Wilke: Konfrontationstherapie gegen Hass 13.09.2026 10:23 Uhr
Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke setzt nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt auf mehr Meinungsaustausch als Mittel gegen eine Spaltung der Gesellschaft. „Wenn ich als Gesundheitsminister unserer Gesellschaft ein Rezept ausstellen könnte, dann wäre es Konfrontationstherapie“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Damit meine ich, dass immer da, wo ich erlebe, dass Dinge passieren, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinanderprallen, fast immer etwas Heilsames dabei rauskommt.“ Bei einer Konfrontationstherapie geht es um die Auseinandersetzung mit Ängsten.
Die AfD hatte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September mit 43,8 Prozent einen hohen Sieg eingefahren und konnte ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln. Die CDU stürzte um fast 20 Prozentpunkte ab, die SPD verbesserte sich leicht. Wilke warnt mit Blick auf die AfD vor einer zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft, wenn auf Angst vor Migranten und auf Russland-Nähe trotz des Ukraine-Kriegs gesetzt werde.
„Ein Riss geht durch die Gesellschaft“
Der SPD-Politiker hält mehr gegenseitige Offenheit für nötig. „Wir waren noch nie so sehr darauf erpicht, uns zurückzuziehen auf Gemeinschaften von Gleichgesinnten“, sagte Wilke. „Freundeskreise, Familien und so weiter orientieren sich heutzutage viel mehr danach, ob man die gleiche Auffassung hat als früher, während es eigentlich zur Normalität gehören muss, dass wir uns immer wieder einordnen.“ Algorithmen – automatisierte Formeln – in sozialen Medien erzeugten solche Blasen von Gleichgesonnenen.
„Ein Riss geht schon durch die Gesellschaft, aber er wird erzeugt“, sagte Wilke, der auch Minister für gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. „Ich glaube, er ist nicht von sich aus da, sondern er wird richtig geradezu gemacht.“ Er riet dazu, unabhängig von politischen Einstellungen und Herkünften für Begegnungen zu sorgen. „Auch ein bisschen unkonventionell, dass Dinge aufeinanderprallen können.“