Versandapotheken

Mediherz-Gruppe zerfällt Alexander Müller, 13.01.2016 14:11 Uhr

Berlin - 

Die Konsolidierung bei den Versandapotheken geht weiter: Zum Jahreswechsel hat Medikamente-per-Klick den Konkurrenten Mediherz übernommen. Offenbar war der ehemalige Inhaber in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Allerdings wechselt nur die Internetseite den Besitzer, der Versand wird am Standort des Käufers gebündelt.

Medikamente-per-Klick gehört zur Luitpold Apotheke im oberfränkischen Bad Steben. Inhaber Karlheinz Ilius sah nach eigenen Angaben in Mediherz eine gute Gelegenheit, seine Reichweite zu vergrößern – auch wenn der Kontakt eher zufällig entstanden sei. Zum Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.

Mediherz hatte ihren Stammsitz bislang im unterfränkischen Schweinfurt, etwa 150 Kilometer vom neuen Standort entfernt. Der bisherige Inhaber Dieter Hümmer betreibt dort noch zwei Vor-Ort-Apotheken. Hümmer hatte sich ehrgeizige Ziele gesetzt: den „Gesundheitsmarkt in Schweinfurt zu revolutionieren“ und „für jeden die richtige Apotheke“ zu bieten. Die Herz-Apotheke im Kaufland hat Familien als Schwerpunktthema, mit der 2005 gegründeten Versandapotheke Mediherz widmete er sich der Online-Kundschaft.

Doch nicht alles verlief nach Plan. Hümmers DocMorris-Apotheke in Schweinfurt war 2008 die erste in Unterfranken. Mit dem Verkauf der gleichnamigen Versandapotheke an Zur Rose flaggte er wie viele Kollegen um: Ab 2012 betrieb er die Mediherz City Apotheke als Vor-Ort-Geschäft seiner eigenen Versandapotheke, mit OTC-Schnäppchen und Rx-Boni. Doch nach nur acht Monaten war wieder Schluss. Im Juli 2013 schloss die Apotheke.

Im Dezember schloss Hümmer die Westend Center Apotheke in der Stadtgalerie in Schweinfurt. Das Prestigeprojekt mit einem beleuchteten Wasservorhang und Ruhezone mit Kaffeebar nannte Hümmer „Mehrleistungs-Apotheke“. Es gab sogar ein „Kinderland“, damit sich Eltern in Ruhe beraten lassen konnten.

Doch Hümmer selbst war offenbar schlecht beraten. Der Standort lief nicht so gut wie erwartet, was auch an der allgemeinen Kundenfrequenz im Center gelegen haben soll. Jedenfalls musste die Apotheke mit der gigantischen Offizin Ende vergangenen Jahres schließen.

Die Gruppe soll schon länger in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gesteckt haben. Eine aggressive Preisstrategie mit hohem Werbeaufwand setzte anscheinend nicht nur die Kollegen vor Ort unter Druck. Seine Versandapotheke konnte Hümmer dagegen am Markt etablieren, in Sennfeld wurde ein Logistikzentrum errichtet, rund 50 Mitarbeiter hatte die Versandapotheke. Mediherz ist hierzulande eine Größe im Versandhandel.

Noch im Sommer hatte die AOK Bayern auf Flyern für eine Rabattaktion von Mediherz geworben. Es gab einen Preisnachlass von bis zu 15 Prozent auf rezeptfreie Bestellungen. Die Flugblätter für die Versandapotheke lagen in einer Geschäftsstelle der AOK aus. Auch im Internet hatte die Kasse für Angebote von Mediherz getrommelt. Dabei ging es um sogenannte Vorteilscoupons, die ein halbes Jahr lang bei Onlinebestellung gültig waren.

Jetzt wechselt die Versandapotheke den Besitzer, vermutlich hatte Hümmer am Ende keine andere Wahl. Das kleine Imperium in Unterfranken zerfällt. Medikamente-per-Klick kann mit dem Zukauf seine Reichweite erheblich erweitern. Und immerhin wird ein Teil der Mitarbeiter übernommen.

Ilius zählt Medikamente-per-Klick zählt zu den Top 10 Versendern der Republik, nach der Übernahme allemal. Zum Umsatz will er aber keine Angaben machen. Er dürfte sich aber im unteren zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Einen Eindruck vermitteln die Nutzerzahlen auf den Internetseiten der beiden Versandapotheken: Während bei Medikamente-per-Klick im vergangenen Jahr mehr als fünf Millionen sogenannte Unique User auf der Seite waren, blieb Mediherz relativ deutlich unter einer Million. Das sagt zwar nichts über das Bestellverhalten der Nutzer aus, ist aber ein Indikator für die Kräfteverhältnisse der Versender.

Ebenfalls zum Jahreswechsel hat die Deutsche Internetapotheke (DIA) den Besitzer gewechselt: Seit Januar führt Apotheker Tobias Loder die Geschicke. Er hat DIA von Philipp Heift übernommen. Mit einem Jahresumsatz von 32 Millionen Euro und mehr als einer Million Kunden zählt sich DIA zu den größten Versandapotheken des Landes.

Bereits vor einem Jahr gab es einen Wechsel bei der Versandapotheke Besamex (Löwen-Apotheke, Winsen): Jens-Wilhelm Salchow hat sich in den Ruhestand verabschiedet und seine Apotheke mitsamt dem Versandgeschäft an Dirk Düvel verkauft.