Repetitorium Blutgerinnung

Vorsicht bei ASS und Vitamin E APOTHEKE ADHOC, 07.08.2017 13:38 Uhr

Berlin -

Nahrungsergänzungsmittel und Vitamin-Präparate stehen bei vielen Patienten hoch im Kurs, auch wenn der Einsatz der Supplemente umstritten ist. Sicher ist jedoch, dass die Gesundheit aus dem Blister auch Gefahren bergen kann – bei der Einnahme sollte auf Wechselwirkungen mit Dauermedikationen geachtet werden. Vorsicht ist beispielsweise bei Acetylsalicylsäure (ASS) zur Blutgerinnungshemmung und Vitamin E geboten.

Fall: Ein älterer Kunde hat in einer Zeitung gelesen, dass Vitamin E die Zellen schützen soll und so Entzündungen gemindert werden können. Er leide unter Gelenkbeschwerden und hoffe durch die Einnahme auf Besserung, so könne er auf klassische Schmerzmittel verzichten. Im Gespräch mit der PTA gibt der Kunde an, niedrig dosiertes ASS einzunehmen.

Analyse: Vitamin E kann die Wirkung von Arzneimitteln, die zur Blutgerinnungshemmung eingesetzt werden, verstärken und so das Blutungsrisiko erhöhen. Dies gilt sowohl für Thrombozytenaggregationshemmer als auch für Antikoagulantien.

ASS zählt zur Gruppe der nicht-steroidalen-Antirheumatika (NSAR) und hemmt die Cyclooxygenase-1 (COX-1). In der Dosierung zu 100 mg wird das Arzneimittel zur Standardtherapie von instabiler Angina pectoris oder akutem Myokardinfarkt eingesetzt. Außerdem können ASS-Präparate ebenfalls zur Reinfarktprophylaxe oder nach arteriellen gefäßchirurgischen Eingriffen eingesetzt werden. Patienten nehmen die Tabletten einmal täglich nach einer Mahlzeit ein, sofern diese nicht magensaftresistent überzogen sind.



In der niedrigen Dosierung hemmt ASS irreversibel die Thrombozytenaggregation. Ursache ist eine Acetylierung der Cyclooxygenase und die daraus resultierende Hemmung von Thromboxan-A2 in den Blutzellen. In höheren Dosierungen überwiegt die schmerzstillende Wirkung des Arzneistoffes.

Vitamin E zählt zu den fettlöslichen Vitaminen und steht als Oberbegriff für eine Gruppe verschiedener natürlich vorkommender Verbindungen. Die wichtigste Form für den menschlichen Körper ist alpha-Tocopherol. Die von der Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Werte liegen für Frauen bei einer Tagesdosis von 12 Milligramm und für Männer bei bis zu 15 Milligramm. Zu beachten sein, dass natürliches Vitamin E besser vom Körper aufgenommen werden kann, als synthetisches. Reich an der Substanz sind Weizenkeim-, Raps- und Sonnenblumenöl.

Der Substanz werden antioxidative Eigenschaften zugesprochen. Vitamin E kann als Radikalfänger die ungesättigten Fettsäuren in den Zellmembranen vor dem Angriff aggressiver Sauerstoffverbindungen schützen. Zudem kann die Verbindung Entzündungsprozesse positiv beeinflussen. Die antithrombotische Wirkung kann auf die Hemmung von COX zurückgeführt werden, was die Hemmung von Thromboxan-A2 zur Folge hat.



Kommunikation: Der Kunde sollte vor der Einnahme von Vitamin E mit seinem Arzt Rücksprache halten. Auch wenn die Tragweite der Blutgerinnungshemmung durch Vitamin E noch diskutiert wird, ist Vorsicht geboten. Vermutet wird ein additiver Effekt und somit ein erhöhtes Blutungsrisiko bei einer täglichen Dosis von 800 I.E. Vitamin E.

Therapie: Vorsichtshalber sollte eine Kombination von ASS und Vitamin E überwacht werden. Auch Überdosierungen durch Nahrungsergänzungmittel sind zu vermeiden. Betroffene können über vorübergehende Verdauungsstörungen mit Übelkeit, Blähungen und Durchfall klagen. Aber auch Kopfschmerzen sind möglich.

Vorsicht ist ebenfalls bei der Kombination von Antikoagulatien und der Einnahme von Omega-3-Fettsäuren angezeigt. EPA und DHA können ab einer Dosierung von etwa einem Gramm pro Tag die Wirkung von Warfarin und Phenprocoumon verstärken und so die Blutungsneigung erhöhen.

Dem Kunden kann ein Umstellung der Ernährung und Bewegung in Form von Aquafitness empfohlen werden. Die DGE legt Betroffenen von Gelenkbeschwerden ans Herz, maximal zwei Fleisch- oder Wurstmahlzeiten in einer Woche zu sich zu nehmen. Zudem sollten tierische Fette vermieden werden. Der Grund: Nahrungsmittel, die reich an Arachidonsäure sind, können Entzündungen fördern und so die Beschwerden verstärken.