Rheinland-Pfalz steht hinter Biontech

Curevac-Gründer wirft Biontech Täuschung vor 06.05.2026 13:36 Uhr

Tübingen/Mainz - 

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat dem Impfstoffhersteller Biontech nach seinen Plänen für Werkschließungen und einen Jobabbau weiter Unterstützung zugesagt. Das Mainzer Unternehmen verfolge ambitionierte Ziele vor allem in der Krebsforschung und bei innovativen Therapien, erklärte Gesundheits- und Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD). Die langfristige strategische Ausrichtung von Biontech zeige, dass die Phase der Konsolidierung auch eine Grundlage für zukünftiges Wachstum sein könne. Harte Kritik an den Plänen äußerte hingegen der Curevac-Gründer.

Rheinland-Pfalz werde diesen Weg weiterhin aktiv begleiten und auch künftig gezielt in Forschung, Hochschulen und Innovationsnetzwerke investieren, kündigte Hoch an. Ziel sei, damit optimale Rahmenbedingungen für Unternehmen und die Talentakquise im Land zu schaffen.

Schmerzhafte Einschnitte

Die angekündigte Schließung mehrerer Produktionsstandorte bezeichnete der Wissenschaftsminister als Zäsur und schmerzhaften Einschnitt für die betroffenen Regionen sowie die deutsche und internationale Biotechnologiebranche insgesamt. Hoch äußerte sich jedoch zuversichtlich, dass das Biopharma-Unternehmen wieder in eine Phase des Wachstums eintreten werde, von der dann auch Rheinland-Pfalz profitiere.

Biontech will wegen einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kosteneinsparungen mehrere Produktionsstandorte schließen. Betroffen von den Plänen sind Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie Standorte vom übernommenen Konkurrenten Curevac. Insgesamt bis zu 1860 Stellen können laut Unternehmen insgesamt von den Maßnahmen betroffen sein, rund 820 davon gehören zu Curevac.

Milliardengewinne in Corona-Pandemie

In der Corona-Pandemie war Biontech weltbekannt geworden, weil das Mainzer Unternehmen gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekam. Dieser spülte in der Folge Milliardengewinne in die Kassen der Mainzer. Mittlerweile schreibt das Unternehmen tiefrote Zahlen.

Für dieses Jahr rechnet Biontech sowohl auf dem europäischen als auch auf dem US-amerikanischen Markt mit geringeren Umsätzen aus dem Geschäft mit Covid-19-Impfstoffen. Das Unternehmen kündigte als Konsequenz an, dass die Herstellung des Covid-19-Impfstoffs künftig vollständig von den Pfizer-Standorten in Europa und Amerika abgedeckt werde.

Harte Kritik von Curevac-Gründer

Der Gründer von Curevac wirft dem Biontech-Management nach der Übernahme des Tübinger Unternehmens Täuschung wegen der Schließungspläne vor. „Ich finde es total unlauter. Das ist fast schon Trickserei meiner Meinung nach, weil wir alle im guten Glauben gehandelt haben, dass die Übernahme im Sinne von Curevac sei und dadurch ein gemeinsames, starkes Unternehmen wird“, sagte Hoerr.

Hoerr: „Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen“

Es war laut Hoerr vereinbart, ein gemeinsames Unternehmen zu schaffen, das sich gegenseitig befruchtet. „Und das wurde jetzt über den Haufen geschmissen. Dadurch sind alle nachweislich getäuscht worden. Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen.“

Hoerr vermutet hinter dem Vorgehen, dass Biontech Patentstreitigkeiten mit Curevac umgehen will. „Die Investoren haben sich mit Versprechungen einlullen lassen. Das könnte Biontechs Strategie von Anfang an gewesen sein.“

Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci hatten im März bekanntgegeben, Biontech verlassen und eine neue Firma gründen zu wollen. Die Eheleute kündigten an, spätestens Ende 2026 auszuscheiden. In dem neuen Unternehmen möchten sich die beiden Mediziner der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis widmen, hieß es.