LABOR-Debatte #16

Globuli: Wie oft einnehmen? APOTHEKE ADHOC, 19.02.2018 14:18 Uhr

Dosierungsempfehlungen bei Homöopathika: Welche Quellen können genutzt werden? Foto: Günther Richter / pixelio.de
Berlin - 

Bei homöopathischen Arzneimitteln fehlt die Angabe einer therapeutischen Indikation und oft auch die der Dosierung. Im LABOR haben wir gefragt, welche Quellen zur Beratung und Dosierempfehlungen genutzt werden und ob man Alternativmedizin überhaupt empfehlen sollte.

Für den einen ist Homöopathie Hokuspokus, für andere Medizin. Ob die Anwendung wissenschaftlich fundiert ist, sei dahingestellt. Im Berufsalltag haben sowohl Freunde als auch Feinde der Alternativmedizin trotzdem mit Globuli und dergleichen zu tun, denn Kunden verlangen apothekenpflichtige Kügelchen – und damit geht auch Beratung einher. Die Gebrauchsinformationen geben meistens auch nicht viel Auskunft. Wie findet man die empfohlene Dosierung heraus?

Diskutierende aus dem LABOR sagen:

„Nach viel Sucherei bin ich bei den Werken von Norbert Enders gelandet. Bewährte Anwendung der homöopathischen Arznei, Band eins und zwei.“

„In meiner alten Apotheke reichte das kleine Schüßler-Kompendium, ansonsten wussten die Patienten oft besser Bescheid. Die neue Apotheke hat einen Schwerpunkt auf Homöopathie, da hilft oft nur Kollegen fragen.“

„Wir haben eine gute Kundin/Bekannte, die Homöopathin ist. Sie ist Holländerin und in Holland ist das ein Studium. Die fragen wir im Notfall. Leider versteht der Kunde an sich nicht, dass wir das nicht gelernt haben und es eine Wissenschaft für sich ist. Dann kommt noch Dr. Google dazu.“

„Ich habe eine sehr gute Fortbildung zur Fachberaterin Homöopathie (IHK) gemacht. War wirklich interessant und auch aufschlussreich. Die Zusammenhänge in der Homöopathie werden einem klarer.“

„Wir haben Radaropus. Ein Computerprogramm, in das man die Symptome eingibt und die dann die Optionen und Dilutionen ausspuckt.“

Aber auch kritische Stimmen waren zu hören:

„Ich empfehle keine Homöopathika. In keinem Fall. Wenn ein Kunde sie selbst verlangt, dann kann er sie haben, aber ich glaube da einfach nicht dran.“

„Das ist ja wohl völliger Hokuspokus.“

Homöopathika können vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen werden; dabei werden die Erfahrungen der homöopathischen beziehungsweise anthroposophischen Therapierichtung berücksichtigt. Die beanspruchte Indikation wird anhand von Literaturangaben zu den therapeutischen Ergebnissen abgeleitet.

Weil sich die Wirksamkeit – trotz des vereinfachten Verfahrens – mitunter nicht belegen lässt, gibt es zusätzlich die Möglichkeit, homöopathische Produkte registrieren zu lassen. Voraussetzung ist ein Verdünnungsgrad von mindestens 1:10.000 (D4/C2) und ein Sicherheitsabstand von 1:100 zu einer möglicherweise verschreibungspflichtigen Konzentration. Bei der Registrierung muss der Hersteller lediglich Qualität und Unbedenklichkeit nachweisen. Eine Indikation haben solche Produkte nicht.

Patienten wissen häufig nicht, dass detailliertes Wissen zu Alternativmedizin in der Ausbildung der jeweiligen Apothekenberufe nicht vorgesehen ist. Im Berufsalltag ist es daher hilfreich, Quellen für Dosierungshinweise zu haben.

Inzwischen bieten Softwarehersteller auch Zusatzprogramme wie Homöopathie-Beratung an. Beispielsweise können bei Pharmatechnik Krankheitsbilder und einzelne Symptome durchsucht werden, auch sind Dosierungshinweise hinterlegt. Die „homöopathische Software“ Radaropus ist dagegen auf Homöopathie spezialisiert und bietet Lösungen für Windows und Mac OSX.

Zudem gibt es bei diesem Anbieter eine Bücherliste. Diejenigen, die auf Papier stehen, können darauf zurückgreifen. Aus der Apotheke bekannte Standardwerke bieten auch Orientierung, beispielsweise bietet die Deutsche Homöopathie Union (DHU) das Homöopathische Repetitorium an.