Retatrutid: Lillys nächster großer Abnehm-Hoffnungsträger 06.08.2026 11:04 Uhr
Der US-Pharmakonzern Lilly hebt nach einem starken zweiten Quartal seine Prognose weiter an. So soll der Erlös im laufenden Jahr nun auf 85 bis 87 Milliarden US-Dollar (73,8 bis 75,5 Milliarden Euro) steigen, wie das Unternehmen mitteilte. Erst Ende April hatte der Konzern die Prognose auf bereits 82 bis 85 Milliarden erhöht. Vor allem die „Abnehmspritze“ Mounjaro und ein unerwartet starkes Geschäft mit dem Gewichtssenker Zepbound, der in Deutschland nicht auf dem Markt ist, trieben das Wachstum beim Arzneimittelhersteller an. In der Pipeline steht bereits der nächste Gewichtssenker.
Lilly-Chef David Ricks zeigte sich nach den Quartalszahlen optimistisch. Der Konzern habe seinen Wachstumskurs fortgesetzt, sagte der Manager laut Mitteilung. Zugleich stelle Lilly mit neuen Produktionskapazitäten und frischen Produkten die Weichen für die Zukunft. Die Aussichten des Unternehmens seien in 150 Jahren Unternehmensgeschichte noch nie „heller“ gewesen, betonte der Manager. So liege etwa für das Abnehmmittel Retatrutid inzwischen das vollständige klinische Datenpaket vor. Damit könnte der Konzern bald die Zulassung für das Medikament beantragen, das als nächster großer Hoffnungsträger gilt.
Im zweiten Quartal kletterte Lillys Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte auf knapp 23 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Analysten hatten weniger erwartet. Allein Mounjaro spülte dem Konzern in den drei Monaten fast zehn Milliarden Dollar in die Kassen und damit annähernd doppelt so viel wie vor einem Jahr. Mit dem Gewichtssenker Zepbound erlösten die Amerikaner 4,9 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 46 Prozent und ebenfalls mehr als von Experten erwartet.
Die neue Abnehmpille Foundayo von Lilly, auf der aktuell die Augen aller Branchenbeobachter wegen des Konkurrenzkampfes mit dem dänischen Hersteller Novo Nordisk und seiner Wegovy-Pille gerichtet sind, kam auf knapp 100 Millionen Dollar. Foundayo enthält den Wirkstoff Orforglipron war Anfang April erstmals von der US-Arzneimittelbehörde zugelassen worden. In Europa läuft noch das Prüfverfahren.
Nachzügler hat Vorreiter Novo Nordisk inzwischen überholt
Unter dem Strich schwoll der Gewinn im Berichtszeitraum um ein Viertel auf 7,1 Milliarden Dollar an. Der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich zugleich um 33 Prozent auf 8,38 Dollar. Für diese Kennziffer engte Lilly nun die Jahresprognose auf 35,50 bis 36,50 Dollar ein – am oberen Ende der Spanne leicht weniger. Die Kürzung um 0,5 Dollar begründete der Konzern mit Belastungen aus dem zweiten Quartal im Zusammenhang mit übernommenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.
Lilly ist zwar später in den milliardenschweren Markt für Gewichtssenker eingetreten als der bis dahin als Primus geltende dänische Hersteller Novo Nordisk, hat im Konkurrenzkampf aber die Dänen inzwischen überholt. Die Skandinavier wollen nun mit ihrer Abnehmpille Wegovy Marktanteile aufholen.
Anders als die Lilly-Aktie brach das Novo-Papier am Mittwoch zuletzt um 6 Prozent ein – auch weil Analysten sich von der Wegovy-Tablette mehr erhofft hatten. Zudem hatte Novos Abnehm- und Diabetesmittel Cagrisema in Studien zu Lillys Konkurrenzprodukt Zepbound schlechter abgeschnitten.
Retatrutid könnte sich noch besser verkaufen
Die Amerikaner stehen unterdessen mit Retatrutid bereit für die nächste Runde: Das Medikament gilt als weiterer großer Hoffnungsträger des Konzerns, der noch wirksamer sein soll als Zepbound und Mounjaro. Der Wirkstoff ahmt gleich drei verschiedene Körperhormone nach. Dadurch wird der Appetit der Patienten noch stärker gezügelt und zugleich der Energieverbrauch gesteigert. Testpersonen verloren nach 80 Wochen unter Retatrutid im Schnitt 28,3 Prozent ihres Gewichts.