Graumarkt

Boehringer verdächtigt Großhändler Alexander Müller, 04.04.2016 11:33 Uhr

Berlin - 

Der Hersteller Boehringer Ingelheim beschuldigt die Großhändler indirekt, das Diabetesmittel Jardiance (Empagliflozin) nicht nur an deutsche Apotheken zu verkaufen. Anders kann man sich die aktuellen Lieferengpässe beim Konzern nicht erklären. Die Apotheker sollen notfalls über die Plattform Pharma-Mall direkt bei Boehringer bestellen.

Laut Boehringer ist die Nachfrage nach den erfolgreichen Preisverhandlungen und der Veröffentlichung neuer wissenschaftlicher Daten deutlich gestiegen. Angesichts dieser steigenden Absatzprognosen würden die Liefermengen deutlich gesteigert. „Dennoch müssen wir feststellen, dass einzelne Apotheken bei uns reklamieren, vom pharmazeutischen Großhandel mit Jardiance nicht ausreichend versorgt zu werden“, teilt der Hersteller mit, der das Präparat gemeinsam mit Lilly vermarktet.

Boehringer sieht die Schuld an dem partiellen Mangel nicht in der eigenen Produktion – sondern bei den Großhändlern: Aktuelle Marktdaten zeigten, dass man in den vergangenen Wochen deutlich größere Mengen Jardiance an den deutschen Handel geliefert habe, als an Patienten in Deutschland abgegeben wurde, so der Hersteller.

Der Ingelheimer Konzern bietet ab sofort die Möglichkeit der Direktbestellung: „Sollte der Großhandel nicht sofort lieferfähig sein, nehmen wir zusätzlich ab dem 4. April 2016 Ihre Bestellungen direkt entgegen“, heißt es in einem Schreiben an Apotheken. Allerdings können diese ausschließlich über die Plattform Pharma-Mall platziert werden. Das sorgt bei anderen Herstellern immer wieder für Ärger, weil nicht alle Apotheken sich in diesen Kanal zum Direktbezug zwingen lassen wollen.

Boehringer endet das Schreiben mit einem Versprechen und einem Appell an die Apotheken: „Wir versichern, dass wir Jardiance weiterhin in Mengen auf den deutschen Markt bringen, die den tatsächlichen Bedarf aller Apotheken in Deutschland decken. Für Ihre Unterstützung im Sinne der Patientenversorgung danken wir Ihnen.“

Jardiance ist hierzulande seit August 2014 zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Der SGLT2-Hemmer kann bei Metformin-Unverträglichkeit alleine eingesetzt werden sowie in Kombination mit anderen Antidiabetika. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hatte im November 2014 keinen Therapievorteil für Empagliflozin feststellen können.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sah im Februar 2015 ebenfalls einen Zusatznutzen als nicht belegt an. Boehringer trat dennoch in Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband. Der Listenpreis von Jardiance liegt heute zwischen 43,03 und 117,77 Euro. Unter dem Namen Synjardy wird der Wirkstoff außerdem in Kombination mit Metformin vertrieben. Im Februar hatte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) das positive Nutzen-Risiko-Verhältnis für Empagliflozin und andere Hemmer des natriumabhängigen Glukosetransporters Typ 2 (SGLT-2) bestätigt.