Christopher Street Day

Apotheker für Vielfalt und Gleichberechtigung Maria Hendrischke, 06.07.2015 14:12 Uhr

Berlin -

Nach dem Karneval ist der Christopher Street Day (CSD), der Aktionstag für Homosexuelle und Transsexuelle, die größte Veranstaltung Kölns. Erik Tenberken, Inhaber der Birken-Apotheke und der Versandapotheke „Fliegende Pillen“, unterstützt den CSD bereits seit den Anfangstagen. Mittlerweile ist die Apotheke auch mit einem Wagen am Demonstrationszug beteiligt. Tenberken zog in diesem Jahr an der Seite von Conchita Wurst, der österreichischen Vorjahressiegerin des Eurovision Song Contests, durch Kölns Innenstadt.

Etwa eine Stunde nahm Conchita Wurst an der Parade am Sonntag teil. Sie fuhr auf Wagen Nummer 15 mit, der von Tenberkens Apotheken, dem Verein Aidshilfe und dem Run of Colours gemeinsam genutzt wird. Tenberken konnte somit die Künstlerin persönlich kennenlernen. „Conchita Wurst hat viel Charisma – und überhaupt keine Starallüren“, erzählt er.

„Der diesjährige CSD war super! Wir hatten noch nie so viele Gruppen, die sich beteiligt haben“, berichtet der Apotheker. Auf etwa 140 Wagen demonstrierten unter anderem der 1. FC Köln und Parteien wie die FDP und Linke für Vielfalt und Gleichberechtigung. „Der CSD ist fester Bestandteil des Kölner Lebens. Je mehr Flagge zeigen, desto besser“, sagt Tenberken. Etwa 900.000 Besucher hätten den Umzug begleitet.

Die Wagen ziehen mittlerweile durch die ganze Kölner Innenstadt. „Ich erinnere mich noch, wie wir 1991 in der Stephanstraße standen – in einer Sackgasse“, erzählt Tenberken. „Dieser CSD war etwas politischer als in den Vorjahren“, sagt er. Das liege wohl an der Behandlung von Homosexuellen in Ländern wie Russland. „Dort tabuisiert das Anti-Schwulen-Gesetz die Aids-Aufklärung; und die Infektionsquote ist um 30 Prozent angestiegen“, so der Apotheker. „In der Türkei wurde ein CSD-Umzug mit Wasserwerfern aufgelöst“, fügt er hinzu. Auch die Entwicklung um die Homo-Ehe habe die Veranstaltung politisiert.

2008 präsentierte sich die Birken-Apotheke auf dem CSD erstmals mit eigenem Wagen. Doch bereits seit Anfang der 1990er-Jahre engagiert sich Tenberken beim CSD. „Damals verlor ich einen Teil meines Freundeskreises durch Aids“, sagt er. Das habe ihn dazu gebracht, sich besonders in der Aufklärung über die Krankheit einzusetzen: Die Birken-Apotheke sei darauf spezialisiert, HIV-Patienten und deren Angehörige zu beraten. Tenberken selbst ist Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV-kompetenter Apotheken (DAHKA), der auch die Präsidentin der niedersächsischen Apothekerkammer, Magdalene Linz, angehört. Zudem hält er regelmäßig eine Vorlesung zum Krankheitsbild für Pharmaziestudenten des 7. Semesters an der Universität Bonn.

Die Birken-Apotheke habe zudem die Live-Übertragung der Demonstration finanziert. Zudem spendete Tenberken 10.000 Euro an die Aidshilfe; er ist Mitglied in dem Verein. Die Spende ermögliche beispielsweise das Vereinsprojekt Checkpoint. Dabei bieten Gesundheitsämter anonyme HIV-Tests an und beraten nach Bekanntgabe des Testergebnisses. „Der Test kann ohne Ausweis gemacht werden. Viele überwinden wegen der Anonymität ihre Angst und lassen sich überhaupt erst testen“, berichtet Tenberken. Somit sei der Checkpoint ein wichtiger Teil im Kampf gegen die Krankheit.

Neben den Tests und der Beratung biete die Aidshilfe gemeinsame Essen und günstige Wohnungen für HIV-Infizierte aus sozial schwachen Gruppen an, berichtet Tenberken. Darüber hinaus hat die Gruppe bis zu diesem Jahr im Rahmen des CSD eine Aidsgala in Köln organisiert, um zusätzlich auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Die Gala fand am 3. Juli zum vorerst letzten Mal statt; 1200 Gäste aus ganz Deutschland feierten im Maritim Hotel.

Conchita Wurst war als Ehrengast geladen und wurde mit dem erstmals vergebenen Jean-Claude-Letist-Preis des Vereins ausgezeichnet, der nach dem an Aids verstorbenen Schwulen-Aktivisten benannt wurde. Doch die Kosten der Veranstaltung könne die Aidshilfe nicht mehr stemmen, sagt Tenberken.

Damit nicht an der Patientenberatung gespart werden müsse, werde die Gala daher nach 24 Jahren bis auf Weiteres nicht mehr stattfinden. „Wir wollten uns mit einem Knall verabschieden und nicht leise gehen“, erklärt er. Zugleich hofft er – genau wie die Sängerin – dass die Veranstaltung nur eine kleine Pause einlegen und bald wieder aufleben werde.

Die diesjährigen Veranstaltungen um den CSD in Köln fanden vom 3. bis zum 5. Juli statt. Das Event feierte im Jahr 1991 Premiere und wird seither jährlich vom Verein Kölner Lesben- und Schwulentag organisiert (KLuST). Die Veranstaltung fordert die vollständige rechtliche Gleichstellung und die uneingeschränkte gesellschaftliche Anerkennung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgendern und Intersexuellen.