Fernarzt.com und Go Spring

CallMyApo: Noventi schließt weitere Telemediziner an APOTHEKE ADHOC, 20.08.2020 11:20 Uhr

  • Trend nutzen: Noventi-Vorstand Dr. Sven Jansen will die Apotheken mit Telemedizin versöhnen. Foto: Christof Stache

Berlin - Noventi kooperiert mit den Telemedizinanbietern Fernarzt.com und Go Spring. Beide werden in CallMyApo integriert. Es ist sind nach Zava bereits die zweite und dritte Zusammenarbeit mit Telemedizinunternehmen und laut Noventi-Vorstand Dr. Sven Jansen ein Zeichen dafür, „dass auch in Zeiten des Digital Health die Standort-Apotheke eine führende Rolle einnehmen kann“.

Noventi will die Apotheken mit der Telemedizin versöhnen. Durch Zava, Fernarzt und die Go-Spring-Muttergesellschaft Wellster Healthtech verfügen Vor-Ort-Apotheken demnach jetzt über einen nahtlosen Anschluss zur Telemedizin mit hoher Marktabdeckung „und erhalten dadurch die Chance, diesen Trend attraktiv für sich zu nutzen“, so Noventi. Patienten können direkt nach einer Online-Sprechstunde und telemedizinischen Betreuung bei einem der drei Anbieter die benötigten Medikamente über CallMyApo in der Apotheke vor Ort bestellen.

Die Apotheken sollen davon profitieren: „Apotheken bieten damit einen attraktiven digitalen Zusatz-Service, der ihren Kunden die größtmögliche Wahlfreiheit lässt, pharmazeutische Dienstleistungen auch kontaktlos bis hin zur Lieferung per Botendienst, in Anspruch zu nehmen“, so Jansen. Noventi sorge durch die neuen Kooperationen mit Fernarzt und Wellster Healthtech für zusätzliche Umsatzmöglichkeiten und unterstützt eine zeitgemäße Kundenbindung durch die Apotheke vor Ort. „Durch die Anbindung über callmyApo bringen wir die Telemedizin in die Apotheke vor Ort und weg von Versandhändlern im Ausland.“

Vor allem Go Spring erschließe den Apotheken dabei eine besonders wichtige Kundegruppe: Die Plattform widmet sich nämlich Themen der Männergesundheit, von erektiler Dysfunktion über frühzeitigen Samenerguss und Testosteronmangel, aber auch Haarausfall und schwere Akne. Was für Kritiker im ersten Moment nach Schmuddelportal klingt, ist allerdings ein seriöses, wissenschaftlich begleitetes Telemedizin-Unternehmen: Go Spring hat sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, die medizinische Versorgung bei schambehafteten Indikationen zu verbessern. Videosprechstunden sehen die Unternehmensgründer dabei als den besten Weg, schließlich werde so die Hemmschwelle erheblich gesenkt, sich Hilfe zu suchen.

„Der medizinische Beirat ist ein fester Teil unserer Unternehmensstruktur und teilweise weisungsbefugt“, erklärt Unternehmensgründer Nico Hribernik. „Wir haben uns aufgelegt, da nach höheren Standards zu arbeiten als andere.“ Dazu gehört auch die wissenschaftliche Begleitung des Projekts. Ende Mai erschien im Fachjournal „Sexual Medicine“ eine Studie zum Versorgungsmehrwert des Angebots.

Dass eine Kooperation mit Noventi geplant ist, hatte Hribernik bereits im Juni angekündigt. Go Spring hatte bereits mit drei kleineren Versandapotheken kooperiert, aber nicht mit den großen Online-Versender, um sich die Tür zu den Vor-Ort-Apotheken offen zu halten. Bisher kostete eine Verordnung 19 Euro und wurde als digitales Rezept – nicht als E-Rezept – ausgestellt. Bisher greift Go Spring dabei vor allem auf Kooperationsärzte anderer Telemedizinanbieter zurück, will sich aber künftig noch stärker bei den niedergelassenen Ärzten aufstellen. Mit der Anbindung an CallMyApo kann Go Spring nun auch das E-Rezept von Noventi nutzen, wie Zava es bereits tut.

Fernarzt.com wiederum entstammt dem Berliner Digital-Health-Inkubator Heartbeat Labs und ist eine Telemedizinplattform, die Patienten mit Partnerärzten verbindet. Das Unternehmen bietet eine fragebogenbasierte digitale Anamnese sowie Online-Konsultationen per Video und Telefon an. Im März wurden die telemedizinischen Dienste während der Corona-Pandemie auf kontaktlose PCR- und Antikörpertests ausgeweitet. Nach erfolgreichen Pilotprojekten in Berlin und Hamburg sind die PCR-Heimtests seit Juni bundesweit verfügbar. Nach Videosprechstunden ausgestellte Rezepte konnten sich die Patienten bisher per Post zusenden lassen oder die Verordnung an eine Online-Apotheke weiterleiten. Dazu arbeitet Fernarzt mit der Berliner Versandapotheke Aponeo zusammen. Deren Investor – die britische Gesellschaft Marcol – hatte Fernarzt.com vor gut zwei Wochen erst übernommen und gliedert das Portal nun in die Digital-Health-Gruppe Health Hero ein.