TK und GWQ starten Mega-Biosimilar-Ausschreibung 27.04.2026 11:56 Uhr
Seit einem Monat müssen Biosimilars in der Apotheke ausgetauscht werden, jetzt geht es bei den Kassen Schlag auf Schlag: Die Techniker Krankenkasse (TK) und der Vertragsdienstleister GWQ ServicePlus (GWQ) starten eine kassenübergreifende Ausschreibung für sieben biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe in zwölf Fachlosen. Die Rabattverträge sollen zum 1. Januar 2027 starten und für insgesamt 40 Kassen Bestand haben.
Bis zum 3. Juni können Angebote für die Biosimilar-Ausschreibung von TK und GWQ abgegeben werden. Das Umsatzvolumen beider Ausschreibungen liegt insgesamt bei rund 1,56 Milliarden Euro pro Jahr. Neben 35 BKK- und IKK-Kundenkassen der GWQ sind auch DAK, KKH, HEK und hkk an Bord. Die Barmer hat parallel eine eigene Ausschreibung gestartet. Der Vertragsstart ist für den 1. Januar 2027 geplant, so soll der Industrie ausreichend Zeit für die Umsetzung der Verträge bleiben.
Aus Sicht der Federführer bietet die kassenübergreifende Ausschreibung nicht nur Einsparungen auf Kassenseite, sondern auch Vorteile für Versicherte und Apotheken. Denn die Vertragspartner werden bis zu 42 Prozent gesetzlich Versicherten beliefern. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit, dass die rabattierten Biosimilars direkt in der Apotheke verfügbar sind und nicht erst Großhandel bestellt werden müssen. Somit sei eine schnelle Versorgung der Patient:innen gewährleistet. Außerdem kann die Fokussierung auf die Arzneimittel der Vertragspartner dazu beitragen, dass das pharmazeutische Personal schneller Routine mit produktspezifischen Details, zum Beispiel dem jeweiligen Device, hat und dementsprechend beraten kann.
Ausschreibungen entlasten Kassen
Das Ziel der Ausschreibungen: die Nettokosten für biologische Fertigarzneimittel spürbar zu senken und die Versorgung planbarer und belastbarer aufzustellen. Die Einsparpotenziale bei Biosimilars könnten einen zusätzlichen Beitrag zur Stabilisierung der GKV-Finanzen leisten. Beispiele aus anderen europäischen Märkten zeigen zum Teil deutlich niedrigere Preisniveaus als in Deutschland. Dies zeige sich exemplarisch am Beispiel Adalimumab: Ein europäischer Preisüberblick weise bereits auf Ebene der öffentlichen Listenpreise deutliche Unterschiede aus. Hierzulande kostet das umsatzstärkste Produkt – Hyrimoz 40 mg/0,4 ml Injektions-Lösung im Fertigpen – 2750 Euro je Packung. In Finnland liegt der Preis bei 255 Euro je Packung. „Vor diesem Hintergrund und zur Stabilisierung der GKV-Finanzen ist es aus Sicht von TK und GWQ folgerichtig, auch Biosimilars einem konsequenten Wettbewerb zu unterstellen und so weitere Einsparpotenziale zu erschließen.“
Die Vertragspartner werden verpflichtet, entsprechende Lagerbestände aufzubauen und die Versorgung über die vorgesehene Laufzeit von zwei Jahren zuverlässig abzusichern. Diese Resilienz lasse sich mit den Open-House-Verträgen ohne verbindliche Bevorratungspflichten nicht erreichen.
Seit dem 1. April müssen auch biotechnologisch hergestellte Arzneimittel ausgetauscht werden. Dabei gelten dieselben Regeln wie für andere Arzneimittel. Stolperfallen gibt es bei der Verordnung, denn Ärzt:innen müssen nicht nur die Darreichungsform, sondern auch das Behältnis angeben.