Lange Nickerchen können die Sterblichkeit erhöhen 16.01.2026 11:32 Uhr
Ein kurzer Mittagsschlaf wird von vielen als erholsam empfunden. Eine groß angelegte Studie mit Daten aus Großbritannien zeigt jedoch, dass längere Nickerchen mit einem erhöhten Sterberisiko im Alter verbunden sein könnten.
Das Sterberisiko bei regelmäßigem Mittagsschlaf schwankt nicht nur mit der Häufigkeit und Länge der Ruhepausen, sondern hängt auch vom Zeitpunkt und der Regelmäßigkeit ab. Dass wenig erholsamer Nachtschlaf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Demenz erhöht, ist bereits bekannt. Bislang blieb allerdings außer Acht, dass auch der Tagschlafs eine entscheidende Rolle spielt.
„Viele Studien konzentrieren sich auf den Nachtschlaf. Doch auch Nickerchen am Tag sind ein wesentlicher Bestandteil des 24-Stunden-Schlaf-Wach-Rhythmus und könnten ihre ganz eigenen gesundheitlichen Konsequenzen haben“, erklärt Dr. Chenlu Gao von der Harvard Medical School und vom Massachusetts General Hospital in Boston. Gemeinsam mit seinem Team stellte er die Ergebnisse der Studie „Objectively-Assessed Napping Behaviors Predict Mortality in Middle-to-Older Aged Adults“ kürzlich auf dem Fachkongress Sleep 2025 vor.
Schlafmuster getrackt
Analysiert wurden dafür Daten der UK Biobank auf die Schlafgewohnheiten von 86.565 Erwachsenen, die keine Schichtarbeit leisteten. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt 63 Jahre alt, 57 Prozent waren Frauen. Die Schlafmuster wurden über eine Woche hinweg mithilfe von Aktivitätssensoren (Aktigraphen) erfasst. Diese trugen die Proband:innen am Handgelenk. Gemessen wurden Bewegungsintensitäten und Ruhezeiten. Die Forschenden konnten so Schlafzeiten, Schlafqualität und auch den Tagesrhythmus einsehen.
Die Zeiten für Nickerchen wurden genau festgelegt: Es zählte jeder Schlaf zwischen 9 Uhr morgens und 19 Uhr abends. Im Durchschnitt kamen die Teilnehmenden auf 0,40 Stunden Schlaf pro Tag, was etwa 24 Minuten entspricht. „Auffällig war die zeitliche Verteilung“, erklären die Forschenden. Diese sah folgendermaßen aus:
- 34 Prozent zwischen 9 und 11 Uhr
- 10 Prozent zwischen 11 und 13 Uhr
- 14 Prozent zwischen 13 und 15 Uhr
- 19 Prozent zwischen 15 und 17 Uhr
- 22 Prozent zwischen 17 und 19 Uhr
Höhere Sterblichkeit
Die Teilnehmenden wurden elf Jahre lang nachbeobachtet. Insgesamt starben in diesem Zeitraum 5189 Teilnehmende. Mit den Ergebnissen zeichnet sich ab: „Mit zunehmendem Alter wurden die Nickerchen länger, unregelmäßiger und verlagerten sich verstärkt in die Nachmittagsstunden.“
Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass bestimmte Muster des Tagschlafes mit einer höheren Sterblichkeit assoziiert waren:
- längere Nickerchen erhöhten das Sterberisiko um 20 Prozent,
- starke Schwankungen in der Dauer der Nickerchen steigerten das Risiko um 14 Prozent,
- Nickerchen zwischen 11 und 13 Uhr sowie zwischen 13 und 15 Uhr waren mit einer höheren Mortalität assoziiert.
Hinweis auf Erkrankungen
„Unsere Daten zeigen, dass nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Dauer, Variabilität und der Zeitpunkt von Nickerchen als Indikatoren für die Gesundheit relevant sein können“, erklärt Gao. Weiterhin vermuten die Forschenden, dass die Schlafzeiten tagsüber bestehende gesundheitliche Probleme widerspiegeln, anstatt die Mortalität selbst kausal zu erhöhen.
„Längere oder unregelmäßige Nickerchen könnten ein Hinweis auf schlechten Nachtschlaf, eine gestörte innere Uhr oder zugrunde liegende Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Stoffwechselstörungen, Depressionen oder frühe neurodegenerative Veränderungen sein“, betont Gao.
Mittagsschlaf nicht immer ungesund
Aber: Ein Mittagsschlaf sei damit nicht generell ungesund, machen die Forschenden klar. Im Gegenteil: Problematisch werde es, wenn die Ruhepausen zu lang, zu unregelmäßig oder zeitlich auffällig verschoben seien.
„Unsere Untersuchung zeigt, dass Ärzte beim Napping genauer hinschauen sollten“, fasst Gao zusammen. „Ob und wie Nickerchen direkt zur Sterblichkeit beitragen oder lediglich ein Symptom für andere Krankheiten sind, muss allerdings in weiteren Studien geklärt werden.“