Risikofaktor Kopfkissen

Erhöhte Schlafposition bei Glaukom meiden 19.02.2026 08:55 Uhr

Berlin - 

Eine aktuelle Beobachtungsstudie aus China stellt die bisherige Annahme infrage, dass eine erhöhte Kopfposition den Augeninnendruck nachts senkt. Im Gegenteil: Die Forschenden stellten fest, dass dicke Kissen die Halsvenen komprimieren können, was den Abfluss des Kammerwassers behindert und den Druck im Auge sogar signifikant ansteigen lässt. Für Glaukom-Patient:innen könnte der Verzicht auf ein dickes Kopfkissen daher eine einfache, aber effektive Methode sein, um die nächtliche Belastung des Sehnervs zu reduzieren.

Das Glaukom, auch Grüner Star genannt, ist eine chronische Erkrankung des Auges, bei der der Sehnerv fortschreitend geschädigt wird. Der Hauptrisikofaktor ist ein zu hoher Augeninnendruck. Dieser entsteht meist durch eine Abflussstörung des Kammerwassers. Durch den Druck sterben die Nervenfasern des Sehnervs langsam ab. Dies führt zu Gesichtsfeldausfällen (blinden Flecken), die zunächst oft unbemerkt bleiben.

Die Schlafposition kann deshalb für Glaukompatienten entscheidend sein. Das fanden Wissenschaftler:innen in der Studie „Association of high-pillow sleeping posture with intraocular pressure in patients with glaucoma“ unter der Leitung von Ophthalmologe Tong Liu, Eye Center der Zhejiang University in Hangzhou, China heraus. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal British Journal of Ophthalmology (BJO) veröffentlicht.

Dicke Kissen erhöhen Druck

Im Fokus der Analyse stand, inwieweit das Schlafen mit erhöhter Kopfposition, beispielsweise durch dicke Kissen den Augeninnendruck bei Glaukom-Patient:inne steigert. Untersucht wurden dazu die Daten von 144 Patientinnen und Patienten mit einem Normaldruckglaukom.

Bei 67 Prozent der Proband:innen stieg der Augeninnendruck bereits an, wenn sie den Kopf mit einem Kissen um 20 bis 35 Grad erhöhten. Der durchschnittliche Anstieg des Innendrucks betrug 1,61 mmHg. Gleichzeitig sank auch der okuläre Perfusionsdruck (OPD) – ein Maß für die Durchblutung des Sehnervs – bei Verwendung von dicken Kissen signifikant.

Besser verzichten

Die Forschenden vermuten, dass die Beugung des Nackens durch dicke Kissen die Halsvenen (Vena jugularis) zusammendrückt. Dies behindert folglich den venösen Rückfluss und damit den Abfluss des Kammerwassers aus dem Auge. Aufgrund der Ergebnisse empfehlen die Wissenschaftler:innen Glaukom-Patienten, auf dicke Kissen zu verzichten, da diese den Nacken ungünstig beugen könnten.

Dies könnte eine einfache, ergänzende Strategie sein, um nächtliche Druckspitzen zu vermeiden. „Solche Verhaltensänderungen stellen eine einfache, aber potenziell wirksame ergänzende Strategie zur Optimierung der langfristigen Augeninnendruck-Kontrolle in der klinischen Praxis dar“, macht Liu deutlich.

Gleichzeitig weist er aber auch darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handle und weitere Untersuchungen nötig seien, um die Ergebnisse zu validieren.