Virusinfektionen

Fünf Tipps gegen Lippenherpes APOTHEKE ADHOC, 05.07.2017 15:08 Uhr

Berlin - 

Es kribbelt, spannt und juckt, wenig später sind kleine Bläschen sichtbar – kaum sind die ersten Vorboten da, ist der Lippenherpes schon in vollem Gange. Die Betroffenen suchen schnelle Hilfe in der Apotheke; wird der Herpes labialis nicht behandelt, kann die Abheilung bis zu zehn Tagen andauern. Meist tritt ein Herpes auf, wenn man ihn am wenigsten gebrauchen kann – beim ersten Date, einer Familienfeier oder einem Vorstellungsgespräch. Erste Hilfe mit fünf Tipps gegen Fieberbläschen.

Tipp 1: Auslöser vermeiden
Die Erstinfektion mit Herpes-simplex-Viren Typ 1 (HSV1) verläuft oft unbemerkt und findet bereits im Kindesalter statt. Wer sich mit HSV1 infiziert hat, bleibt lebenslang Träger des Virus, denn es nistet sich in die Nervenzellen des Rückenmarks ein und schlummert dort, bis es irgendwann reaktiviert wird. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind Träger des Virus, jedoch bricht er nur bei etwa 20 bis 40 Prozent im Laufe des Lebens aus.

Die Auslöser können unterschiedlicher Art sein, in vielen Fällen ist der Ausbruch auf eine Störung der Immunabwehr zurückzuführen. Treten beispielsweise Fieber oder eine Infektionskrankheit auf, kann das Immunsystem das Virus nicht mehr in Schach halten. Auch Sonneneinstrahlung kann die Immunzellen der Haut in ihrer Funktion stören, daher sollte auch auf die Lippen ein Sonnenschutz aufgetragen werden. Weitere typische Auslöser können psychische Belastungen wie Stress oder Ekel sowie eine Hormonumstellung sein.

Tipp 2: Küssen verboten!
Herpes kann durch Tröpfcheninfektion über den Speichel durch Husten, Niesen oder Sprechen übertragen werden. Möglich ist auch eine Infizierung durch das gemeinsame Benutzen von Gläsern, Besteck oder Lippenstiften per Schmierinfektion, daher sollten die Betroffenen Flaschen oder Gläser nicht weitergeben, aus denen sie bereits getrunken haben. Ein direkter Kontakt durch Berührung oder Küssen kann die Viren ebenfalls übertragen. Vorsicht ist auch bei Handtüchern und Waschlappen geboten, die weiter benutzt werden.

Tipp 3: Cremen oder Kleben
Beim ersten Kribbeln sollte bereits mit der Behandlung begonnen werden, denn die Virusvermehrung findet hauptsächlich in den ersten 48 Stunden nach dem Ausbruch statt. Sind die Bläschen bereits aufgeplatzt, ist es meist zu spät für die antiviralen Wirkstoffe. Aciclovir wird fünfmal täglich im Abstand von vier Stunden aufgetragen. Der Arzneistoff wird von der Virus-DNA-Polymerase in die Virus-DNA eingebaut – es kommt zum Kettenabbruch. Neben dem Original Zovirax (GSK) sind Generika im Handel.

Penciclovir wird im Abstand von zwei Stunden und mindestens sechsmal täglich aufgetragen. Der Wirkstoff soll auch noch in der Papel- und Bläschenphase wirksam sein und die Replikation der Virus-DNA hemmen. Die Virusvermehrung wird gestoppt, der Heilungsprozess vorangetrieben und Schmerzen vermindert. Die Cremes sollten auch auf die umliegenden Hautstellen aufgetragen werden. Pencivir (Omega) ist als getönte und ungetönte Creme im Handel.

Muxan (Docosanol, Engelhard) kann ebenfalls bei den ersten Anzeichen wie Kribbeln, Schmerzen oder Rötung fünfmal täglich aufgetragen werden. Die Anwendungsdauer ist auf maximal zehn Tage beschränkt. Der genaue Wirkmechanismus ist bislang noch nicht bekannt. Der langkettige gesättigte Alkohol ist ebenso wie sein Hauptmetabolit Docosansäure Bestandteil menschlicher Zellmembranen. In vitro konnte Docosanol eine Fusion zwischen lipidumhüllten Viren wie den Herpesviren und der Plasmamembran zeigen. Somit können die Aufnahme des Virus in die Zellen und dessen Replikation verhindert werden.

Lipactin Gel (Zinksulfat/Heparin, Widmer) soll drei bis sechsmal täglich bereits beim ersten Kribbeln aufgetragen werden. Der Kühleffekt soll die Schmerzen lindern. Zinksulfat kann das Austrocknen der Bläschen unterstützen.

Der Lippenblütler Zitronenmelisse ist in Lomaherpan (Infectopharm) enthalten. Der Melissenextrakt soll die Hautszellen vor dem Eindringen der Viren geschützt werden und gleichzeitig unschädlich gemacht werden. Die Wirkung kann auf die enthaltene Rosmarinsäure zurückgeführt werden.

Eine Alternative zu Cremes sind sogenannte Herpes-Patches (Compeed, J&J). Die Hydrokolloid-Pflaster sind wirkstofffrei und decken den infizierten Bereich ab – somit werden Übertragung und Ausbreitung der Viren unterbunden. Das Pflaster nimmt zudem das Bläschensekret und sorgt für ein ideales feuchtes Wundheilungsmilieu. Die Wunde heilt schneller ab und die Krustenbildung ist vermindert. Das Patch haftet bis zu zwölf Stunden und kann überschminkt werden. Außerdem schützen die Pflaster auch vor äußeren Reizen, Schutz oder Bakterien.

Bei Lippenherpes kann auch das Medizinprodukt Herpotherm von Riemser eingesetzt werden. Es handelt sich um eine Art Stift mit einer keramischen Kontaktfläche an der ein kurzer konzentrierter Wärmeimplus von etwa 51 Grad erzeugt wird. Die Temperatur wird für etwa drei Sekunden aufrechterhalten – solange sollte auch Kontakt mit der betroffenen Körperstelle bestehen. Das physikalische Verfahren ist auch für Schwangere, Allergiker und Kinder geeignet.

Tipp 4: Nahrungsergänzung
Zur diätetischen Behandlung von Lippenherpes sind unterschiedliche Präparate im Handel, darunter die Lysin-haltigen Produkte von Weber & Weber (Lyranda) und Pro Medico. Die Aminosäure soll im Falle einer Herpesinfektion die Argininverwertung der Viren reduzieren und die Virusvermehrung stoppen. Lysin verdrängt Arginin im Körper, das ein wichtiger Nährstoff für das Virus ist und dessen Vermehrung begünstigt.

Lyranda enthält zusätzlich Selen, Vitamin B6, B12, C, D und Folsäure um das Immunsystem zu unterstützen. Zink und Vitamin B2 sollen die Wundheilung unterstützen. Die Tabletten werden dreimal täglich gekaut oder gelutscht, das entspricht der Akutdosierung von 3 g der Virusbremse Lysin.

Tipp 5: Hände weg und Zahnbürste wechseln!
Die Flüssigkeit in den Bläschen ist infektiös, sie sollten nicht aufgekratzt werden, um eine weitere Verteilung zu vermeiden. Hat sich bereits eine Kruste oder Schorf gebildet, darf ebenfalls nicht gekratzt werden. Pathogene Keime können dann in die Wunde eindringen und den Heilungsprozess hinauszögern. Zum Auftragen der Cremes eignen sich Wattestäbchen, diese können nach Gebrauch entsorgt werden. Wer dennoch die Arzneimittel mit den Fingern auftragen will, sollte vor und nach der Behandlung die Hände gut waschen und desinfizieren. Ist die Verkrustungsphase überstanden und das Bläschen abgeheilt, sollten die Betroffene die Zahnbürste wechseln.