Gewinn für kleine Betriebe

Impfen & pDL: Neue Zielgruppe für Apotheken 29.07.2026 14:36 Uhr

Berlin - 

Impfen und pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) sollen einen größeren Stellenwert in Apotheken einnehmen. Bei kleineren und mittleren Betrieben ist oft das Personalthema ein Hindernis. Apotheker Johannes Jokiel weiß um die Mehrbelastung, verweist jedoch auf die zahlreichen Vorteile.

Noch werden Impfungen in Apotheken in verhältnismäßig wenigen Betrieben angeboten. Seit 2020 ist das Angebot erlaubt, im vergangenen Jahr boten laut Abda-Zahlen rund 1100 Betriebe Impfungen an. „Ich finde es wichtig, dass sich auch kleine und mittlere Apotheken jetzt schon als Player mit einbringen“, sagt Jokiel. „Sie gewinnen dadurch einen immensen Vertrauensvorschuss, wenn es sich etabliert hat.“

Personal investieren

Natürlich sei das Personalthema wichtig, sagt er. Gerade in kleineren Apotheken mit weniger Angestellten würden Impfungen und pDL nicht angeboten, weil nicht ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Dabei geht es nicht nur um die zeitaufwendige Beratung, denn wer impfen will, muss sich auch zuvor fachlich schulen lassen – und fehlt für diese Zeit im Team.

Jokiel ist sich jedoch sicher, dass sich der Einsatz und die Investition lohnen wird. „Man muss auf Skaleneffekte setzen.“ Klassische pDL wie Inhalationsübungen, die Betreuung bei oraler Krebstherapie oder Medikationsanalysen lohnten sich, wenn die Abläufe stimmten. „Das kostet erst mal, aber abseits von Humankapital erfordert es keinen Umbau oder teure Geräte. Ich kann die zusätzlichen Services mit den bestehenden Ressourcen in Angriff nehmen und man muss sich nur fachlich damit auseinandersetzen.“

QMS einmal perfektionieren

Das Qualitätsmanagement (QMS) müsse gut abgestimmt sein. Wichtig seien kurze Wege, die nötigen Formulare sollten bestenfalls direkt am HV bereitliegen. Gerade mit Blick darauf, dass neue pDL dazu kämen und das Impfhonorar noch nicht feststehe, sagt er. „Für mich ist es keine vollständige Apotheke nach heutigem Standard, wenn Impfen und pDL nicht angeboten werden.“

Mit Impfkundschaft etwa bringe man Menschen in die Apotheke, die nicht multimorbid sind und eigentlich gar nicht in die Offizin gingen. „Wenn sie diesen Dienstleistungsaspekt in Anspruch nehmen, sind sie in einem ganz anderen Mindset.“ Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Kundschaft auf andere Aktionen hingewiesen werden kann – etwa spezielle Beratungstage. „Viele nehmen es zum Anlass, noch etwas mitzunehmen, nicht unbedingt Arzneimittel, sondern mehr Lifestyle-Präparate.“

Mehr Umsatz und Werbung

„Natürlich lässt sich das nicht immer an Zusatzverkäufe koppeln, aber es ist wichtig fürs Marketing.“ Denn die Menschen sprechen am Küchentisch oder mit Freunden darüber – die beste Werbung für eine Apotheke. „Insgesamt wird der Stellenwert der Apotheke angehoben.“