Autoimmunerkrankungen

Psoriasis: Tremfya besser als Cosentyx APOTHEKE ADHOC, 27.11.2019 14:02 Uhr

  • 90-prozentige Reduktion der charakteristischen Symptome als Primärziel: Guselkumab hatte mit 84 Prozent gegenüber Secukinumab mit 70 Prozent die Nase vorn.
Berlin -

Etwa zwei Millionen Deutsche leiden unter den Symptomen der Schuppenflechte. Bei schwereren Formen kommen Interleukin-Inhibitoren in Form von Injektionen zum Einsatz. Mit einer Studie wurde nun erstmals ein direkter Vergleich in dieser Wirkstoffgruppe zwischen Tremfya (Guselkumab, Janssen-Cilag) und Cosentyx (Secukinumab, Novartis) durchgeführt: Tremfya erzielte insgesamt etwas bessere Ergebnisse.

Bei mittelschweren und schweren Verlaufsformen der Schuppenflechte sind äußerliche Therapien meist nicht ausreichend. Systemische Therapien sind daher ein fester Besandteil der Behandlung: Sie wirken immunsuppressiv und regulieren die übersteigerte Immunreaktion. Eine Gruppe dieser systemischen Therapien sind Interleukin-Inhibitoren, zu denen die beiden Wirkstoffe Secukinumab und Guselkumab zählen. Sie greifen frühzeitig in die Entzündungskaskade ein: Secukinumab bindet an Interleukin-17A und inaktiviert das Zytokin. Guselkumab inhibiert das Zytokin Interleukin 23, wodurch die Interaktion mit seinem Rezeptor unterbunden wird. Vergleichsstudien zwischen Vertretern dieser Substanzklasse gab es bisher nicht.

Eine internationale Studiengruppe des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf änderte dies: In der doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie wurden mehr als 1000 Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Schuppenflechte beobachtet. Sie erhielten entweder Guselkumab oder Secukinumab: Guselkumab wurde in einer Dosierung von 100 mg in Woche 0 und 4 verabreicht, danach alle acht Wochen. Secukinumab-Patienten erhielten 300 mg in Woche 0, 1, 2, 3 und 4 und anschließend alle vier Wochen.

Das primäre Studienziel war der Anteil der Patienten, die in Woche 48 gegenüber den Ausgangswerten eine mindestens 90-prozentige Reduktion beim Psoriasis Area and Severity Index (PASI 90) erreichten: Den primären Endpunkt PASI 90 erreichten 84 Prozent der Patienten unter Guselkumab und 70 Prozent unter Secukinumab. Zudem gab es weitere, sekundäre Endpunkte: Einer davon war der Anteil der Patienten, die einen PASI 75 sowohl in Woche zwölf als auch in Woche 48 erreichten. Auch hier lag Guselkumab mit 85 Prozent der Patienten knapp vor Secukinumab mit 80 Prozent. Da dieser Unterschied jedoch statistisch nicht signifikant war, wurden von den Forschern keine weiteren formalen statistischen Tests für andere sekundäre Endpunkte unternommen.

Erst vor wenigen Wochen wurden gemischte Ergebnisse zu Cosentyx im Bereich Psoriasis-Arthritis vorgestellt: Der Entzündungshemmer hatte in einer Studie die gesteckten Ziele innerhalb der Indikation knapp verfehlt. Gegenüber dem Konkurrenzmittel Humira (Adalimumab) von Abbvie hatte er jedoch numerisch besser abgeschnitten. Dies waren die Ergebnisse der Exceed-Kopf-an-Kopf-Studie, in der Cosentyx mit Humira bei Patienten mit aktiver Psoriasis-Arthritis (PsA) verglichen wurde. Cosentyx habe die statistische Signifikanz bei ACR20 nicht erreicht, hieß es. Dabei versteht man unter ACR20 die Verbesserung verschiedener Aspekte wie etwa die Linderung geschwollener Gelenke sowie etwa die Bewertung auf einer Schmerzskala um 20 Prozent. Ziel der Studie war es zu schauen, ob eine Cosentyx-Monotherapie bei diesen Aspekten gegenüber einer Humira-Monotherapie statistisch überlegen ist. Behandelt wurden Patienten, die an aktiver psoriatischer Arthritis (PSA) leiden.

Charakteristisch für die Hauterkrankung der Plaque-Psoriasis sind stark schuppende, rötlich-entzündete Hautstellen. Häufig sind die betroffenen Stellen von silbrig-glänzenden Schuppen bedeckt und die sogenannten Plaques sind leicht erhaben. Meist sind sie rundlich und klar von der umliegenden Haut abgegrenzt. Häufig sind Ellbogen, Knie, der behaarte Kopf und die Haut hinter den Ohren befallen. Betroffene leiden nicht nur unter starken Schmerzen, sondern auch unter extremem Juckreiz oder Brennen der Haut.

Die Ursachen der Schuppenflechte sind bis heute nicht vollständig geklärt. Ein wesentlicher Aspekt ist die genetische Veranlagung, die aber nicht zwingend zum Ausbruch der Krankheit führen muss. Durch verschiedene Auslöser, häufig auch Trigger genannt, kommt es dann zu ersten Symptomen. Diese können vielfältig sein: Infekte durch Streptokokken, wie eine Mandelentzündung, aber auch ungesunde Ernährung, Hormonschwankungen in Schwangerschaft und Pubertät oder psychische Faktoren kommen als Auslöser in Frage. Auch verschiedene Medikamente wie ACE-Hemmer, Betablocker und Statine sollen den Ausbruch einer Psoriasis begünstigen oder deren Verlauf verschlimmern können.