66-Jährige schildert Leidensgeschichte

„Ich wusste, es ist Brustkrebs“ 01.10.2026 13:30 Uhr

Berlin - 

Die Diagnose Brustkrebs traf Barbara Michalski mit voller Wucht. Was mit einem Sekret aus der Brustwarze begann, entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einer Verhärtung im Gewebe – dann folgte die ärztliche Bestätigung. „Das war ein Schlag ins Gesicht“, sagt die 66-Jährige. Nach einer Mastektomie im März und einem gerade gestochenen Brustwarzen-Tattoo ist sie zuversichtlich.

Alles begann mit einem Sekret, das aus der Brustwarze drang. „Es fing im vergangenen Jahr im März oder April an“, sagt sie. Die Flüssigkeit aus der linken Brust gepaart mit einem Abgeschlagenheitsgefühl und einem Ziehen von der Achsel bis in die Brust ließ sie zur Frauenärztin gehen. Die Gynäkologin ordnete verschiedene Tests an und behandelte zunächst mit Salben, später auch mit Kortison-Tabletten.

Überweisung ins Brustzentrum

Doch keine Therapie habe langfristig geholfen. „Ich habe in mir gespürt, dass da etwas nicht stimmt.“ Kurz vor Weihnachten sei eine Verhärtung in der Brust zu spüren, die Flüssigkeit sei zwischenzeitlich sogar etwas blutig gewesen. Mit einer Überweisung ins Brustzentrum der Asklepios Klinik Barmbek wartete Michalski bis Februar auf einen Termin. „Mein inneres Ich hat mir gesagt, du weißt, dass das Brustkrebs ist.“

Beim Ultraschall sei diese Vorahnung bestätigt worden. „Das hat mir ziemlich die Füße unter dem Boden weggerissen. Es ging mir richtig schlecht, ich leide unter Depression, weil ich zuvor schon schwerkrank war und dies hinter mir habe. Es hat mich richtig runtergezogen.“ Rückhalt und Unterstützung gaben ihr ihre fünf Kinder und ihr Partner. „Jeder war für mich da, natürlich war auch die Sorge in der Familie groß.“

Häufigste Krebsursache bei Frauen

Jedes Jahr erkranken laut Robert Koch-Institut rund 75.000 Frauen an Brustkrebs. Damit ist das Mammakarzinom die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 65 Jahren, aber auch jüngere Frauen sind betroffen. Der Tumor gilt im Anfangsstadium als gut behandelbar. In einem fortgeschrittenen Stadium metastasiert Brustkrebs häufig in die Knochen, in der Leber oder in der Lunge, seltener in das Gehirn.

Hohes Rückfallrisiko

Bei Michalski wurde nach verschiedenen Untersuchungen ein duktales Carcinoma in situ (DCIS) festgestellt. Dabei handelt es sich um einen Tumor, der eine Vorstufe zu einer Krebserkrankung der Brustdrüse darstellt. „Er war noch verkapselt. Das war für mich ein großes Glück, ich bin rechtzeitig hin.“ Betroffen seien überwiegend die Milchdrüsen und die Brustwarze gewesen. Dazu sei die Einstufung als „High Grade“ – also für ein höheres Risiko einer Erkrankung gekommen. „Das bedeutet für mich ein sehr hohes Rückfallrisiko.“ Von einer Bestrahlung sei jedoch zunächst abgesehen worden.

Die Entfernung des betroffenen Gewebes Anfang März verlief gut. „Ich hatte trotz der positiven Prognose starke innere Ängste. Die hatte ich auch nach der OP nicht im Griff.“ Ein Gedanke habe sich um die Zukunft gekreist – was ist in fünf Jahren? „Ich kann Frauen mit Brustkrebs nur von ganzem Herzen raten, psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen. Es hilft ungemein.“

Brustwarze tätowiert

Ein weiterer Aspekt kam dazu. Es wurden nicht nur das komplette Brustdrüsengewebe, sondern auch der Brustwarzenvorhof und die Brustwarze entfernt sowie ein Implantat eingesetzt. „Als ich mich das erste Mal gesehen habe, war es schrecklich. Ich bin innerlich zusammengebrochen. Dazu kamen die Nervenschmerzen.“

Ein wichtiger Schritt zurück ins Leben sei auch die Tätowierung einer Brustwarze gewesen. Michalski bewarb sich bei der Bayer-Initiative „Wieder ganz ich“, die jährlich kostenlose, fotorealistische Tattoos für Frauen verlost. Denn eine Brustwarzenrekonstruktion ist keine reguläre Kassenleistung. „Man muss sich selbst wieder anschauen können, das ist nicht einfach. Das Tattoo hat mir einen Schub nach vorne gegeben. Ich kann wieder in den Spiegel sehen, ohne in Tränen auszubrechen.“

Brustkrebs – eines der Themen der aktuellen Apotheken Umschau.