Datenfernübertragung

Großhändler testen Internet-Bestellungen Carolin Bauer, 30.08.2013 15:29 Uhr

Internet statt Dafü: Die Großhändler rüsten sich für das neue Bestellverfahren. Foto: Elke Hinkelbein
Berlin - 

Bestellungen beim Großhandel über Telefonleitungen gehören bald der Vergangenheit an. Arzneimittel sollen künftig über das Internet geordert werden. In den Apotheken kann die Datenfernübertragung (Dafü) zwar noch bis Ende 2014 verwendet werden, doch die Großhändler beginnen bereits mit einem ersten Roll-Out. Allerdings haben dem Vernehmen nach noch nicht alle Softwarehäuser auf das neue System umgestellt.

Ab Oktober sollen die Apotheken das internetbasierte Bestellverfahren „MSV3“ einsetzen. Der Privatgroßhändler Max Jenne testet das neue Bestellverfahren mit vier Apotheken. Die Kunden sind demnach erfolgreich in das neue System eingebunden worden. Das neue Verfahren sei ein „echter Technologiesprung im Bestellvorgang zwischen Apotheke und Großhandel“, sagt Lothar Jenne, geschäftsführender Gesellschafter von Max Jenne.

Der Stuttgarter Großhändler Gehe testet das neue System laut eigenen Angaben bereits seit 2012. „Die bisher vorliegenden Ergebnisse und Erkenntnisse zeigen, dass die Apotheken das neue Verfahren sehr positiv aufgenommen haben“, sagt eine Sprecherin. Auch Phoenix liegt – wie Noweda – im Zeitplan. Seit Juli würden alle Funktionen mit einzelnen Apotheken erprobt, sagt eine Sprecherin.

Statt der Modemverbindung über Telefonleitungen werden die Bestellungen über das Internet vermittelt. Die Aufträge kommen laut Jenne zehn bis tausend Mal schneller an. Die Bestellungen werden von den Großhändlern gesammelt und zu den verabredeten Zeiten an die Apotheken geschickt.

Die Entwicklungskosten haben die Projektpartner – Deutscher Apothekerverband (DAV), Phagro und Bundesverband Deutscher Apothekensoftwarehäuser (ADAS) – getragen. Für weitere Kosten müssten Großhändler und Softwarehäuser selbst aufkommen, so Jenne. Das Kieler Unternehmen investiere einen niedrigen sechsstelligen Betrag. Die Apotheken benötigen für die Umstellung lediglich eine Internetverbindung.

In der Pilotphase wird das neue Verfahren mit ausgewählten Partnern eigenständig erprobt. Dem Vernehmen nach haben noch nicht alle Softwarehäuser umgerüstet. Lauer-Fischer und Pharmatechnik testen bereits das neue System. Auch ADG nimmt an der Pilotierung teil. Die Umstellung sei im Gegensatz zu anderen technischen Neuerungen wie der Notdienstfonds nicht zeitkritisch, sagt ADG-Geschäftsführer Joachim von Morstein. „Wir nehmen schrittweise immer mehr Apotheken dazu.“

Der Test läuft bis Ende September. Dabei werden laut Jenne alle Funktionen wie Bestellungen oder Verfügbarkeitsanfrage genutzt. Danach soll das neue Bestellverfahren bundesweit starten. Künftig könnten über das Internet auch neue Dienste wie die Rechnungsübermittlung ablaufen. „Erst einmal müssen wir aber eine klare Grundlage haben, die funktioniert“, so Jenne.