Schlaf: Sieben Stunden sind optimal fürs Auge 21.03.2026 08:52 Uhr
Schlafmangel geht ins Auge: Aktuelle Studien belegen, dass Dauer und Qualität des Schlafs die Sehleistung beeinflussen und das Risiko für altersbedingte Augenerkrankungen erhöhen können. Darüber informiert die Stiftung Auge. „Schlaf ist für das Auge keine Pause, sondern eine aktive Erholungsphase“, erklärt Professor Dr. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn und Vorsitzender der Stiftung.
Während der nächtlichen Ruhephasen finden im Auge essenzielle Regenerationsprozesse statt. Der Schlaf-Wach-Rhythmus steuert dabei die Nährstoffversorgung der Netzhaut, die Benetzung der Augenoberfläche sowie die Regulierung des Augeninnendrucks.
Schlaf als aktive Erholungsphase fürs Auge
Eine besondere Bedeutung kommt dem REM-Schlaf zu: Die charakteristischen Augenbewegungen in dieser Phase unterstützen vermutlich den Abtransport von Stoffwechselprodukten, was für den Erhalt der lichtempfindlichen Zellen und die allgemeine Sehkraft entscheidend ist. „Schlaf ist für das Auge keine Pause, sondern eine aktive Erholungsphase“, erklärt Holz. Werden diese nächtlichen Regenerationsprozesse gestört, könne das durchaus Folgen für die Augengesundheit haben.
Ein chronisches Schlafdefizit sowie eine mangelhafte Schlafqualität begünstigen die Entstehung vielfältiger gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Da die nächtlichen Ruhephasen eine fundamentale Voraussetzung für die physische und psychische Regeneration darstellen, habe eine gestörte Nachtruhe weitreichende Konsequenzen für den gesamten Organismus.
„Ein stark gestörter Schlafrhythmus kann beispielsweise Stoffwechselprozesse wie den Glukosestoffwechsel stören, wodurch die Anfälligkeit für Diabetes mellitus erhöht wird. Das wiederum begünstigt Augenerkrankungen wie die diabetische Retinopathie“, erklärt Professor Dr. Gerd Geerling, Direktor der Universitäts-Augenklinik Düsseldorf.
Sieben Stunden Schlaf optimal fürs Auge
Weitere bevölkerungsbasierte Analysen zeigen laut Stiftung Auge, dass ungünstige Schlafmuster insgesamt mit einem erhöhten Risiko für altersabhängige Augenerkrankungen wie dem Grauen Star, Glaukom oder diabetischen Netzhautschäden verbunden sind.
Forschenden zufolge war eine Schlafdauer von rund sieben Stunden pro Nacht mit dem geringsten Risiko für Augenerkrankungen verbunden. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Associations Among Sleep Duration, Sleep Quality, and Age-Related Ocular Diseases: Insights From Longitudinal and Mediation Analyses“, die am Zhongshan Ophthalmic Center in China durchgeführt wurde. Die Untersuchung basierte auf Daten der UK Biobank und begleitete über 400.000 Teilnehmende über einen Zeitraum von durchschnittlich zwölf Jahren.
Die Auswertungen zeigten einen U-förmigen Zusammenhang: Sowohl eine zu kurze (≤ 6 Stunden) als auch eine zu lange Schlafdauer (≥ 9 Stunden) korrelierten mit einer höheren Inzidenz von Augenerkrankungen wie dem Glaukom, dem Grauen Star und der diabetischen Retinopathie. Eine mangelhafte Schlafqualität – insbesondere in Verbindung mit Schnarchen, Schlaflosigkeit oder ausgeprägter Tagesmüdigkeit – erhöhte das Risiko für Augenprobleme laut den Forschenden signifikant.
Als wesentlichen Erklärungsfaktor identifizierten die Wissenschaftler:innen systemische Entzündungsprozesse. Ein gestörter Schlafrhythmus führt demnach zu einem Anstieg von Entzündungsmarkern im Blut wie etwa dem C-reaktiven Protein (CRP) oder einer erhöhten Anzahl weißer Blutkörperchen. Diese chronischen Entzündungsreaktionen können laut Forschenden die feinen Gefäßstrukturen und das Gewebe des Auges schädigen und so die Entstehung altersbedingter Erkrankungen begünstigen.
Schlaf als beeinflussbarer Faktor für die Augengesundheit
Feste Zubettgehzeiten, eine ausreichend lange Nachtruhe und das frühzeitige Abklären von Schlafproblemen könne dazu beitragen, die Augen zu entlasten. Besonders für ältere Menschen und für Personen mit Diabetes mellitus gewinnt dieser Zusammenhang laut Stiftung Auge an Bedeutung, da altersabhängige Augenerkrankungen in diesen Gruppen häufiger auftreten. „Guter Schlaf ersetzt keine augenärztliche Vorsorge“, betont Holz abschließend. „Er kann aber ein wichtiger Baustein sein, um die Sehleistung bestmöglich zu unterstützen.“