Zeckenjahr 2020

Impfung gegen FSME sinnvoll Alexandra Negt, 29.06.2020 14:23 Uhr

  • Ein Blick in den Impfpass lohnt sich auch bei Urlaub in Deutschland: FSME wird hierzulande von Zecken übertragen. Foto: Steven Ellingson/shutterstock.com
Berlin -

Auch für den Urlaub in Deutschland lohnt sich der Blick in den Impfpass. Insbesondere Aktivurlauber sollten vor Reiseantritt ihren FSME-Impfstatus überprüfen lassen. Seit einigen Jahren gilt nicht mehr nur der Schwarzwald als Risikogebiet – Zecken breiten sich in immer mehr Regionen Deutschlands aus. Gleiches gilt auch für viele Nachbarländer. Der milde Winter und die trockenen Frühlingsmonate haben dazu geführt, dass nur wenige der Parasiten verstorben sind. Ein ausreichender Impfschutz lässt sich binnen 14 Tagen erreichen.

Das Thema Impfen rückt aufgrund der Corona-Pandemie neu in den Fokus. Dennoch scheint die deutsche Bevölkerung nicht ausreichend über das Thema informiert – das konnte beispielsweise der Stada Health Report zeigen. Zwar begrüßten über 80 Prozent der Bundesbürger eine Impfpflicht, doch wissen viele nicht, wogegen man sich überhaupt impfen lassen kann. Mit Blick auf die startende Urlaubssaison rückt das Thema auch in der Offizin wieder in den Fokus. Obwohl viele Menschen in diesem Jahr ihren Urlaub in Deutschland verbringen, sollten Apotheker und PTA auf die Bedeutung eines ausreichenden Impfschutztes hinweisen. Neben Tetanus ist auch eine Impfung gegen FSME empfehlenswert – gerade, wenn es zum Wandern und Radfahren in die Berge geht.

„Milde Winter- und Frühjahrstemperaturen haben die Gefahr von Zeckenbissen in diesem Sommer merklich erhöht“, so informiert die Abda über das Thema Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Neben dem Schwarzwald in Baden- Württemberg gelten mittlerweile auch Teile von Thüringen, Bayern und Hessen als Risikogebiet für die Infektionskrankheit. „Jede Impfung zählt, egal ob gegen FSME, Masern oder Tetanus“, sagt Mathias Arnold, Apotheker aus Halle an der Saale und Vizepräsident der Abda. „Wer sich gegen Infektionskrankheiten impfen lässt, schützt sich selbst und bei von Mensch zu Mensch übertragbaren Krankheiten auch seine Familie und letztlich die gesamte Bevölkerung vor Infektionen. Gerade während der Corona-Pandemie wird uns nur allzu bewusst vor Augen geführt, wie gut es ist, bewährte und erprobte Impfstoffe gegen gefährliche Erreger zu haben. Unser Ziel muss es sein, eine dauerhaft hohe Impfquote bei allen Ziel- und Altersgruppen zu erreichen. Die Apotheken stehen als Partner für Informationen zum Impfen bereit – natürlich auch telefonisch,“ plädiert Arnold.

FSME-Impfbereitschaft nimmt zu

Die Impfbereitschaft bei FSME nimmt zu: 2017 wurden 3,4 Millionen Impfdosen über öffentliche Apotheken abgegeben, 2018 stieg die Zahl auf 4,1 Millionen, das entspricht einer Steigerung um fast 20 Prozent. Im vergangenen Jahr stiegen die Abgabezahlen erneut um 20 Prozent auf insgesamt 4,9 Millionen Impfdosen. Diese Daten hat das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut (DAPI) auf Basis der Abrechnungen der Krankenkassen berechnet. Die Gesamtausgaben für Impfungen stiegen für die Krankenkassen demnach um 16,4 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

Wenn nötig: Impfschutz innerhalb von 14 Tagen möglich

Um sich auch kurz vor dem Sommerurlaub schützen zu können, sollte im Gespräch mit dem Arzt direkt der zweite Termin zur Impfung vereinbart werden. Ein Schnellschutz kann durch zwei Injektionen im Abstand von zwei Wochen aufgebaut werden. Der Impfschutz sollte, je nach Lebensalter, alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt werden. Generell sollte eine Impfung besser im Winter mit ausreichend Abstand zum Sommerurlaub erfolgen: Nötig sind – außerhalb des Schnellschutzes – drei Impftermine. Nach dem klassischen RKI-Impfschema findet die zweite Impfung ein bis drei Monate nach der ersten statt. Die dritte Impfung ist dann – je nach Impfstoff – fünf bis zwölf oder neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung fällig.

Neue Empfehlungen

Neue Erkenntnisse und Empfehlungen im Bereich FSME führten Anfang des Jahres zu einer vollständigen Überarbeitung der zugehörigen S1-Leitlinie durch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Bisher war bekannt, dass die FSME vor allem durch Zecken übertragen wird – und zwar solche, die mit einem bestimmten Virus befallen sind. Dieses gelangt beim Biss der Zecke mit dem Speichel in die Blutbahn des Menschen. Im Körper breitet sich das Virus aus und kann zum Ausbruch von FSME führen. Nicht jeder Biss führt jedoch zu einer Infektion. In der neuen Leitlinie wird darauf hingewiesen, dass auch andere Wirtstiere für die Viren infrage kommen: Kleintiernager wie Mäuse, aber auch Ziegen, Schafe und Rinder können als Wirt dienen. In seltenen Fällen kann es daher durch verunreinigte, nicht pasteurisierte Milch von Ziegen, Schafen oder Kühen zur Ansteckung kommen. Außerdem können die FSME-Erreger durch eine Organtransplantation von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Die FSME kann nicht medikamentös behandelt werden – daher wird die Schutzimpfung empfohlen, um sich vor einer Infektion zu schützen. Mittlerweile wird empfohlen, die Immunisierung bereits im Winter zu beginnen, damit die Grundimmunisierung bis zum Zeitpunkt des größten Infektionsrisikos abgeschlossen ist. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten der Impfung – vor allem in den Risikogebieten. Seitens der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt es keine konkrete Empfehlung, ab welchem Alter Kleinkinder gegen FSME geimpft werden sollen. Die DGE empfiehlt jedoch, alle Personen nach Vollendung des ersten Lebensjahrs und vor Aufenthalt in Risikogebieten zu impfen.