortiment entsprechend der Nachfrage erweitert werden.

Vorwürfe aus der Apothekerschaft, bei der Verblisterung könnten am Ende Versandapotheken die Ruder übernehmen, weist Holdermann zurück: „Die Verblisterung hängt am Medikationsplan, und es ist ein ständiges Bemühen, diesen Plan aktuell zu halten. Das ist aus der Ferne nicht machbar.“

In Deutschland werden laut Holdermann rund 100.000 Patienten mit Blistern versorgt. Derzeit gibt es etwa 15 Blisterzentren. Ein Wochenblister kostet rund 5 Euro.