Impfstoffe für Betriebsärzt:innen

„Wegen 50 Dosen können wir nicht nach Berlin fahren“ Carolin Ciulli, 25.05.2021 13:44 Uhr

  • Absage für Stammkunden: Die Bamberger St. Georg-Apotheke ist Impfstoff-Profi, kann aber aufgrund der Transportzeit von Comirnaty nicht alle Anfragen aus Deutschland bedienen. Foto: St. Georg-Apotheke

Berlin - Die Betriebsärzt:innen haben ihre erste Bestellung an Covid-19-Impfstoffen in Apotheken abgegeben. Der Start verlief sehr unterschiedlich, wie Apothekerin Dr. Anke Saß berichtet. Die Inhaberin der St. Georg-Apotheke in Bamberg ist auf die bundesweite Lieferung von Impfstoffen spezialisiert. Aufgrund der eingeschränkten Transportzeit und teils geringen Mengen musste sie Kunden auch an andere Apotheken verweisen.

Saß und ihr Team sind Impfstoff-Profis. Die Apotheke beliefert rund 200 Betriebsärzt:innen und betriebsärztliche Dienste. Letztere stehen momentan im Fokus. „Wir hatten Anfragen aus Berlin, Hamburg und Mönchengladbach“, sagt die Apothekerin. „Allerdings lohnt es sich nicht, wegen 50 Dosen so weit zu fahren.“ In diesen Fällen musste Saß den Ärzt:innen nahelegen, bei einer Apotheke vor Ort anzufragen. Für eine längere Strecke sei eine gewisse Anzahl, etwa 50 bis 100 Vials, nötig. „Wir versuchen unser Möglichstes, um die Anfragen hinzubekommen.“

Die bisherige Vergütung bewertet die Inhaberin als bescheiden. Bei dem gestaffelten Honorar bleibe am Ende nicht viel übrig. Laut dem Referentenentwurf erhalten die Apotheken für die Belieferung der Betriebsärzt:innen 6,58 Euro zuzüglich Umsatzsteuer für die monatliche Abgabe der 1. bis 100. Durchstechflasche, 4,28 Euro zuzüglich Umsatzsteuer für die monatliche Abgabe der 101. bis 150. Durchstechflasche und 2,19 Euro zuzüglich Umsatzsteuer für die monatliche Abgabe ab der 151. Durchstechflasche. Das Honorar sei gestaffelt, weil im Vergleich zu einer belieferten Arztpraxis Impfstoffdosen an Betriebsärzte in höherer Zahl abgegeben würden, so das Bundesgesundheitsministerium (BMG).

Ein weiteres Problem bei der bundesweiten Belieferung sei die Transportzeit von maximal zwölf Stunden. Aktuell ist vorgesehen, dass die Apotheken – analog zur Belieferung der Kassenärzt:innen – den Impfstoff aufgetaut erhalten. „Das ist ein limitierender Faktor“, sagt Saß. „Wir berechnen bei der Belieferung immer einen Sicherheitspuffer und im Fall von Comirnaty bleibt da nicht viel übrig.“

Für die etablierten Kundenbeziehungen sei dies nicht förderlich. „Das ist natürlich schade, aber die Betriebsärzt:innen haben grundsätzlich Verständnis, auch wenn sie es nicht schön finden, dass wir nicht liefern.“ Insgesamt sei die Nachfrage nach Covid-19-Impfstoff gemischt gewesen. Manche Kunden hätten zunächst zögerlich bestellt. „Vielleicht lag es am langen Feiertagswochenende.“ Andere hätten die maximal 804 Dosen komplett ausgeschöpft. „Selbstverständlich bedienen wir regional alle Anfragen und haben auch hier Anfragen von Betriebsärzten erhalten, die zuvor noch nicht zu unseren Kunden zählten.“

Laut einer aposcope-Umfrage unter 309 verifizierten Apotheker:innen und PTA ist bisher dritte Apotheke in die Auslieferung der Impfstoffe an Betriebsärzt:innen eingebunden. Im Durchschnitt bestellten bis Freitag pro Apotheke 2,14 Betriebsärzt:innen. Der Mittelwert bei den bestellten Dosen liegt bei 563. Allerdings gibt es einzelne Teilnehmer:innen, bei denen eine größere einstellige Anzahl an Betriebsärzt:innen bestellt haben; Rekord sind sogar 22 Ärzt:innen und mehr als 7000 Impfdosen.

Am 7. Juni sollen die Apotheken die ersten Vakzine von Biontech ausliefern. Zur Verfügung stehen insgesamt 500.000 Dosen. Auch die Firmenärzt:innen sollen sich anfangs auf Kürzungen einstellen. Das genaue Verfahren ist noch nicht abschließend beschlossen. Zur Umsetzung wird laut BMG derzeit die CoronaImpfV angepasst. Vorgesehen ist, dass Apotheken mit einem Vorlauf von zwei Wochen die Bestellungen der Betriebs:ärztinnen entgegennehmen. Sie sollen die Aufträge zunächst per Fax oder E-Mail nur bei vier Großhändlern ordern.