„Habe alles erreicht, was ich wollte“

Inhaber verkauft seine Apotheken und wird Mentor APOTHEKE ADHOC, 24.10.2021 08:06 Uhr

  • Beratung statt Apotheke: Inhaber Bodo Schmitz-Urban hat seine beiden Apotheken verkauft und will sich nun als Berater verdingen. Foto: Bodo Schmitz-Urban
Berlin -

Bodo Schmitz-Urban hat als Apotheker alles erreicht – das sagt er zumindest selbst. Mit gerade 40 Jahren hat er zwei Apotheken aufgebaut und erfolgreich gemacht, nun zieht es ihn zu neuen Ufern. Schmitz-Urban hat beide Apotheken gewinnbringend verkauft und will nun als Erfolgsberater reüssieren – samt Buch, Seminaren und einem Mentoringprogramm für junge Inhaber.

Gerade jetzt sei es an der Zeit für den Schritt, den er gegangen ist, sagt Schmitz-Urban: „Wir sind gefühlt seit 24 Monaten in einer extremen Stressphase: die Corona-Pandemie, Fachkräftemangel, das E-Rezept, die Plattformen“, so sein Befund. „Diese Volatilität ist für viele Inhaber nicht angenehm. Viele haben den Beruf ergriffen, weil sie etwas Sicheres wollten, bei dem sie nicht immer die Fühler ausstrecken müssen, wohin sich der Markt gerade entwickelt.“ Doch die Umbrüche sind derzeit groß und es herrsche großer Bedarf nach Orientierung. Hier sieht Schmitz-Urban seine Aufgabe, wie er erklärt.

„Ich habe Pharmazie damals nicht nur als Naturwissenschaft studiert, sondern weil ich die Unternehmung Apotheke sehr spannend finde“, sagt er. An das Pharmazie- schloss er ein Marketingstudium an, gründete sein erstes Beratungsunternehmen bereits 2011. Zwei Jahre später übernahm er die Falken-Apotheke in Wuppertal und steigerte ihre betriebswirtschaftlichen Zahlen nach eigenen Angaben innerhalb von drei Jahren deutlich. Ende 2016 folgte die zweite Falken-Apotheke in Wuppertal, eine Neugründung. „Die lief von Anfang an erfolgreich. Ich habe dann beide Apotheken im Verbund betrieben und sie so erfolgreich aufgebaut, dass ihre Strukturen grundsolide laufen.“ Seine Beratertätigkeit habe in dieser Zeit allerdings zurückgestanden, auch wenn Schmitz-Urban ein Tausendsassa blieb: Als beispielsweise im Frühjahr die Corona-Laientests heiß begehrt, aber schwer zu bekommen waren, organisierte er chinesische Lieferanten und fuhr mit seinem Camper durch Deutschland, um seine Apothekenkunden persönlich zu beliefern.

Doch Beratungs- und Inhabertätigkeit wurden mit der Zeit zu viel. „Ich habe gemerkt, dass es schwierig ist, zweigleisig zu fahren“, sagt er. Also entscheid er sich – gegen seine eigenen Apotheken und für die Beratertätigkeit. Im Sommer verkaufte er seinen Betrieb. „Ich habe mit meinen Apotheken alles erreicht, was ich wollte. Ich habe einen gut laufenden Verbund aufgebaut und war unternehmerisch erfolgreich“, sagt er. „Außerdem habe ich gemerkt, dass ich als Berater mehr erreichen kann. Wir stehen vor so vielen Umbrüchen im Apothekenmarkt, dass ich es für sehr wichtig halte, dass möglichst viele Apotheken ihr Geschäft optimieren.“

Denn in den meisten Apotheken fahren die Inhaber bei der Geschäftsentwicklung auf Sicht, ist er sicher. „Im Pharmaziestudium wird überhaupt kein geschäftliches Wissen vermittelt und im Arbeitsalltag haben nur die wenigsten Zeit, sich damit intensiver auseinanderzusetzen“, so Schmitz-Urban. „Die meisten Apotheken werden deshalb pharmazeutisch geführt und nicht unternehmerisch. Das führt zu einer hohen pharmazeutischen Qualität, behindert aber die Entwicklung des Betriebs.“ Er wolle allerdings nicht wie ein klassischer Apothekenberater durchs Land ziehen und Inhabern scheibchenweise Ratschläge geben, sondern habe stattdessen zwei Mentoring-Programme entwickelt, eines speziell für Inhaber und eines für Filialleitungen. „Dabei begleite ich sie ein Jahr lang, vermittle Wissen in Marketing, Management und Personalführung, bei dessen praktischer Umleitung ich sie auch anleite.“

Flankiert wird die neue Beratungstätigkeit dabei durch ein Buch, das Schmitz-Urban geschrieben hat. Ende November soll „Die Erfolgsformel für Apotheken“ erscheinen. In 21 Kapiteln arbeitet er darin jeweils entscheidende Punkte des Apothekenbetriebs von der Personalgewinnung über die Einarbeitung bis zur Warenplatzierung ab und erklärt, worauf es seiner Meinung nach ankommt – beim Aufbau einer internen Führungsspitze beispielsweise: „Filialleitungen erhalten meist zu wenige Kompetenzen, was dazu führt, dass ich mich als Inhaber oft nicht nur um das Haupthaus kümmern muss, sondern auch die Filiale“, sagt Schmitz-Urban. „Ich kann auch in meiner Hauptapotheke eine interne Führung aufbauen, die mir im pharmazeutischen Tagesgeschäft viele Aufgaben abnimmt und mich aus der Schusslinie nimmt, damit ich mich als Inhaber um strategische Aufgaben kümmern kann. Erst dann gewinne ich unternehmerische Freiheit und spiele nicht immer den Feuerlöscher.“ Worauf man dabei achten muss, erkläre er in seinem Buch.

Kurz nach Veröffentlichung des Buches will Schmitz-Urban zusätzlich mit Seminaren für Inhaber und Filialleiter starten: Am 11. Dezember geht es in seiner Heimatstadt Düsseldorf los, unter dem Titel des Buches will er dort möglichst vielen Teilnehmer einen Tag lang seine Erfolgsformel einimpfen. „Es soll dabei um Marketingthemen gehen, wie ich mich als Marke positionieren und Kunden binden kann, wie ich den digitalen Wandel mit meiner Apotheke gestalte, aber auch, wie ich die passenden Mitarbeiter finde“, erzählt er.