Bald rezeptfrei? SAV entscheidet über Prednisolon 18.05.2026 08:57 Uhr
Im Juli tagt wieder der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht. Unter anderem soll eine Empfehlung für einen OTC-Switch von Prednisolon zur Anwendung auf der Haut abgegeben werden.
Auf der Tagesordnung des Sachverständigenausschusses stehen die Entlassungen aus der Verschreibungspflicht von:
- Prednisolon zur Anwendung auf der Haut
- Hyoscyami folium et herba (Bilsenkrautblätter und -kraut) zur oralen Anwendung
- Digitoxin zur Anwendung am Auge
- Olopatadin zur Anwendung am Auge bei Kindern ab drei Jahren
Anfang 2023 hat der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht (SAV) einstimmig empfohlen, den Antrag auf einen OTC-Switch für Olopatadin zur Anwendung am Auge anzunehmen, wenn auf Behältnissen und äußeren Umhüllungen eine Beschränkung der Anwendung auf Erwachsene angegeben ist, es sei denn, es handelt sich um von der Europäischen Kommission als verschreibungspflichtig zugelassene Arzneimittel. Inzwischen sind verschiedene Olopatadin-haltige Augentropfen für Erwachsene auf dem Markt.
Olopatadin ist ein hochwirksames, selektives Antiallergikum, das auf verschiedenen Wegen wirkt. Zum einen wird die Wirkung von Histamin durch Antagonismus am Histamin-H1-Rezeptor gehemmt und zum anderen die Histamin-induzierte Produktion entzündungsfördernder Zytokine durch konjunktivale Epithelzellen verhindert. In-vitro-Studien lassen darauf schließen, dass der Wirkstoff direkt auf Mastzellen der menschlichen Bindehaut wirken kann. In der Folge wird die Ausschüttung entzündungsfördernder Mediatoren gehemmt. Außerdem soll Olopatadin bei okulärer Gabe bei Patient:innen mit durchgängigem Tränennasengang die Nasensymptome mindern.
In der Regel soll zweimal täglich ein Tropfen in die Augen gegeben werden. In Kombination mit anderen Augentropfen ist ein Abstand von etwa fünf bis zehn Minuten einzuhalten. Kontaktlinsen sollten mit einem Abstand von 15 Minuten eingesetzt werden. Zu den unerwünschten Arzneimittelwirkungen gehören unter anderem lokale Reaktionen am Auge wie Augenreizungen oder trockenes Auge.
Zuletzt gab es einen OTC-Switch für Zubereitungen von Prednisolon mit Salicylsäure, die zur Behandlung von leicht ausgeprägten entzündlichen Erkrankungen der Kopfhaut eingesetzt wird, beispielsweise bei Schuppenflechte oder seborrhoischer Dermatitis. Die Kombi wirkt entzündungshemmend und hilft, Hautirritationen sowie Juckreiz spürbar zu lindern. Verschreibungsfrei sind Zubereitungen zur Anwendung auf der Kopfhaut in einer Konzentration von 0,2 Prozent Prednisolon in Kombination mit 0,4 Prozent Salicylsäure und in Packungsgrößen bis zu 50 ml zur Behandlung von gering ausgeprägten entzündlichen Erkrankungen der Kopfhaut bei Erwachsenen und einer maximalen Anwendungsdauer von drei Wochen. Mit Linola Akut wurde ein Fertigarzneimittel für die Selbstmedikation gelauncht.
Im Januar 2019 hatte der SAV den Switch von Hydrocortison in der Konzentration von 1 Prozent abgelehnt. Dabei standen die Chancen für eine Entlassung aus der Verschreibungspflicht gar nicht so schlecht, denn im November 2017 wurde eine Entlassung aus der Verschreibungspflicht zur Behandlung des Herpes labialis für die Wirkstoffkombination Aciclovir/Hydrocortison empfohlen. Das Kombinationspräparat Zovirax duo enthält 1-prozentiges Hydrocortison und ist seit März 2018 ohne Rezept zu haben. Hydrocortison ist zudem als Monopräparat zur kutanen Anwendung in Packungsgrößen bis 50 Gramm und einer maximalen Konzentration von 0,25 Prozent sowie in Behältnissen bis 30 Gramm als 0,5-prozentiges Präparat rezeptfrei.