Bedenkliche Ausgangsstoffe Teil 4

Obsolete Rezeptursubstanzen: Oleum pedum tauri Alexandra Negt, 13.06.2020 10:00 Uhr

  • Auch bei den Grundlagen wurden in den letzten Jahren einige Substanzen als Monographie gestrichen – so auch Oleum pedum tauri. Foto: Sebastian Weimar

Berlin - Das auch unter dem Namen „Uhrmacheröl“ bekannte Fett Oleum pedum tauri wurde früher in einigen Rezepturen verarbeitet. Das Öl wurde für Dermatika genutzt – die guten Schmiereigenschaften wurden für die Grundlagenherstellung genutzt. Klauenfett wird durch Auskochen der Unterbeinknochen von Hausrindern gewonnen. Heute findet der Stoff nur noch in der Industrie Anwendung. Cremes mit Oleum pedum tari dienen der Lederpflege von Polstermöbeln & Co. – die Verarbeitung in der Rezeptur sollte nicht mehr erfolgen.

Rinderfußöl wird aus den Unterschenkelknochen und den Fettpolstern der Klauen des Hausrindes gewonnen. Durch Auskochen in Wasser lagert sich das Fett an der Oberfläche an und kann abgeschöpft werden. Die gewonnene Substanz ist weiß und dickflüssig und riecht neutral. In der Pharmazie wurde Rinderklauenöl als Salbengrundlage genutzt, da es aufgrund der zahlreich enthaltenen Fettsäuren gute Pflegeeigenschaften aufwies. Sehr reines Klauenöl wurde zum Schmieren von Feinmechanik benutzt. Vor allem von Uhrmachern wurde die Substanz häufig benutzt. Weniger reine Varianten wurden als Grundlage für Haaröl, zur Lederherstellung und -pflege, als Schmierfett für Eisen und Stahl und zur Herstellung von Seifen genutzt.

Enthalten sind bis zu 75 Prozent Öl Und 17 Prozent Palmitinsäure. Weitere Bestandteile sind Myristin-, Stearin-, Linolen- und Arachinsäure. Palmitinsäure ist ein Bestandteil des Säureschutzmantels der Haut. Die Säure schützt die Haut vor äußeren Einflüssen und pflegt reife Haut. Arachinsäure ist eine gesättigte Fettsäure. Für den Menschen ist sie nicht essentiell. Als Bestandteil von Phospho- oder Sphingolipiden wirkt die Säure hautpflegend und glättend. Bei der Linolensäure handelt es sich um eine dreifach ungesättigte Fettsäure, die im Körper entzündungshemmend wirkt.

Unguentum zinci lexer

Diese zinkhaltige Grundlage enthält Klauenöl. Da die DAC-Monographie von raffiniertem Rinderfußöl 2005 gestrichen wurde, kann eine alternative Herstellung mit Avocadoöl erfolgen. Die Monographie wurde gestrichen, da es Probleme mit einer sinnvollen Spezifikation und der Qualität gab. Die ursprüngliche Zusammensetzung der Grundlage für 100 g war: Zinkoxid 10 g, gereinigtes Wasser 10 g, Wollwachsalkoholsalbe SR 30 g, raffiniertes Rinderfußöl 25 g und gelbes Vaselin 25 g.

Unguentum novum

Diese Grundlage bestand zu gleichen Teilen aus Rinderfußöl und Wollwachs. Aufgrund dessen, dass die Grundlage wasserfrei war, zeichnete sie sich durch eine lange Haltbarkeit nach Anbruch aus. Die Beschaffenheit war sehr angenehm auf der Haut. Es konnten viele Wirkstoffe in die Grundlage eingearbeitet werden, dennoch wird die Salbengrundlage heutzutage nicht mehr angewendet.

Generell gilt Wollwachs als ein Stoff, der potenziell Allergien auslösen kann. Rezepturen für Patienten mit sensibler Haut sollten, wenn möglich, keinen Adeps Lanae enthalten.

Verwendung in der Lederpflege

Auch heute wird Klauenfett noch zur Pflege von Leder eingesetzt. Es kann zur Wiederaufarbeitung alter Ledergegenstände nach langen Aufbewahrungsphasen und Nutzungspausen dienen. Es kann auch präventiv aufgetragen werden: Da das Leder geschmeidiger wird, wird ein Austrocknen des Materials verhindert. Meist enthalten diese Pflegemittel eine Kombination aus verschiedenen Fetten und Mineralölen, die schnell in Polstermöbel & Co. einziehen können.