Gichttherapeutika

BfArM: Neue Höchstmenge für Colchysat Nadine Tröbitscher, 09.02.2017 15:16 Uhr

Berlin - 

Akute Gichtanfälle werden mit Prednisolon und/oder einem nicht-steroidalen-Antirheumatikum (NSAR) behandelt. Mittel der zweiten Wahl sind Präparate aus der Herbstzeitlose. Colchicin hat jedoch eine geringe therapeutische Breite, vor Kurzem verstarb ein 73-Jähriger an einer Überdosierung. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beabsichtigt nun eine Begrenzung der Höchstmenge. Betroffen von der Änderung ist das Produkt Colchysat Bürger.

Im Januar verstarb ein 73-jähriger Mann etwa 50 Stunden nach der Einnahme eines Colchicin-Präparates an einem Multiorganversagen. Er hatte einen akuten Gichtanfall mit der Lösung behandelt. Der ältere Mann nahm 50 ml ein, was 25 mg Colchicin entspricht. Im Akutfall wird als Initialdosis 1 mg des Wirkstoffes gegeben. Dies entspricht einer Menge von 2 ml. Innerhalb von 24 Stunden dürfen höchstens 8 mg Colchicin verabreicht werden. Die Maximaldosierung für einen Gichtanfall beträgt 12 mg, also 24 ml.

Das BfArM beabsichtigt nun, die Packungsgröße von bisher 100 ml auf maximal 30 ml zu reduzieren. So soll das Risiko für eine Überdosierung durch Medikationsfehler verringert werden. Das BfArM sieht die Maßnahme als geeignet und erforderlich. Nach Bewertung aller vorliegenden Erkenntnisse sei das Nutzen-Risiko-Verhältnis sonst nicht mehr positiv. Das BfArM hat nach eigenem Bekunden eine therapiegerechte Packungsgröße gewählt. Sie sei nicht zu klein, um einen akuten Gichtanfall zu behandeln, und nicht zu groß, um eine Überdosierung zu erreichen. Bürger kann bis zum 28. Februar Stellung nehmen.

Schon im Januar meldete die Arneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), eine Begrenzung der Abgabemenge wäre sinnvoll, denn eine Flasche à 100 ml enthalte genügend Wirkstoff für mehrere letale Vergiftungen. Der verstorbene Patient habe mit 50 ml einen großen Schluck eingenommen. Die entsprechende Menge von 50 Tabletten wäre wahrscheinlich nicht aus Versehen eingenommen worden.

In den vergangenen 20 Jahren gab es etwa 71 gemeldete Vergiftungsfälle mit Colchicin, etwa 40 werden als Medikationsfehler eingestuft. Frankreich hat die Tageshöchstmenge bereits auf 3 mg festgelegt, die Einnahmedosis wird an den weiteren Tagen verringert.

Der Wirkstoff wird rasch vom menschlichen Körper resorbiert und hauptsächlich über die Leber oder unverändert über Niere wieder ausgeschieden. Das Alkaloid besitzt eine geringe therapeutische Breite und geht unter anderem mit Inhibitoren des P-Glykoproteins und CYP3A4 Wechselwirkungen ein. Erste Symptome einer Überdosierung können Übelkeit, Erbrechen, Abdominalschmerzen, Durchfall oder Elektrolytstörungen sein. Diese Beschwerden treten in den ersten 24 Stunden nach der Einnahme auf und können in ein Multiorganversagen übergehen. Metabolische Azidose, Herzrhythmusstörungen, Herz-, Lungen- oder Nierenversagen können zum Tod führen.

Ein Antidot gibt es nicht. Die Behandlung einer Vergiftung kann lediglich symptomatisch erfolgen. Das Herbeiführen von Erbrechen, eine Magenspülung oder die Gabe von medizinischer Kohle soll das Gift aus dem Körper entfernen. Dieser Vorgang stellt jedoch aufgrund der schnellen Resorption eine Schwierigkeit dar.