Rentner Bravo und junge Zielgruppe

70 Jahre Apotheken Umschau 13.09.2026 08:01 Uhr

Berlin - 

„Haben sie noch die Umschau für mich?“ Diese Frage kennen alle Apothekenangestellten im Handverkauf. Die Apotheken Umschau ist für viele Kundinnen und Kunden zum verlässlichen Begleiter bei Gesundheitsfragen geworden. Vor 70 Jahren erschien die erste Ausgabe – damals noch in Schwarz-Weiß und mit 16 Seiten. Die „Rentner-Bravo“ wandelt sich und will verstärkt jüngere Zielgruppen ansprechen. 

Das erste Heft der Apotheken Umschau erschien Anfang 1956. Der Titel zeigte einen Wissenschaftler, der einen prüfenden Blick auf ein Reagenzglas wirft. Das Design war noch schwarz-weiß und die Schrift natürlich anders als heute. Unter dem Titel Apotheken Umschau stand „in Wort und Bild.“

Forscher auf dem Cover Nr. 1

Die Erstauflage startete mit 50.000 Exemplaren. Zunächst waren die Titelseiten geprägt von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die mit strengem Blick Ergebnisse prüften. Die folgenden Cover wurden weniger ernst und zeigten strahlende Kinder und glückliche Frauen bei der Gartenarbeit.

Die Kundenansprache stand von Beginn an im Vordergrund. Bereits im ersten Jahr gab es zu Weihnachten ein großes Preisausschreiben, das auf dem Cover beworben wurde. Der Untertitel änderte sich in den ersten Jahren öfter: Von „Die ‚Wort und Bild‘ Kundenzeitschrift“ zu „Gute Ratschläge für ein gesundes Leben“. 1964 wurde das Cover weiter umgestaltet und es wurde „Die Kunden-Illustrierte aus Ihrer Apotheke“ beworben. In diesem Jahr wurde auch erstmals das Apotheken-A auf der Frontseite getestet.

Apotheken-A ab 1986

Sogar Prominente wurden auf Seite 1 abgebildet: Der Schauspieler Heinz Rühmann lächelt in einer Ausgabe des Hefts von 1965 mit einer Frau den Lesern entgegen. 1967 kommt „Die Monats-Illustrierte unserer Apotheke“ erstmals in Farbe daher. Ab 1986 wird das Hygieiasymbol mit Schlange und Schale dauerhaft vom Apotheken-A abgelöst.

Nach der Umschau folgten weitere apothekenexklusive Titel: 1962 erschien „junge mutti“ (heute „Baby und Familie“), 1974 „medi&zini“ (heute „Medizini“) und 1978 der „Diabetiker Ratgeber“ (heute „Diabetes Ratgeber“) und der „Senioren Ratgeber“. 2001 wurde außerdem das Gesundheitsportal apotheken-umschau.de entwickelt.

Der Verlag hinter Umschau & Co. war 1955 als Werbe- und Verlagsgesellschaft „Wort & Bild“ durch Rolf Becker in Baierbrunn bei München gegründet worden. Becker war damals 35 Jahre alt und hatte eine Banklehre bei der Braunschweigischen Staatsbank absolviert. Von 1945 bis 1948 hatte er zunächst als Verkaufsberater für die pharmazeutische und kosmetische Industrie gearbeitet, später als Verkaufsleiter und Geschäftsführer der Hermes Arzneimittel in München-Großhesselohe.

Bei der Gründung waren zwei Partner an Bord, 1960 übernahm Becker den Verlag komplett. Bis 2007 war er als geschäftsführender Gesellschafter im operativen Geschäft tätig. Als Inhaber, Generalbevollmächtigter und Vorsitzender des Beirats war er dem Verlag bis zu seinem Tod Anfang 2014 treu.

Vor allem mit TV-Werbung ist die Apotheken Umschau groß geworden – auch wenn der erste Anlauf Ende der 1990er-Jahre noch floppte. Heute erreicht die Kundenzeitschrift laut Verlagsangaben mit ihren beiden Ausgaben pro Monat eine Auflage von rund 4,6 Millionen Heften.

Die Apotheken Umschau stehe für verlässliche Gesundheitsinformationen, sagt Verlagschef Andreas Arntzen. „Über 15 Millionen Menschen lesen die Hefte Monat für Monat – daraus entsteht eine große Verantwortung, an der wir jeden Tag neu arbeiten.“ Er dankt den Leserinnen und Lesern und den Apotheken, die die Kosten für das Heft übernehmen: „Sie machen diese Form der Gesundheitsaufklärung erst möglich.

Chefredakteur und Geschäftsführer Dr. Dennis Ballwieser will mit den Inhalten am Puls der Zeit sein: „Gesundheitswissen ist nie statisch, und die Erwartungen jüngerer Leserinnen und Leser verändern sich. Deshalb haben wir das Profil der Apotheken Umschau in den letzten Jahren konsequent geschärft.“ Jüngere Zielgruppen würden gewonnen, die eine lebensnahe Sprache genauso schätzten wie die evidenzbasierte Einordnung, für die die Umschau seit sieben Jahrzehnten stehe.

Auch mit Blick auf die Konkurrenz und der angespannten finanziellen Situation in den Apotheken muss der Verlag am Ball bleiben. Gesundheit sei ein emotionales Thema, sagt Ballwieser. Ob im Heft, auf Social Media oder im Podcast – wir erzählen Geschichten aus der Sicht von Betroffenen und Angehörigen. Unser Anspruch bleibt, komplexe Themen so aufzubereiten, dass unsere Leserinnen und Leser im Alltag bessere Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen können.“