HPV-Impfung

Studien: Kein MS durch Gardasil APOTHEKE ADHOC, 28.01.2015 14:23 Uhr

Kein Zusammenhang: Zwei neue Studien belegen, dass HPV-Impfstoffe wie Gardasil das Risiko für Multiple Sklerose (MS) nicht erhöhen. Foto: APOTHEKE ADHOC
Berlin - 

Impfungen gegen das menschliche Papilloma-Virus HPV zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs erhöhen nicht das Risiko für Multiple Sklerose (MS) oder ähnliche Nervenkrankheiten. Zu diesem Ergebnis kommen zwei neue Studien. Nachdem 2006 der Impfstoff gegen HPV zugelassen worden war, hatte es mehrere Fallberichte über MS-Erkrankungen gegeben.

Um den Kausalzusammenhang zu untersuchen, werteten Epidemiologen um Nikolai Madrid Scheller vom Statens Serum Institut in Kopenhagen die Krankheitsdaten von fast 4 Millionen Däninnen und Schwedinnen im Alter zwischen 10 und 44 Jahren aus. Von ihnen hatten 800.000 zwischen 2006 bis 2013 Gardasil erhalten. Die Forscher verglichen die Häufigkeit von MS vor und nach der Impfung.

Unter insgesamt 7622 MS-Neuerkrankungen waren lediglich 163 in den ersten zwei Jahren nach einer Impfung aufgetreten. Vor der Impfung gab es durchschnittlich 22 MS-Erkrankungen pro 100.000 Personenjahre – nach der Impfung lag dieser Wert nur bei 6 MS-Erkrankungen.

Die Wissenschaftler untersuchten auch andere ähnliche Leiden, die ebenfalls die Hüllen von Nervenzellen angreifen. Hier ergab sich das gleiche Bild: Die „demyelinisierenden“ Krankheiten wurden vor der Impfung jeweils 16-mal pro 100.000 Personenjahre beobachtet, gegenüber 8-mal nach der Impfung.

Das Ungleichgewicht entstehe dadurch, dass sich MS und ähnliche Krankheiten bei Frauen meist erst im zweiten Lebensjahrzehnt entwickelten, während das Impfalter in der Regel zwischen 10 und 15 Jahren liege. In einer Korrekturrechnung passten die Forscher ihre Zahlen entsprechend der natürlichen Altersverteilung von MS an. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer HPV-Impfung an MS zu erkranken, erwies sich dann als genau so groß wie ohne Impfung. Die Daten sprächen wie andere zuvor für ein „günstiges Sicherheitsprofil“.

Zum gleichen Ergebnis kommt eine Studie, die in Südkalifornien mit einer anderen Methode durchgeführt wurde. Sämtliche Krankenakten der Versicherungsfirma Kaiser Permanente Southern California von 2008 bis 2011 wurden nach neurologischen Auffälligkeiten untersucht. Den 780 Fällen mit MS oder anderen demyelinisierenden Krankheiten stellten die Forscher knapp 4000 gesunde Versicherte gegenüber, die den Erkrankten bezüglich Alter, Geschlecht und Wohnort möglichst ähnelten.

Auch hier fanden die Wissenschaftler keinen Zusammenhang zwischen einer HPV-Impfung und dem Risiko einer demyelinisierenden Krankheit binnen drei Jahren. Jedoch war das Risiko, in den ersten 30 Tagen nach der Impfung zu erkranken, für Geimpfte unter 50 Jahren mehr als doppelt so hoch wie für Nichtgeimpfte.

„Diese Daten sprechen gegen einen ursächlichen Zusammenhang“, so Professor Dr. Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München. Wahrscheinlich sei vielmehr, dass bei Menschen mit einer bereits vorhandenen, unterschwelligen Erkrankung, eine Impfung den Übergang zu sichtbaren Symptomen beschleunigen könne. „Solch ein Übergang kann auch durch jede natürliche Infektion – etwa mit Schnupfenviren – eingeleitet werden.“