Pharmalogistik

Apotheker zufrieden mit Lieferdrohne Katharina Lübke, 20.11.2014 08:40 Uhr

Berlin - 

Seit Ende September liefert der „Paketkopter“ von DHL Medikamente an die Seehund-Apotheke auf der Nordseeinsel Juist, die am schwersten zu erreichende der sieben ostfriesischen Inseln. Für die Lieferdrohne bedeutet das perfektes Übungsterrain. Zahlreiche Testflüge hat das GPS-gesteuerte Fluggerät mittlerweile absolviert. Sogar in zwei Notfällen sprang die Drohne ein. DHL und der Apotheker Erich Hrdina sind zufrieden.

„Bisher haben wir trotz widriger Wetterbedingungen 20 Pakete transportiert und an den Apotheker ausgeliefert“, so ein DHL-Sprecher. Der Kopter könne auch bei Nacht, Nebel und erheblichen Winden fliegen. Störungen habe es bisher keine gegeben. Das Gerät könne blitzschnell etwa auf Möwen reagieren und ausweichen. In Notfällen könne über eine mobile Bodenstation eingegriffen werden.

„Es läuft super“, sagt Apotheker Hrdina. Eigentlich handele es sich um einen reinen Testbetrieb, aber die zwei Akutfälle hätten „zufällig rein gepasst“, sagt der Apotheker. In einem Fall habe eine ältere Dame ihren Blutdrucksenker benötigt, den sie beim Einkauf vergessen habe. „Wir hätten ihr sonst ein anderes Mittel geben müssen“, sagt Hrdina.

In dem anderen Fall habe ein junger Mann mit einer Knieverletzung ein Muskelrelaxans bekommen. Wegen einer Medikamentenunverträglichkeit sei ein spezielles Medikament notwendig gewesen. Der Arzt habe dies am Samstag Abend angefordert. Nach rund zwei Stunden war es vor Ort. „Im Normalfall hätten wir das erst am Montag bestellen können und am Abend erhalten“, so Hrdina.

Zwischen 16 und 20 Uhr kann das Gerät eingesetzt werden. Hrdina bestellt die Ware beim Großhandel. DHL holt das Medikament per Kurier ab und bringt es nach Norddeich. Dort steigt der Paketkopter in die Luft und fliegt nach Juist.

Rund 16 Minuten dauert der 12 Kilometer lange Flug. Noch bis zum Jahresende wird der „DHL-Paketkopter“ Medikamente von der niedersächsischen Hafenstadt Norden zur Seehund-Apotheke transportieren. Das Forschungsprojekt steht jedoch noch am Anfang. Die positiven Erfahrungen seien eine solide Basis für weitere Paketdrohnen-Projekte in unwegsamen Gebieten.

Das Projekt ist laut DHL weltweit das einzige, in dem ein autonom fliegender Kopter die Genehmigung zur Notfallversorgung erhalten hat. Aus Sicherheitsgründen müsse jeder Flug einzeln angemeldet werden. DHL arbeite eng mit der niedersächsischen Landesbehörde zusammen sowie mit der Nationalparkverwaltung Wattenmeer und dem wissenschaftlichem Partner, der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH).