ASS schützt im Alter nicht vor Krebs 24.02.2026 08:51 Uhr
Obwohl ASS lange als Mittel zur Krebsvorsorge galt, zeigt die Langzeit-Nachbeobachtung der bekannten Aspree-Studie nun überraschend, dass gesunde Senior:innen selbst nach fast zehn Jahren keinen präventiven Nutzen erzielen. Die Untersuchung widerlegt die Erwartung eines zeitversetzten Schutzeffekts im Alter und korrigiert damit bisherige Annahmen aus Studien mit jüngeren Patienten. Die Schutzwirkung im hohen Alter bleibt aus – stattdessen überwiegt das Risiko schwerer Blutungen.
Die nun veröffentlichte Nachbeobachtung Aspree-Xt ist die Fortsetzung der großen Aspree-Studie, in deren ursprünglicher Phase über 19.000 gesunde Senior:innen aus Australien und den USA täglich 100 mg ASS oder ein Placebo einnahmen. Die Teilnehmenden waren zu Beginn mindestens 70 Jahre alt, wobei Minderheiten in den USA bereits ab 65 Jahren einbezogen wurden.
Schon in dieser ersten Phase zeigte sich ein unerwartetes Ergebnis: Die ASS-Gruppe hatte kein geringeres Krebsrisiko, während die krebsbedingte Sterblichkeit jedoch um 15 Prozent höher lag. Zudem traten deutlich mehr gefährliche Blutungen im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn auf. Aufgrund des fehlenden Nutzens und der Risiken wurde die Tabletteneinnahme nach durchschnittlich 4,7 Jahren beendet.
Legacy-Effekt?
Mit Aspree-Xt untersuchten die Forscher die Langzeitfolgen über insgesamt fast zehn Jahre, um zu klären, ob ASS im Alter vielleicht erst zeitversetzt vor Krebs schützt. Die Forschenden vermuteten den sogenannten Legacy-Effekt, bei dem ein Nutzen erst Jahre nach dem Absetzen eintritt.
Die Durchführung kombinierte die Daten der aktiven Phase mit der anschließenden Beobachtung bis zum Jahr 2024, wodurch ein medianer Beobachtungszeitraum von 8,6 Jahren entstand.
ASS: Kein Schutz vor Krebs
Die Ergebnisse der Nachbeobachtung zeigen jedoch: ASS bietet im Alter auch langfristig keinen Schutz vor Krebs. Es gab keinen statistischen Zusammenhang zwischen der Einnahme und der Anzahl der Krebsfälle, und auch bei Darmkrebs zeigte sich keine vorbeugende Wirkung.
Ein positiver Späteffekt blieb somit aus. Immerhin verschwand das erhöhte Sterberisiko aus der ersten Phase nach dem Absetzen des Medikaments wieder; die Kurven der beiden Gruppen glichen sich über die Jahre an. Ein dauerhafter biologischer Schaden durch die frühere Einnahme liegt offenbar nicht vor.
Eine mehrjährige Strategie mit ASS zur Krebsprävention ist für gesunde ältere Erwachsene deshalb laut Forschender nicht zu empfehlen. Dem fehlenden Nutzen stehen erhebliche Blutungsrisiken gegenüber. Die Biologie älterer Menschen reagiert offenbar anders auf den Wirkstoff als die jüngerer Personen. Medizinische Entscheidungen für Senioren müssen daher auf diesen speziellen Daten basieren.
Die Studie mit dem Titel „Aspirin and Cancer Incidence and Mortality in Older Adults: Long-term and Legacy Results From the ASPREE Randomized Clinical Trial“ wurde federführend von der Monash University in Melbourne sowie dem Berman Center for Outcomes and Clinical Research in Minneapolis durchgeführt und im Fachjournal JAMA Oncology veröffentlicht.