Preisvergleich

Landapotheker: Günstiger als DocMorris Nadine Tröbitscher, 26.06.2017 08:05 Uhr

Berlin - Die Apotheken vor Ort sind zu teuer! Wahrheit oder Vorurteil? Wer im Internet bestellt, wiegt sich in der Sicherheit, gespart zu haben. Dem ist jedoch nicht immer so. Landapotheker Dr. Heiko Walther aus Otzberg liegt mit seinen Preisen sogar um bis zu 50 Prozent unter DocMorris.

Cetirizin Heumann 20 Tabletten für 2,95 Euro, 50 Stück von Ratiopharm für 8,95 Euro – das sind die Preise der Landapotheke ohne Konkurrenz im Odenwald. DocMorris liegt mit 8,25 Euro beziehungsweise 12,45 Euro deutlich höher. Der Grund: Kaufe gut ein und bekomm einen hohen Rabatt, dann gebe er diesen komplett an seine Kunden weiter, erzählt Walther. Die Preise gelten dann über einen längeren Zeitraum und sind nicht nur Monatsangebote.

Am Ende sparten Verbraucher also nicht immer bei einem Kauf im Internet. Nicht zu vergessen das Porto – meist liefern die Versandapotheken erst ab einem Mindestbestellwert von 20 Euro versandkostenfrei oder wenn ein Rezept eingelöst wird. Im Schnitt geben Kunden jedoch weniger als 20 Euro für die Selbstmedikation aus. Vor allem auf dem Land sind es weniger, in Walthers Apotheke im Schnitt nur 12 bis 13 Euro.

Das bedeutet, sie müssten für ihren Einkauf ein Porto von 2,95 Euro zahlen. „Wir sagen dem Kunden natürlich nicht, dass er unbedingt 20 Euro umsetzen soll, damit die (imaginäre) Bearbeitungsgebühr entfällt“, scherzt Walther. Die günstigen Präparate sind in der Landapotheke meist Einzelkäufe.



Erreichen Kunden den Mindestbestellwert im Versandhandel nicht, kann das entstehende Porto zu einem Mehrkonsum führen. Eine potentielle Gefahr für Patienten, denn diese kaufen mehr, als sie eigentlich benötigen und sparen am Ende nichts – außer den Versandkosten. Ein Trend, der womöglich den Arzneimittelkonsum vorantreibt. „Das ist im Arzneimittelbereich höchst kritisch, da ein Mehrkonsum nicht gewollt sein kann“, sagt Walther.

Zu den zehn am häufigsten verkauften Arzneimitteln in Walthers Apotheke zählt unter anderem Ibuprofen Heumann zu 400 mg und 20 Tabletten für 2,59 Euro und 50 Stück für 6,95 Euro. Nasenspray Ratiopharm für Erwachsene zu 10 ml ist für 2,99 Euro zu haben und die 15 ml Flasche für 3,20 Euro. Thomapyrin kostet 4,95 Euro und Paracetamol Stada zu 20 Tabletten 1,99 Euro. Dauerhaft günstig ist auch Grippostad C mit 8,95 Euro. Auch ASS 100 von Stada gibt es online nicht billiger, ohne Porto sind es in Otzberg für 100 Stück 3,20 Euro.

Auch die Verbraucherzentrale NRW untersuchte stichprobenartig die Preise bei zehn großen Versandapotheken, dazu gehörten unter anderem DocMorris, Sanicare, Medikamente-per-Klick sowie Shop-Apotheke und Apodiscounter, Medipolis und Medpex. Bei rezeptfreien Arzneimitteln lohnt es sich den Verbraucherschützern zufolge, auch in der Apotheke um die Ecke nachzurechnen.



Bei fast allen Versandapotheken fanden die Verbraucherschützer Beispiele für teurere Großpackungen. Mal seien das nur zwei Cent gewesen. Aber es gab auch Angebote für 30 Vitaminampullen für 50 Euro, das 100er-Gebinde sollte hingegen 200 Euro kosten. Somit hätte die einzelne Ampulle im 30er-Pack 1,64 Euro gekostet, was 36 Cent billiger war als die Einzelampulle für zwei Euro aus der Großpackung.

Als „schräg“ empfand die Verbraucherzentrale auch Preisvergleiche mit einem Apothekenverkaufspreis (AVP). Viele Versender benutzen den Erstattungspreis als Referenz, darüber wurde schon viel vor Gericht gestritten. Versandapotheken „missbrauchten“ den AVP häufig für die Angabe vermeintlicher Ersparnisse und Rabatte, so die Verbraucherschützer. Medikamente-per-klick habe dafür mit „VK“ sogar eine eigene Abkürzung kreiert, den „unverbindlichen Apothekenverkaufspreis per Lauer-Taxe“. Eine weitere Erklärung habe es dazu nicht gegeben.