Krankenversicherungen

Betrugsvorwurf: Laborarzt vor Gericht dpa/APOTHEKE ADHOC, 07.09.2015 12:53 Uhr

Berlin - 

Der umstrittene Augsburger Laborarzt Dr. Bernd Schottdorf und seine Frau stehen wegen des Vorwurfs des Betrugs in Millionenhöhe vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft legt dem 75-Jährigen und seiner 61 Jahre alten Ehefrau zur Last, als Geschäftsführer einer Dienstleistungsgesellschaft Laborleistungen im Umfang von fast 79 Millionen Euro überhöht abgerechnet zu haben. Den gesetzlichen Krankenversicherungen soll dadurch ein Schaden von knapp 13 Millionen Euro entstanden sein.

Die Schottdorfs hätten ein komplexes System mit scheinselbstständigen Außenlaboren unter anderem in Bochum, Hamburg und Mainz betrieben, um vorgeschriebene Rabatte nicht gewähren zu müssen, führte die Staatsanwältin am Montag zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Augsburg aus. Schottdorf und seine Frau hatten schon zuvor ihre Unschuld beteuert. Es gebe kein Motiv und keinen Schaden, sagte Schottdorf.

Der Angeklagte betonte, dass alle Leistungen korrekt erbracht worden seien. Die Ärzte in den fünf Partnerlaboren seien nicht – wie in der Anklageschrift behauptet – seine Angestellten gewesen. Die Labormediziner seien selbstständig gewesen, sagte Schottdorf. „Die gegen mich erhobenen Vorwürfe sind nicht richtig“, sagte er. Seine mitangeklagte Ehefrau will sich am zweiten Verhandlungstag an diesem Mittwoch zu den Vorwürfen äußern.

Das Verfahren gegen das Ehepaar findet nach mehrjähriger Verzögerung statt. Die Anklage wurde bereits vor dreieinhalb Jahren erhoben. Wegen zu vieler Verfahren konnte die Wirtschaftsstrafkammer das Verfahren allerdings erst in diesem Jahr terminieren. Bis Mitte Dezember sind zunächst 23 Prozesstage geplant.

Derzeit beschäftigt sich auch ein Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags mit Ermittlungen des Landeskriminalamtes im Umfeld von Schottdorf. Dabei geht es aber nicht um die Vorwürfe, die Gegenstand des Augsburger Prozesses sind. Schottdorf hält den Untersuchungsausschuss für eine Farce, wie er der Süddeutschen Zeitung sagte. „Es ist eine absurde Geschichte, dass alle so etwas für wahr nehmen.“

Schottdorf ist Geschäftsführer des Augsburger Unternehmens Medical Structures, zu der auch Volkspharma gehörte. Die Versandapotheke ging 2012 pleite. Unter der Marke wurden auch Generika hergestellt. Außerdem gehörte ein Großhändler zur Gruppe.

Die Versandapotheke hatte ihren Sitz im niederländischen Venlo; dort hieß die Firma „People’s Pharma“. Volkspharma kooperierte unter anderem mit der Drogeriemarktkette Müller. Ein Pick-up-System gab es nicht. Nach der Pleite stritten die Unternehmen um das Werbebudget in Höhe von rund 100.000 Euro. Der Versender war auch in Schlagzeilen geraten, weil unter dem Namen in einer Anzeige nach Apothekern mit Kenntnissen zu Rezeptsammelstellen in Arztpraxen gesucht wurde.