Immer noch keine Approbation: Apothekerin in Geldnot 05.07.2026 08:11 Uhr
Eine Apothekerin aus Rumänien wartet seit über einem Jahr auf die Anerkennung ihrer Approbation in Deutschland. Mittlerweile ist sie durch die hohe finanzielle Belastung in Geldnot. „Ich kann nicht als Apothekerin arbeiten, weil sich die Behörde unendlich lange Zeit lässt.“
Für ausländisches Fachpersonal ist es besonders schwierig, eine deutsche Approbationsurkunde zu erhalten. Adina Coman, die in Rumänien geboren wurde und dort Pharmazie studierte, wartet mittlerweile mehr als ein Jahr auf ihre Anerkennung. Seitdem sie in Deutschland sei, könne sie nicht als Apothekerin arbeiten, obwohl sie das Studium ordnungsgemäß in ihrem Heimatland abgeschlossen habe. „Mittlerweile bin ich durch die hohe finanzielle Belastung in Geldnot“, sagt sie.
Denn: „Ich verdiene nur einen Bruchteil von dem Gehalt, das mir eigentlich zusteht.“ Auch die Einschränkungen in der Apotheke vor Ort seien unangenehm. „Ich darf nicht als einzige Approbierte anwesend sein und arbeite demnach immer unter Aufsicht. Das ist nicht schön, dafür habe ich nicht studiert“, beklagt sie.
Zudem sei sie irritiert: „Bei einer befreundeten Kollegin ging alles viel schneller.“ Die Kollegin stamme aus Bulgarien und habe eine Woche nach ihrem Antrag bereits die Anerkennung erhalten, schildert Coman. „Dabei haben wir exakt dieselben Vorgänge zur Antragstellung durchlaufen“, ärgert sie sich.
Behörde weist Vorwurf zurück
Das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege gibt an, dass „grundsätzlich bei einem Abschluss aus EU/EWR/der Schweiz keine Kenntnisprüfung erforderlich“ sei. Die Behörde entzieht sich auf Nachfrage der Verantwortung und schreibt: „Verzögerungen im Verfahren entstehen in aller Regel durch fehlende Unterlagen der Antragstellerinnen und Antragsteller.“ Betroffene würden aufgefordert, fehlende Dokumente nachzureichen, heißt es weiter.
Das sei aber bei Coman gar nicht erfolgt. „Meine Unterlagen waren vollständig und ich habe seit der Einreichung nichts mehr gehört“, beklagt sie. Zumindest eine Mängelbescheinigung sei doch in dem Fall zu erwarten. „Wenn wirklich etwas gefehlt hätte, müsste ich doch wissen, was, um es nachzureichen“, so Coman. Mittlerweile erwägt sie rechtliche Schritte einzuleiten.
Weiterhin erklärt die Sprecherin: „Die Quote der defizitären Unterlagen bei Antragseinreichung liegt bei über 90 Prozent. Anträge, bei denen alle Dokumente vollzählig enthalten seien, werden umgehend bearbeitet.“ Aus Datenschutzgründen wollte man keine Aussagen zum Einzelfall machen.
Auf Homepage verwiesen
Auf eine weitere Nachfrage, warum die Aushändigung der Urkunde bis heute nicht erfolgt sei, erwiderte die Behörde: „Nach wie vor ist unsere Aussage vom 17. April noch aktuell.“ Grundsätzlich erhalte man immer wieder Anträge, die aus verschiedenen Gründen nicht in der regulären Zeit bearbeitet werden können, da zusätzliche Verfahrensschritte notwendig sind, erklärt eine Sprecherin. „Die zuständigen Mitarbeitenden befinden sich in diesen Fällen im Kontakt mit den Antragstellenden“, heißt es weiter. Betroffene sollen sich dazu auf der Homepage des Hessischen Landesamts für Gesundheit und Pflege informieren.
Kein Einzelfall
In Hessen ist das, was Coman erlebt, kein Einzelfall. Dort müssen Pharmazeut:innen aus dem Ausland mitunter Jahre warten, um überhaupt eine Antwort zu erhalten. Viele hoch ausgebildete ausländische Fachkräfte sind deshalb gezwungen, in Deutschland als Praktikant:innen oder als pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte zu arbeiten.
Zuletzt kämpfte Fatma Balla drei Jahre lang um ihre deutsche Approbationsurkunde – und wechselte zwischenzeitlich in die Industrie. Nach langem Hin und Her und einer Anzeige wegen Betrugsverdachts traf ihr Dokument schließlich ein. „Möge niemand sonst diesen Weg gehen müssen.“