„Wettbewerb? Gerne. Aber dann fair und rechtskonform“ 26.03.2026 13:24 Uhr
Gleich lange Spieße – so lautete das Versprechen der Regierung im Hinblick auf Versender und Vor-Ort-Apotheken. Daher sind innerhalb des Reformpakets nun schärfere Regeln vorgesehen – unter anderem eine strengere Temperaturkontrolle. Das würde einen ganzen etablierten Versorgungsweg abreißen, warnte Redcare-CEO Olaf Heinrich auf „Table.Briefings“. Und nicht nur das: Patientinnen und Patienten profitierten vom Wettbewerb. Eine Beschränkung des Versandhandels würde zwangsläufig zu höheren individuellen Arzneimittelkosten führen und verhindern, dass weitere Effizienzreserven im GKV-System gehoben werden. „Was hier als ‚Wettbewerb‘ verkauft wird, ist in Wahrheit ein Verdrängungswettbewerb auf Kosten von Recht, Qualität und Versorgungssicherheit“, kontert Apothekerin Dr. Schamim Eckert.
„Seit Jahren schreiben große Versandanbieter millionenschwere Verluste und finanzieren ihr Wachstum über aggressive Marktstrategien. Gleichzeitig geraten öffentliche Vor-Ort-Apotheken zunehmend unter Druck – bis hin zur Schließung. Das ist kein gesunder Wettbewerb, sondern ein strukturelles Ungleichgewicht“, kritisiert Eckert scharf.
Was es für einen fairen Wettbewerb brauche, seien vor allem gleiche Regeln. Zwar existierten diese grundsätzlich in Deutschland, doch im Arzneimittelbereich würden sich nicht alle Teilnehmer daran halten.
Während deutsche Apotheken strengen Vorgaben für die Arzneimittelsicherheit – wie Einhaltung der Kühlkette, Dokumentation, persönliche Verantwortung, Rezepturen, Hilfsmittel, Hochpreiser, Notdienste und so weiter – unterliegen, profitierten ausländische Versender von regulatorischen Schlupflöchern. „Gleichzeitig wird in der Prime Time massiv geworben – und die Aufsicht schaut weg“, so Eckert. Dadurch werde das gesamte System ausgehöhlt, das eigentlich auf Verlässlichkeit, Kontrolle und unmittelbarer Versorgung basiere.
Taugt dieses Modell wirklich?
Nun sei der Punkt erreicht, an dem klar gesagt werden müsse: Schlaraffenland vorbei. Den Wettbewerb mit den Versendern scheut Eckert nicht: „Wettbewerb? Gerne. Aber dann fair, rechtskonform und unter gleichen Bedingungen für alle.“
Die Verlustängste der Versender könne sie nicht nachvollziehen. Wenn das Geschäftsmodell nur funktioniert, solange Regeln umgangen und Verluste durch Wachstum kaschiert werden, dann müsse man sich fragen: „Taugt dieses Modell wirklich zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung – im Alltag und erst recht in Krisenzeiten? Wenn nicht, dann ist die Konsequenz klar: Auf Wiedersehen!“