Gewinn auf beiden Seiten

PTA-Patenschaft: „Praktikum ohne Schock“ 13.08.2026 08:58 Uhr

Berlin - 

Die zweijährige schulische Ausbildung zur PTA bietet angehenden Fachkräften viel Theorie, aber meist kein eigenes Gehalt. Dass sich Lernen und Geldverdienen dennoch perfekt verbinden lassen, beweist das Projekt „PTA-Patenschaft“ am Beispiel von Aya Schubert. Durch ihren Nebenjob in der Medicum-Apotheke in Detmold, sammelte die Schülerin wertvolle Praxiserfahrung und schaffte so eine Win-Win-Situation für sich selbst und das gesamte Apothekenteam.

Schulbank drücken, lernen und danach auch noch arbeiten gehen? Was anstrengend klingt war für Schubert genau das Gegenteil: Eine enorme Erleichterung und ein echter Motivationsschub während ihrer Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA).

Die angehende Fachkraft hat im August 2026 den zweijährigen schulischen Teil ihrer Ausbildung an der Berufsfachschule für PTA in Paderborn erfolgreich abgeschlossen. Nun absolviert sie ihr Praktikum in der Apotheke. Der Ort ist ihr längst vertraut: Genau dort hat sie während der vergangenen zwei Jahre bereits neun Stunden pro Woche gearbeitet. Möglich machte dies das Projekt „PTA-Patenschaft“, von dem am Ende alle Beteiligten profitieren – Schüler, Praxisteam und Inhaber.

„Warum in Kneipe arbeiten?“

Anders als bei einer klassischen dualen Ausbildung lernen angehende PTA in den ersten beiden Jahren ausschließlich an einer Berufsfachschule und erhalten in dieser Zeit keine Ausbildungsvergütung. Um diesen finanziellen Nachteil abzufedern, wurde das Projekt „PTA-Patenschaft“ ins Leben gerufen, ursprünglich vom Landesapothekerverband Baden-Württemberg initiiert; der Apothekerverband Westfalen-Lippe ist seit Herbst 2025 dabei.

Das Prinzip: Schülerinnen und Schüler arbeiten bereits während der Schulzeit einige Stunden pro Monat in einer festen Patenschaftsapotheke mit. Sie verdienen Geld, sammeln praktische Berufserfahrung und knüpfen wertvolle Kontakte. Christian Schmidt, Inhaber der Medicum-Apotheke, Vorsitzender der Bezirksgruppe Lippe im AVWL und Vorstandsmitglied im Trägerverein der Paderborner Schule, bringt die Grundidee auf den Punkt: „Warum aber sollen sie im Supermarkt oder der Kneipe arbeiten, wenn sie doch in der Apotheke Berufserfahrung sammeln und ihr Wissen vertiefen können?“

Gegen Fachkräftemangel

Für Apothekenleitungen ist das Modell ein wirksames Werkzeug gegen den drohenden Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Durch die Patenschaft gelingt es, Auszubildende frühzeitig fachlich wie finanziell zu unterstützen und langfristig an den eigenen Betrieb zu binden.

Die Sorge, durch einen Nebenjob den Anschluss in der Schule zu verlieren, kann Schubert vollkommen entkräften. So habe der Apothekenalltag ihr manch zähe Lehrbuchstunde erspart. Ob Arzneimittelkunde, Herstellung im Labor oder Apotheken-EDV – das Wissen griff laut der Schülerin direkt ineinander.

Schubert übernahm Aufgaben in der Warenwirtschaft: Sie füllte Regale auf, bestückte den Lagerautomaten, ordnete Nachbestellungen und pflegte Inventurlisten. „Vieles von dem, was in der Schule drankam, hatte ich zuvor schon hier in der Apotheke kennengelernt. So hatte ich all die Medikamente, die wir in der Schule in Arzneimittelkunde durchgenommen haben, vor Augen.“

Lernen Hand in Hand

Dank der engen Abstimmung im Betrieb verlief das Lernen Hand in Hand mit dem Lehrplan der Berufsfachschule. Christian Schmidt erklärt, wie das Team die Schülerin unterstützt hat: „Wir haben immer geguckt, welche Themen gerade im Unterricht anstehen, um dann hier in der Apotheke passende Aufgaben zu suchen.“

Schubert assistierte unter anderem bei der Salbenherstellung im Labor. Einmal pro Woche nahm sich das Team Zeit, um den aktuellen Schulstoff gemeinsam durchzusprechen. Vor den Klausuren standen ihr die Kolleginnen und Kollegen jederzeit als Telefon-Joker für offene Fragen zur Seite, eine Win-Win-Situation für das gesamte Apothekenteam.

Voller Erfolg

Auch aus Sicht des Apothekeninhabers ist das Modell ein voller Erfolg, selbst wenn es zu Beginn eine Investition an Einarbeitungszeit bedeutet. „Eine Patenschülerin ist eine Entlastung und Unterstützung für das Team. Aber natürlich auch eine Verantwortung und manchmal ein bisschen Aufwand. Doch der zahlt sich aus, denn nun haben wir eine Praktikantin und demnächst eine Mitarbeiterin, die wir nicht mehr lange einarbeiten müssen, die das Team sehr gut kennt und die hervorragend qualifiziert ist.“

Dazu kommt ein frischer Blick von außen, der bestehende Routinen auf den Prüfstand stellt: „Egal ob Patenschüler, Praktikant oder Pharmazeut im Praktikum: Berufsanfänger stellen Fragen und hinterfragen vieles, gerade unsere organisatorischen Abläufe hier in der Apotheke. Das ist für den Betrieb sehr bereichernd.“

Statt Praxisschock

Der Kontakt zu Menschen steht im PTA-Beruf an erster Stelle. Durch das Annehmen von Kundenanfragen am Telefon lernte Schubert schnell die Hemmungen im Umgang mit Kunden abzubauen. Die Rückmeldung und Dankbarkeit der Menschen bestärkten sie frühzeitig in ihrer Berufswahl.

Am Ende der Schulzeit erlebte sie daher keinen traumatischen „Praxisschock“, sondern ging hochmotiviert in den praktischen Ausbildungsabschnitt. Das Fazit von Schubert und Schmidt fällt eindeutig aus: Die PTA-Patenschaft schlage eine ideale Brücke zwischen Theorie und Praxis – und macht sich für beide Seiten mehr als bezahlt.