TV-Tipp

Lieferengpässe: Apotheker Gulde im SWR APOTHEKE ADHOC, 13.02.2020 11:49 Uhr

  • Das SWR-Magazin „Zur Sache Baden-Württemberg“ stattete dem Stuttgarter Apotheker Christoph Gulde einen Besuch ab. Foto: Florian Gerlach

Berlin - Das SWR-Magazin „Zur Sache Baden-Württemberg“ berichtet heute Abend über Lieferengpässe in deutschen Apotheken. „China in Quarantäne: Droht ein Medikamenten-Engpass?“, heißt der Beitrag, der um 20:15 Uhr ausgestrahlt wird. Anschließend ist der Beitrag auch in der ARD-Mediathek abrufbar.

Lieferengpässe gehören schon lange zum Alltag von Apotheken. Doch die Situation könnte sich durch das Corona-Virus deutlich verschärfen. Denn viele Wirkstoffe oder Präparate werden in den stärker betroffenen Gebieten in China produziert. „Zwangsferien und weniger Transporte von Waren und Gütern nach Europa gefährden die Versorgung in Deutschland“, heißt es in der Ankündigung des SWR.

Der aktuelle Produktionsstopp könne die ohnehin bestehenden Lieferengpässe dramatisch verschärfen, warnt der Pharmakologe Professor Dr. Bernd Mühlbauer im Beitrag. Bereits heute fehlten in Apotheken und Kliniken mehr als 250 gängige Medikamente wie Blutdrucksenker, Antibiotika und Narkosemittel. Auch die Standortfrage wird mit dem Experten besprochen: „Sollten Arzneimittel künftig wieder vermehrt in Deutschland produziert werden?“

Zu Wort kommt außerdem der Stuttgarter Apotheker Christoph Gulde. Mit der Corona-Quarantäne wachse bei den Kunden die Sorge, ob sie ihr gewohntes Medikament künftig noch bekommen. „Es wird immer schlimmer, wir betreiben hier Mangelverwaltung“, so Gulde. Manche Arzneimittel kann er nur mit viel Aufwand organisieren, für andere versucht er, Ersatzpräparate zu finden.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bereits vor Lieferengpässen gewarnt: „Wenn die Produktion in China über Tage und teils Wochen eingestellt wird“, sagte er, „kann das natürlich auch Folgen für die Lieferfähigkeit haben.“ China sei einer der wichtigsten Produktionsstandorte für Arzneimittelhersteller, Europa sei damit unmittelbar von Fabrikschließungen betroffen, die es aufgrund des Virus gibt. Man müsse von einer Verzögerung ausgehen, da Containerschiffe mit Arzneimitteln für gewöhnlich um die vier Wochen bräuchten, um in Europa anzukommen. Engpässe könnten in zwei bis drei Wochen durchschlagen. „Wir müssen schauen, wie wir damit umgehen“, sagte Spahn.

An diesem Donnerstag trifft Spahn in Brüssel beim EU-Gesundheitsministerrat auf seine europäischen Amtskollegen. Dort soll neben dem Thema Lieferengpässe beraten werden, wie man die schnellstmögliche Entwicklung von Impfstoffen und Arzneimitteln gegen das Coronavirus unterstützt. Es sei noch nicht klar, sagte Spahn, ob aus der weitgehend auf China beschränkten Epidemie eine weltweite Pandemie werde. „Es könnte auch in Deutschland erst mal schlechter werden, bevor es besser wird“, noch sei der Höhepunkt der Corona-Welle „nicht erreicht“, so Spahn.

Hintergrund

Wuhan ist nicht nur Zentrum der Corona-Epidemie, sondern auch Standort wichtiger Wirkstofffabriken. Für 19 Arzneimittel ist laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Wirkstoffhersteller in der Stadt mit elf Millionen Einwohnern gemeldet; die Behörde fürchtet Lieferengpässe bei 48 versorgungsrelevanten Wirkstoffen. Einem Insider zufolge könnten die Engpässe erst zum Jahresende hierzulande spürbar sein.

Eine zuverlässige Meldung zu möglichen Lieferengpässen gibt es derzeit noch nicht. Allerdings scheinen die Maschinen vieler Wirkstoffproduzenten stillzustehen. Ob und in welcher Härte es Engpässe auf dem deutschen Markt geben wird, hängt von der Dauer der verhängten Quarantäne ab. Außerdem weiß niemand – mit Ausnahme des Importeurs und des Wirkstoffherstellers – wie viel Ware bereits verschifft wurde oder in Lagern vorrätig ist. Allerdings werden bereits jetzt Verschiebungen von Lieferungen erwartet. In der Provinz Hubei, in der Wuhan liegt, werden verschiedene versorgungsrelevante Arzneistoffe produziert, darunter Ibuprofen und Metamizol.

Wuhan ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Hubei, die nach Shanghai den zweitgrößten Hafen am Jangtsekiang besitzt. Die „Provinz der 1000 Seen“ beherbergt nicht nur die Automobil- sowie Stahl- und Metallindustrie. Auch verschiedene Wirkstoffe werden in der Region für den Weltmarkt produziert. Doch in der chinesischen Provinz stehen die Maschinen still, denn Wuhan gilt als Zentrum des Coronavirus. Seit nun mehr als zwei Wochen ist die Region abgeriegelt. Millionen Menschen wurden angehalten, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Für Schulen und Universitäten gelten Zwangsferien bis zum 2. März.