Hepatitis-Medikamente

Ärzte fechten Sovaldi-Patent an dpa/APOTHEKE ADHOC, 11.02.2015 09:27 Uhr

Berlin - 

Sovaldi (Sofosbuvir) hat wegen seines Preises bereits für viele Diskussionen gesorgt. Jetzt hat die Organisation Ärzte der Welt beim Europäischen Patentamt (EPA) in München Einspruch gegen das Patent des Herstellers Gilead eingelegt. Ziel sei es, den Markt für Generika zu öffnen, sagte die Sprecherin der Organisation in München, Ute Zurmühl. In Indien sei das Patent vor wenigen Wochen abgelehnt worden mit dem Argument, dass es nicht innovativ genug sei. Jedenfalls stehe der Preis in keinem Verhältnis zu den Produktionskosten.

Die Molekularstruktur von Sofosbuvir sei auch das Ergebnis der Arbeit von zahlreichen staatlichen und privaten Forschungseinrichtungen und rechtfertige daher nicht den alleinigen Anspruch auf ein Patent durch Gilead, so Ärzte der Welt mit Verweis auf Experten. Der Einspruch wurde mit technischer und rechtlicher Unterstützung des internationalen Netzwerkes I-MAK (Initiative For Medicines, Access & Knowledge) und des Patentanwalts Lionel Vial vorbereitet.

Es sei das erste Mal in Europa, dass eine medizinische Nicht-Regierungs-Organisation diesen Weg wähle, um den Zugang zu Arzneimitteln für Patienten zu verbessern. In der Vergangenheit waren bereits zivilgesellschaftliche Organisationen zum Beispiel in Indien, Brasilien, USA oder Ägypten erfolgreich gegen bereits erteilte Patente vorgegangen. Behandlungskosten konnten so deutlich gesenkt werden.

„Wir setzen uns für den universellen Zugang zu medizinischer Versorgung ein”, erklärt Dr. Jean-Francois Corty, Leiter der Inlandsprojekte von Ärzte der Welt in Frankreich. Auch in wohlhabenden Ländern wie Frankreich, Deutschland oder England gefährde der Preis von Sofosbuvir die Existenz der solidarischen Gesundheitssysteme. Es wird allerdings dauern, bis es in der Sache für Europa eine Entscheidung gibt. Die Firma erhalte nun einen Einspruchstext, so ein EPA-Sprecher. „Wenn das Verfahren ins Laufen kommt, wird es sicherlich zwei bis drei Jahre dauern, bis man die erste Instanz abschließt.”

Ärzte der Welt will mit der Anfechtung auch eine Debatte um die Preispolitik von Pharmaherstellern anregen: Wie teuer darf ein Medikament sein? Welche wirtschaftlichen Interessen bestimmen den Preis von Medikamenten? Welche ethischen Grundsätze brauchen wir innerhalb unserer Gesundheitssysteme?

Sofosbuvir ist in Kombination mit anderen Wirkstoffen zugelassen und erreicht eine hohe Heilungsrate schon nach den ersten 12 Wochen, abhängig vom Viren-Genotyp. Vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) wurde Sofosbuvir ein beträchtlicher Zusatznutzen bescheinigt. In Deutschland kostet ein Therapiezyklus mit dem Originalpräparat derzeit knapp 60.000 Euro. Die Krankenkassen befürchten Milliardenkosten durch das Medikament.

Für Entwicklungsländer, wo die meisten Menschen mit Hepatitis-Infektion leben, hat Gilead bereits Abkommen mit Generikafirmen getroffen. Der Therapiezyklus von 12 Wochen soll dort nur rund 900 US-Dollar kosten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) tragen zwischen 130 und 150 Millionen Menschen das Hepatitis-Virus vom Typ C. Innerhalb der EU sind zwischen 7,3 und 8,8 Millionen Menschen mit Hepatitis C infiziert.