Hochpreiser: Der 25.000-Euro-Moment 20.05.2026 15:07 Uhr
Hochpreisige Arzneimittel gehören zur pharmazeutischen Versorgung. In vielen Apotheken haben sich Routinen entwickelt. „Uns treibt ein Hochpreiser keinen Schweiß auf die Stirn“, sagt Jens Landwehr. Der Inhaber der Rathaus-Apotheke aus Bayreuth setzt bei der Bearbeitung auf routinierte Prozesse und gut geschulte Mitarbeitende – damit erst gar nicht ein „25.000-Euro-Moment“ entsteht.
Die Packungswerte von Hochpreisern sind deutlich gestiegen. Auch Landwehr weiß um die Existenzbedrohung durch die Abgabe hochpreisiger Rezepte. Der Inhaber von vier Apotheken setzt jedoch auf ein internes Sicherheitskonzept, das auch aus „top geschulten Angestellten“ besteht. Die Prüfung und Nachbearbeitung der Rezepte sei entscheidend. Zusätzlich zur manuellen Kontrolle gebe es digitale Checks. „Das ist wichtig, dass einem so ein Rezept nicht um die Ohren fliegt.“
25.000 Euro können schnell weg sein
Zuletzt habe es deshalb keine gewichtigen Beanstandungen der Kassen gegeben, sagt er. Die Prüfung sei wichtig, da sonst schnell auf einmal beispielsweise 25.000 Euro weg sein können. „Für manche Betriebe mit einem Jahresgewinn von 80.000 Euro ist das bedrohend.“ Dazu kommt, dass er auf eine gute Liquidität setzen kann, im Familienverbund fühlt er sich gut aufgestellt. Es komme vor, dass Kundinnen und Kunden von anderen Apotheken mit Hochpreisern zu ihm geschickt werden.
Auch für Thomas Faber, der eine Apotheke in Jüterbog führt, gehören Hochpreiser dazu. „Sie gehen ganz ‚normal‘ über den Tresen, sofern alles realisiert werden kann“, sagt der Inhaber der Mönchen-Apotheke. Wenn per Vorkasse bezahlt werden müsse, komme es auf die grundlegende Zahlungsfähigkeit an. Die sei momentan noch gut. Wenn Apotheken einen Vorschuss benötigen, können sie sich auch an ihr Rechenzentrum wenden. „Patienten halten wir in Sachen Argumentation raus, weisen aber auf etwas längere Lieferzeit hin“, sagt der Inhaber.
Risiko bei Rezepten wächst
Laut einer Erhebung von Noventi lag der Packungswert 2022 noch bei etwa 3300 Euro. Aktuell kommen 3600 Euro zusammen, ein Plus von 7 Prozent. Dadurch gewinnen diese Verordnungen wirtschaftlich zunehmend an Bedeutung für Apotheken. Doch auch das Risiko steigt, denn Fehler und daraus resultierende Retaxationen fallen bei Hochpreisern viel stärker ins Gewicht. „Wir beobachten in unseren Abrechnungszahlen seit Jahren, dass Hochpreiser für Apotheken wirtschaftlich immer relevanter werden. Mit steigenden durchschnittlichen Packungswerten wächst gleichzeitig aber auch das Risiko“, sagt Johannes Baum, Head of Sales Apotheke bei Noventi.
Wenn eine einzelne Verordnung schnell 20.000 oder 30.000 Euro umfasse, werde jeder Formfehler relevant. „Deshalb setzen immer mehr Kundinnen und Kunden gemeinsam mit Noventi als ihr Rechenzentrum auf zusätzliche digitale Prüfmechanismen und Liquiditätslösungen, um Hochpreiser erfolgreich zu managen.“