Rezeptur Retax

Inkompatible Kombinationen Alexandra Negt, 19.06.2020 14:36 Uhr

Berlin - 

Hat ein Arzt eine Rezeptur mit mehreren Wirkstoffen verordnet, so muss in der Apotheke geprüft werden, ob diese in der Rezeptur in Wechselwirkung miteinander treten. Wirkstoffe besitzen darüber hinaus unterschiedliche rezeptierbare pH-Bereiche, sodass eine Herstellung eventuell nicht möglich ist. Wenn trotz Pufferung, Grundlagenaustausch & Co. keine plausible Zusammensetzung erreicht werden kann, bleibt oft nur die getrennte Herstellung. Eine einfache Rücksprache mit dem Arzt und ein Vermerk auf dem Rezept reicht hier nicht aus.

Es ist der Klassiker in der Rezeptur: Eine Creme mit Antibiotikum, Kortison und Antimykotikum, um den unspezifischen Ausschlag des Betroffenen schnellstmöglich zu lindern. Abgesehen davon, dass die Kombination dieser Wirkstoffgruppen nicht bei allen dermatologischen Krankheitsbildern vorteilhaft ist, kommt es mit Sicherheit zu Inkompatibilitäten. Immer noch häufig zusammen verordnet wird Clotrimazol beispielsweise mit Betamethason.

Cave:

Vertragsärzte sind zur isolierten Verordnung von Rezepturen verpflichtet. Das heißt, dass pro Rezept nur eine Rezeptur verordnet werden darf. Entschließt sich die Apotheke nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt zur Herstellung von zwei Rezepturen, so muss dieser zwei neue Rezepte ausstellen. Gemäß Ziffer 11 Satz 2 der von den Vertragsärzten einzuhaltenden Erläuterungen zur Vereinbarung über Vordrucke für die vertragsärztliche Versorgung für das Muster 16 ist bei Verordnungen in Form von Rezepturen pro Rezeptur ein Verordnungsblatt zu verwenden. Der Patient sollte bei der Abgabe darüber aufgeklärt werden, dass er zwei Tuben oder Kruken mit nach Hause bekommt, die er mitunter unterschiedlich lange anwenden soll. Das ursprüngliche Rezept ist zu vernichten. Wird bei der Abholung eine Zuzahlung von 5 Euro oder mehr fällig, so sollte der Patient im Vorhinein über diesen, nun doppelt zu begleichenden Betrag, informiert werden.

Clotrimazol – Betamethasonvalerat – Basiscreme

Bei der Kombination von Clotrimazol mit Betamethasonvalerat besteht in wasserhaltigen Zubereitungen ein Problem bezüglich der Stabilität des Gluccocorticoids. Betamethason hat sein Wirkoptimum im schwach sauren Milieu, Clotrimazol im neutralen bis basischen Bereich. Durch den Zusatz von Natriumedetat kann ein pH-Wert zwischen 4 und 6 erzielt werden – dieser gilt als Kompromiss bezogen auf die Stabilität zwischen Clotrimazol und Betamethason. Mit zusätzlicher Pufferung ist die Haltbarkeit in Kombination mit Basiscreme auf maximal vier Wochen zu begrenzen. Ohne Pufferung zersetzt sich das Kortison, näherer Untersuchungen hierzu fehlen.

Clotrimazol – Betamethasonvalerat – Zinkoxidschüttelmixtur

Bei dieser Kombination stellt die Grundlage das Problem dar. Die Stabilität von Glucocorticoiden in zinkoxidhaltigen Zubereitungen ist begrenzt. In der wasserhaltigen Grundlage ist mit einer hohen Instabilität des zersetzungsempfindlichen Betamethasonvalerat zu rechnen. Ein Austausch gegen ein stabileres Externsteroid wie Triamcinolonacetonid ist in wasserhaltigen Zinkgrundlagen fragwürdig. Besser ist es, die Grundlage auszutauschen oder zwei getrennte Rezepturen herzustellen.

Clotrimazol – Betamethasonvalerat – Salicylsäure – anionische hydrophile Creme

Hier kann eine Herstellung auch mit sehr beschränkter Haltbarkeit nicht erfolgen. Zum einen hat die Creme durch die enthaltene Salicylsäure einen pH-Wert von etwa 2,5 – solch ein saurer Bereich gilt für Zubereitungen mit Clotrimazol als inkompatibel. Darüber hinaus kann es zur Salzbildung zwischen den entstehenden Clotrimazol-Kationen und dem anionischen Emulgator kommen – mit der Zeit führt diese Wechselwirkung zum Brechen der Emulsion. Die wasserhaltige hydrophile Salbe DAB muss durch eine nichtionische Grundlage ausgetauscht werden. Nach Untersuchungen des Zentrallaboratoriums kann eine Rezeptur mit Salicylsäure und Clotrimazol in nichtionischer hydrophiler Creme bei Raumtemperatur eine Woche haltbar gemacht werden. Die zusätzliche Einarbeitung des Kortisons senkt den pH-Wert zusätzlich, sodass eine getrennte Herstellung mit verlängerter Aufbrauchfrist empfehlenswert ist. Die getrennte Herstellung bietet einen weiteren Vorteil: Das Antimykotikum kann als Monorezeptur auch noch dann angewendet werden, wenn die Keratolyse nicht mehr notwendig und die Entzündung abgeheilt ist.

Clotrimazol – Betamethasonvalerat – Erythromycin – anionische hydrophile Creme

Hier sind gleich mehrere Faktoren problematisch. Erythromycin gilt als Mimose unter den Rezeptursubstanzen bezogen auf den pH-Wert. Liegt die Rezeptur außerhalb des rezeptierbaren Bereichs, so zersetzt sich das Antibiotikum relativ schnell – mitunter ist nach 48 Stunden kaum noch Wirkstoff vorhanden. Zwei Substanzen innerhalb dieser Zusammensetzung passen nicht zum Makrolid. Zum einen hat Betamethason sein Wirkoptimum im Sauren, zum anderen ist die Grundlage mit Sorbinsäure konserviert. Eine einfache Herstellung ist somit nicht möglich. In Abhängigkeit von der Erythromycin-Konzentration resultiert ein pH-Wert, der entweder die Wirkstoffzersetzung beschleunigt oder die Konservierung beeinträchtigt. Eine Haltbarkeit länger als eine Woche ist nicht möglich. Das NRF empfiehlt für Erythromycin-haltige Rezepturen eine verdünnte Basiscreme als Grundlage. Die getrennte Herstellung zweier Rezepturen ist zu bevorzugen. Beharrt der Hautarzt auf einer Kombination der Wirkstoffe, so sollte über einen Austausch des Kortisons gesprochen werden. Zu den stabileren Vertretern gehört Triamcinolonacetonid.