Neueröffnung

Elisana: Wenn Apotheke, dann in einem Ärztehaus Eugenie Ankowitsch, 03.12.2017 10:47 Uhr

Berlin - 

Fünf Ärztehäuser gibt es in der nordrhein-westfälischen Stadt Dorsten. Vier von ihnen beherbergen eine Elisana Apotheke. Die vierte wurde erst vor wenigen Wochen eröffnet. Inhaber Simon Nattler hat sich bewusst für die Positionierung seiner Standorte als Ärztehaus-Apotheken entschieden.

„Ein anderer Standort beispielsweise in der Innenstadt kommt für mich nicht in Frage“, sagt Nattler. „Wir verstehen uns als Beratungsapotheke. Kontinuierliche Patientenbetreuung liegt mir näher als schnelle Abfertigung. “ In der Fußgängerzone habe man dagegen in erster Linie mit Laufkundschaft zu tun, wobei der Abverkauf von Medikamenten im Vordergrund stehe. „Elisana Apotheken gehören zu den AMTS-qualifizierten Apotheken“, ergänzt er. „Eine Spezialisierung auf Wechselwirkungsprüfung macht in der Innenstadt eher weniger Sinn.“

Dennoch habe es sich nur zufällig ergeben, dass Nattler nun beinahe „Ärztehaus-Monopolist“ in Dorsten ist. „Eigentlich war der Standort nicht geplant“, berichtet er. Denn eigentlich, meint der Apotheker, gibt es in der rund 80.000 Einwohner großen Stadt genug Apotheken. Auch unweit des neuen Ärztehauses existiert bereits eine Apotheke. Dem Inhaber wurde zwar laut Nattler angeboten, in das Ärztehaus umzuziehen. Er habe aber abgelehnt. „Der Kollege ist schon etwas älter und wird wahrscheinlich in den nächsten vier bis fünf Jahren aufhören“, so Nattler. „Da habe ich Verständnis dafür, dass er nicht mehr umziehen möchte.“ Daraufhin habe der Bauherr den Standort Nattler angeboten. Man kenne sich bereits seit einiger Zeit, da auch andere drei Elisana Apotheken den Bauherren als Vermieter haben. Da eine weitere Apotheke in der Umgebung schon im ersten Quartal 2018 schließen soll, gibt es nach Auffassung des Apothekers auch durchaus Bedarf für eine neue Apotheke.

Aber auch sonst hat laut Nattler alles gepasst. Vor allem die Personalfrage habe sich wie von selbst gelöst. „Ich hatte zwar noch nie Personalmangel, aber die Situation war zuletzt besonders komfortabel“, so der Apotheker. Ein paar Mitarbeiterinnen, unter anderem Nattlers Ehefrau Andrea, seien aus der Elternzeit zurückgekommen. Er habe nur noch eine Apothekerin, deren Initiativbewerbung ohnehin schon auf dem Schreibtisch des Apothekers lag, anstellen müssen und fertig war das fünfköpfige Team für die vierte Elisana Apotheke. „Da kam vieles zusammen, was ein positives Umfeld und gute Ausgangssituation für einen weiteren Standort geschaffen hat“, so der Pharmazeut.

Die neue 150 Quadratmeter große Apotheke kommt modern daher. Die Sichtwahl wird digital präsentiert. Doch dem Apotheker ging es eigenen Angaben nach dabei nicht darum, besonders hip und modern zu sein. Die Entscheidung für eine digitale Sichtwahl sei vielmehr aus handfesten Gründen gefallen. So sei die digitale Sichtwahl beispielsweise patientenfreundlicher: Man könne etwa die Packungen im Bedarfsfall größer darstellen. Das sei vor allem bei älteren Menschen von Vorteil.

Auch diesen Fall kennen wohl alle Apotheker: Ein Kunde möchte – sagen wir mal Augentropfen – haben, wobei das Arzneimittel an dieser Stelle fast beliebig austauschbar ist. Er hat jedoch keine Ahnung, wie sie heißen und kann nur noch angeben, dass sie blau – wahlweise rot, weiß oder bunt – sind. Statt nun also alle Augentropfen mit mehr oder weniger blauen Verpackung herauszusuchen und am HV-Tisch zu präsentieren, könne man sie mit wenigen Klicks an der Digitalwand darstellen, erklärt Nattler.

Dank der digitalen Sichtwahl konnte der Apotheker auch zusätzliche Quadratmeter für die Offizin gewinnen. Nur so konnte man seinen Angaben nach den Beratungsraum im hinteren Bereich der Apotheke platzieren. Das wäre bei einer herkömmlichen Bestückung mit Medikamenten gemäß Apothekenbetriebsordnung problematisch geworden. Denn auf dem Weg zum Beratungsraum gehen die Kunden direkt an der Sichtwahl vorbei. Bei der digitalen Lösung sei es dagegen unbedenklich, argumentiert Nattler.

Auch bei den Kosten würden sich die analoge und die digitalen Sichtwahl etwa die Waage halten. „Bei der digitalen Sichtwahl muss ich zwar die Displays finanzieren, bei der herkömmlichen aber andererseits viel Ware vorhalten“, erläutert Natter. Zudem könne die Wand für Vorträge genutzt werden. Dann kann der HV-Tisch, der auf Rollen daherkommt, einfach weggeschoben werden und die Offizin verwandelt sich zu einem Vortragsraum.

Apotheker Gerhard Nattler hat das Unternehmen 1979 gegründet, damals noch unter dem Namen Elisabeth-Apotheke. Mittlerweile führen seine beiden Söhne Simon und Gerrit insgesamt sechs Apotheken. Simon Nattler hat seine vier Apotheken in Dorsten. Sein Bruder betreibt zwei Apotheken in Gelsenkirchen. Anfang 2016 wurden die Elisabeth-Apotheken in Elisana umbenannt, was für ELISabeth Apotheke Nattler steht. „Wir haben uns entschieden, den Namen der Vor-Ort-Apotheken und unserer Internetplattform anzugleichen“, erläutert Nattler. Seit 2011 versenden die Apothekenbrüder Arzneimittel an ihre Kunden, wobei sie sich stark auf die Region rund um die Apotheken konzentrieren. Bei der Umbenennung und Neupositionierung ging es den Apothekern eigenen Angaben nach darum, sich sowohl Kunden als auch qualifizierten Fachkräften gegenüber als eine Marke mit breitem Angebot zu präsentieren. Die Umbenennung wurde von einer Image-Kampagne flankiert.

Obwohl der Pharmazeut nun vier Apotheken hat, kann es gut sein, dass das Familienunternehmen weiter wächst. Nattlers Frau ist ebenfalls Apothekerin und nach Angaben ihres Ehemanns durchaus daran interessiert, irgendwann eigene Apotheken zu führen. „Das kann aber noch dauern“, sagt Natter. Die Apothekerin sei gerade aus Elternzeit zurückgekommen und will noch nicht die arbeitsintensive Aufgabe eines Apothekenchefs übernehmen. Außerdem gehe es nicht darum, auf Teufel kommt raus eine weitere Apotheke zu eröffnen. Da müsse eben alles passen.