Versandapotheken

Hedgefonds auf Apothekentour Carolin Bauer, 18.02.2016 10:19 Uhr

Berlin -

Zunächst waren es deutsche Krankenhäuser, die das Interesse des britischen Finanzinvestors Marcol weckten. Doch die Übernahme der Klinikkette Median war nur der Anfang. 2014 verkaufte der Hedgefonds die Gruppe und nahm das deutsche Apothekensystem ins Visier. Mit der Berliner Versandapotheke Aponeo will das Unternehmen die europäische Expansion vorantreiben. Vitalsana soll dem Vernehmen nach sogar auf der Einkaufsliste stehen.

Marcol wurde vor 40 Jahren gegründet. Der Hedgefonds mit Sitz in London beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und investiert in Bereiche wie Immobilien, Handel – und neuerdings Gesundheit. Aktuell werden Beteiligungen im Wert von drei Milliarden Euro verwaltet.

2009 wurden gemeinsam mit der Beteiligungsfirma Advent die Median-Kliniken übernommen und fünf Jahre später an den niederländischen Finanzinvestor Waterland verkauft. Der Kaufpreis soll bei rund einer Milliarde Euro gelegen haben. Nach diesem Erfolg wollten die Gründer Mark Steinberg und Terence Cole weiter Profit aus dem Bereich Gesundheit ziehen und schufen das Geschäftsfeld „Health“. Im Fokus stehen die Gesundheitssysteme in Großbritannien, den USA sowie West- und Zentraleuropa. Bisher ist Marcol mit Beteiligungen vor allem in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Polen aktiv.

Mit Aponeo wurde eine Versandapotheke in Deutschland gefunden. Marcol will mit dem Partner neue Märkte erschließen. Berlin sei ein günstig gelegener Standort, von dem aus auch andere Länder in Zentral- und Nordeuropa versorgt werden könnten, heißt es. Im neuen Logistikzentrum, an dem sich Marcol zu 50 Prozent beteiligt, sollen bis zu 100.000 Artikel pro Tag bearbeitet werden. Auch die Marke Aponeo solle stärker vermarktet werden. Der neue Partner will langfristig ähnliche Logistikzentren in verschiedenen Ländern schaffen.



Aponeo-Inhaber Konstantin Primbas sieht in der Partnerschaft eine „riesengroße Möglichkeit“. Der lokal gestartete Betrieb könne in ein „wahrhaft globales Unternehmen“ gewandelt werden. Dadurch werde die Qualität aus Deutschland auch international vermarktet. Laut Ed Radkiewicz, bei Marcol für Investments im Gesundheitsbereich zuständig, zeigt das Aponeo-Team „eine große Leidenschaft in einem sehr stabilen Geschäftsmodell“.

Die Partnerschaft mit Marcol besteht bereits seit einigen Monaten. Allerdings hat Primbas bis vergangene Woche kein geeignetes Grundstück gefunden, weshalb die Zusammenarbeit noch nicht spruchreif war. An dem neu gegründeten Logistikdienstleister Pharmahera halten der Apotheker und die Kapitalgesellschaft je 50 Prozent. Zuvor habe es viele Gespräche mit anderen Investoren gegeben, sagt Primbas.

Auch bei Vitalsana soll Marcol in fortgeschrittenen Gesprächen sein. Die Versandapotheke sucht seit Sommer einen Investor, der mindestens drei Millionen Euro mitbringt, um das Wachstum voranzutreiben. Die ehemalige Schlecker-Tochter war nach der Pleite der Drogeriekette im September 2012 vom Management übernommen worden: Der ehemalige Chefcontroller von Schlecker, Marcus Breyer, ist mit zwei Dritteln an der gemeinsamen Holding HBF Capital beteiligt, Vitalsana-Geschäftsführer Winfried Filzek zu einem Drittel.



Ein weiteres Projekt von Marcol in Deutschland ist Medneo. Marcol investierte im vergangenen Sommer in das Berliner Radiologie-Netzwerk. Das 2011 gegründete Unternehmen betreibt eigene Magnetresonanztomografie-Standorte (MRT) sowie ein Diagnostikzentrum.

Die MRT-Bilder werden im Auftrag der kooperierenden Radiologen auf digitalen Speichermedien archiviert. Der überweisende Arzt erhält die Bilder und Befunde beispielsweise automatisch auf ein Tablet oder per CD. Mitte 2014 wurde in Potsdam ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Produkte, Lösungen und Dienstleistungen für die vernetzte bildgebende Diagnostik eröffnet.

Außerdem kooperiert die Firma etwa mit den Sana Gesundheitszentren Berlin-Brandenburg und der AOK Nordost. Mit der Kasse wurde 2012 eine der ersten Partnerschaften geschlossen. Patienten werden direkt zu Medneo geschickt, wodurch sich die Wartezeit für eine MRT verkürzen soll.

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