Pharma Deutschland warnt

Nach GSK-Rückzug: Pharmastandort unter Druck 11.09.2026 15:04 Uhr

Dresden - 

Nach dem angekündigten Rückzug des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (GSK) aus Dresden hat der Branchenverband Pharma Deutschland angemahnt, die Rahmenbedingungen für Forschung, Entwicklung und Produktion zu verbessern. Der Pharmastandort Deutschland sei definitiv unter Druck, so Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann. Die Abhängigkeit von China, Indien und den USA wachse und Investitionen in den Standort Deutschland würden nach dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) schwieriger.

Am Donnerstag hatte der GSK mitgeteilt, seinen Standort in Dresden bis zum Sommer 2028 schließen zu wollen. Grund sei die weltweit rückläufige Nachfrage sowie bestehende Überkapazitäten, hieß es. Betroffen sind demnach alle rund 650 Mitarbeitende in Dresden. Die Produktion von Grippeimpfstoffen soll künftig am kanadischen Standort Ste-Foy gebündelt werden. Die Gewerkschaft IGBCE hatte entschiedenen Widerstand angekündigt.

Gewerkschaft verlangt Alternativen

Laut IGBCE sind mit der geplanten Schließung inzwischen alleine in Sachsen 4250 Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen. Die Gewerkschaft forderte das Unternehmen auf, die Schließungspläne auszusetzen, die Entscheidungsgrundlagen offenzulegen und mit Betriebsrat und Gewerkschaft ernsthaft über Alternativen zu verhandeln. Von Bund und Freistaat werde ein gemeinsamer Standortgipfel erwartet.

Ostdeutsche Pharmabranche gut aufgestellt

Generell sei die ostdeutsche Pharmabranche aber grundsätzlich gut aufgestellt. Dass Produktionslinien an einem Standort konzentriert würden, geschehe in jeder globalen Industrie, betonte Brakmann. So sei die Hauptstadtregion Berlin/Brandenburg einer der größten Life-Science-Cluster Europas mit globalen Pharmakonzernen und mittelständischen Pharmaunternehmen. In Sachsen-Anhalt gebe es mit Dessau, Brehna und Barleben gleich drei starke Pharmastandorte mit jeweils vierstelligen Beschäftigtenzahlen. Umso wichtiger sei hier ein stabiles politisches Umfeld, dass hier gerade nach den Landtagswahlen ins Wanken zu kommen drohe, wie Brakmann Anfang der Woche mahnte.

Mecklenburg-Vorpommern ist den Angaben zufolge ein noch kleiner, aber wachsender Pharmastandort innerhalb der ostdeutschen Chemie- und Pharmaregion mit Schwerpunkt auf Rostock und Greifswald. Thüringen hat Pharmaproduktion unter anderem in Jena und Rudolstadt und in Sachsen gibt es neben der Region Dresden den Großraum Leipzig/Halle mit meist spezialisierten Pharmaherstellern.