Inhaberin führt Liste

Hochpreiser: Struktur statt Ausnahmezustand 06.05.2026 12:15 Uhr

Berlin - 

Hochpreisige Arzneimittel gehören für viele Apotheken längst zum Alltag – und sorgen dennoch regelmäßig für Anspannung. „Es ist jedes Mal aufregend“, sagt Dr. Eva-Maria Lippke. Die Mitinhaberin der Paracelsus-Apotheke in Mehlingen versorgt Stammkundschaft mit teuren Arzneimitteln. Für sie ist dabei ein strukturierter Ablauf entscheidend.

Eine zentrale Herausforderung bei hochpreisigen Rezepten ist die fehlende Routine. Gerade in Apotheken ohne entsprechende Stammkundschaft gehen hochpreisige Rezepte eher sporadisch ein. Wenn es vorkommt, muss die Abgabe nicht in organisatorischem Stress enden. Lippkes Ansatz: standardisierte Prozesse schaffen. Denn nur so lasse sich vermeiden, dass ein einzelnes Rezept „den Apothekenalltag aus dem Takt bringt“.

Sobald eine entsprechende Verordnung über den HV-Tisch gereicht wird, greift in ihrer Apotheke ein klar definierter Ablauf. Dieser beginnt mit einer genauen Prüfung und setzt sich über Bestellung, Finanzierung und Dokumentation fort. Ziel sei es, Sicherheit für das Team zu schaffen – und gleichzeitig professionell gegenüber den Patientinnen und Patienten aufzutreten.

Transparenz gegenüber Apothekenkunden

Ein wichtiger Punkt ist laut Lippke die Kommunikation. Es werde durchaus „zurückgespiegelt“, dass es sich um ein besonderes Medikament handelt. Damit schafft die Apotheke Transparenz und Verständnis für mögliche Wartezeiten oder besondere Abläufe. Hochpreiser erfordern nicht nur interne Organisation, sondern auch eine sensible Kundenansprache.

Besonders relevant ist der wirtschaftliche Aspekt. Bei der Bestellung müsse stets abgewogen werden, ob das Medikament über den Großhandel bezogen werden kann, oder ob eine Vorfinanzierung notwendig ist. Diese Entscheidung beeinflusst maßgeblich das Risiko für die Apotheke. Lippke beschreibt, dass solche Überlegungen fest in den Prozess integriert sind – ein weiterer Hinweis darauf, wie wichtig strukturierte Abläufe sind.

Kontrolle bleibt zentral – digital und analog

Auch bei der Rezeptprüfung setzt sie in ihrer Apotheke auf Sicherheit durch Redundanz. Neben klassischen Prüfmechanismen wie eine handschriftliche Liste kommen digitale Tools zum Einsatz – darunter auch spezialisierte Lösungen zur Rezeptprüfung von Noventi. Man fahre „zweigleisig“, sagt sie, etwa für den Fall, dass ein Rezept verloren geht. Ein Ansatz, der Fehler minimieren und auch Retaxationen vermeiden solle. Gerade bei hohen Beträgen sei dies essenziell.

Interessant ist zudem Lippkes Einschätzung zur aktuellen Verordnungspraxis: Hochpreiser kommen weiterhin häufig als Papierrezept in die Apotheke. Das E-Rezept spiele hier bislang noch eine geringere Rolle, doch es würden mehr. Aktuell liege die Verteilung bei 50:50.

Hochpreiser als Chance begreifen

Trotz aller Herausforderungen plädiert Lippke dafür, die Hemmschwelle gegenüber Hochpreisern abzubauen. Das Risiko sei „eigentlich wie bei jedem anderen Rezept“, nur die finanziellen Auswirkungen seien größer. Entscheidend sei daher nicht, solche Verordnungen zu vermeiden, sondern professionell mit ihnen umzugehen.

Ihr Fazit: Wer klare Strukturen etabliert, Risiken bewusst steuert und auf sorgfältige Prüfung setze, könne Hochpreiser nicht nur sicher handhaben, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll integrieren.

Mehr Insights und Tipps für den Umgang mit Hochpreisern in der Apotheke gibt es in der APOTHEKE ADHOC-Webinar-Reihe powered by NOVENTI. Dort erklären Apotheker:innen und Expert:innen, wie die Teams mit teuren Rezepten umgehen und wie Fehler vermieden werden können. Per Klick auf die einzelnen Module können Sie sich kostenfrei anmelden und im jeweiligen Live-Termin Ihre Fragen an die Expert:innen stellen:

Hochpreiser – Modul 1 Prozesse sicher beherrschen

Hochpreiser – Modul 2 Digital & effizient im Team

Hochpreiser – Modul 3 Vom Risiko zur täglichen Praxis