„Wohnortnahe Apotheken schützen, bevor es zu spät ist“ 20.07.2026 15:23 Uhr
Mehr und mehr machen insbesondere ausländische Versender den hiesigen Vor-Ort-Apotheken Konkurrenz. Dabei umgehen sie nicht nur regelmäßig mit rechtswidrigen Boni das in Deutschland geltende Recht, sondern leisten auch keine wenig lukrativen Dienstleistungen wie Notdienste ab. Yasmine Keddo, Inhaberin der Hirsch-Apotheke in Oberhausen, hat genug und startet nun eine Petition für ein Rx-Versandverbot. „Bitte unterstützen Sie diese Petition. Denn wenn wir erst merken, wie wichtig unsere Apotheken sind, nachdem sie geschlossen haben, ist es zu spät“, appelliert die Apothekerin auf OpenPetition.
„Wir fordern die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag auf, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen (Rx-)Arzneimitteln aus dem Ausland nach Deutschland zu verbieten oder gesetzlich so zu regeln, dass für alle Apotheken gleiche Wettbewerbsbedingungen gelten“, schreibt Keddo auf der Plattform. Insgesamt 1147 Menschen haben die Petition seit dem Start am 15. Juli bisher unterzeichnet.
Vor-Ort-Apotheken seien unverzichtbarer Bestandteil des Gesundheitssystems. Sie sicherten die sofortige Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten, gewährleisteten den flächendeckenden Notdienst und würden Patientinnen und Patienten persönlich beraten.
„Während ausländische Versandapotheken von anderen gesetzlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen profitieren können, geraten immer mehr deutsche Apotheken wirtschaftlich unter Druck. Die Folge sind Apothekenschließungen – mit gravierenden Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung“, betont sie.
Verlust von Sicherheit
„Jeden Tag entscheiden wir mit unserem Einkauf darüber, welche Zukunft wir unserem Land ermöglichen“, erklärt Keddo weiter. Wenn verschreibungspflichtige Medikamente zunehmend bei Versandapotheken im Ausland bestellt würden, fließe ein Teil der Wertschöpfung ins Ausland – und das während immer mehr Apotheken in Deutschland um ihr Überleben kämpfen. „Mit jeder geschlossenen Apotheke verlieren wir ein Stück Sicherheit.“
Nacht- und Notdienst
„Stellen Sie sich vor, Ihr Kind bekommt mitten in der Nacht plötzlich 40 Grad Fieber. Oder Ihre Mutter leidet am Wochenende unter einer schweren Infektion. Vielleicht erleidet Ihr Partner um 3 Uhr morgens eine starke allergische Reaktion und benötigt sofort ein verschriebenes Medikament. In diesen Momenten hilft keine Versandapotheke. Kein Paketdienst kann innerhalb weniger Minuten lebenswichtige Arzneimittel liefern“, erklärt die Apothekerin.
Im Gegensatz zu den Versendern, seien die Bürgerinnen und Bürger auf die Notdienstapotheke vor Ort angewiesen. Nur dort können sie sofort ihre Medikamente, persönliche Beratung und schnelle Hilfe erhalten, unabhängig von Wetter, Feiertagen oder Uhrzeit.
Doch wenn immer mehr Apotheken schließen müssen, verschwinden auch immer mehr Notdienststandorte. Die Folge seien längere Wege, längere Wartezeiten und eine schlechtere Versorgung, besonders für ältere Menschen, Familien mit Kindern und Menschen im ländlichen Raum. „Eine Apotheke ist kein gewöhnliches Geschäft. Sie ist Teil unserer kritischen Gesundheitsversorgung“, betont sie.
Infrastruktur schützen
„Wir dürfen nicht zulassen, dass wirtschaftlicher Wettbewerb dazu führt, dass eine Infrastruktur verschwindet, auf die jeder von uns eines Tages angewiesen sein kann“, betont Keddo. Es geht dabei nicht nur um Apothekerinnen und Apotheker: „Es geht um unsere Eltern. Unsere Großeltern. Unsere Kinder. Und vielleicht schon morgen um uns selbst.“
Rund 200 Kommentare
Auch kommentiert wird fleißig auf der Plattform. Aktuell finden sich 201 Kommentare auf der Petitionsseite. „Ich will die Vor-Ort-Apotheke und deren Angestellte unterstützen“, schreibt ein Unterstützender. „Arzneimittel werden absolut verharmlost wenn man sie ohne Beratung auf Knopfdruck bestellen kann. Zudem stirbt damit auch die örtliche fachliche Beratung“, heißt es von einem weiteren.
Neben vielen Stimmen, die die Wichtigkeit der Vor-Ort-Versorgung und der qualifizierten Beratung hervorheben, gibt es auch Stimmen, die sich mehr Wertschätzung für den Berufsstand in der Debatte wünschen: „Ich wünsche mir mehr Wertschätzung für unseren Beruf und politische Rahmenbedingungen, die einen fairen Wettbewerb ermöglichen. Denn eine Apotheke ist kein gewöhnlicher Online-Shop – sie ist ein unverzichtbarer Teil unseres Gesundheitssystems.“