„Wer bremst, organisiert das Apothekensterben“ 31.03.2026 15:00 Uhr
Gestern hat die Finanzkommission Gesundheit ihren Maßnahmenkatalog vorgestellt – wenig Begeisterung haben die Vorschläge indes bei der Apothekerschaft ausgelöst. Für Irritation hatte insbesondere die Empfehlung gesorgt, die im Koalitionsvertrag zugesicherte Fixumserhöhung auf mehrere Jahre zu strecken. „Wer jetzt noch bremst, organisiert das Apothekensterben politisch selbst – mit unmittelbaren Folgen für die wohnortnahe Arzneimittelversorgung und die pharmazeutische Betreuung der Patientinnen und Patienten“, kritisiert der Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbands (HAV), Holger Seyfarth.
Die Finanzkommission gebe Empfehlungen ab – entscheiden müsse aber schlussendlich die Politik. „Und politisch ist die Lage eindeutig: 9,50 Euro sind zugesagt. Wer daraus jetzt eine Mini-Anhebung ab 2027 und eine Streckung bis 2031 macht, hat den politischen Auftrag entweder nicht verstanden oder will ihn bewusst unterlaufen“, so Seyfarth.
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) habe die 9,50 Euro angekündigt und auch während der Pressekonferenz gestern erneut erklärt, man werde das Thema jetzt „sehr zeitnah“ angehen. „Dann erwarten wir jetzt Klarheit statt Ausweichen: Kommt die zugesagte Erhöhung kurzfristig und separat – oder soll sie im Sparpaket auf Jahre gestreckt werden? Alles andere wäre ein glasklarer Wortbruch gegenüber den Vor-Ort-Apotheken“, fragt Seyfarth.
Stillstand muss berücksichtigt werden
Auch aus Sachsen hagelt es Kritik: „Wer heute eine strikte Begrenzung künftiger Steigerungen an der Grundlohnrate fordert, ohne diesen über Jahre entstandenen Stillstand zu berücksichtigen, verkennt die Realität. Das ist keine faire Lastenverteilung, sondern die Fortschreibung einer bestehenden Schieflage“, so Thomas Dittrich, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes (SAV). Die Erhöhung des Packungsfixums auf 9,50 Euro müsse dringend umgesetzt werden, um die anhaltende Schließungswelle der Apotheken zu stoppen. „Eine sachgerechte Bewertung muss daher zwingend das Jahr 2013 als Ausgangspunkt nehmen, alles andere führt zu falschen Schlussfolgerungen.“
Erst wenn die wirtschaftliche Stabilität der Apotheken wieder gegeben ist, seien die Betriebe in der Lage, zusätzliche Leistungsangebote wie Präventionsleistungen, die Betreuung chronisch kranker Patienten oder Vereinfachungen in der Notfallversorgung machen zu können.
Keine „Trippelschritte“
„Wir sind entsetzt über die Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit, das Apothekenhonorar über Jahre hinweg schrittweise zu erhöhen und zugleich weitere Einsparungen bei den Apotheken vorzunehmen. Damit wird die prekäre wirtschaftliche Lage der Apotheken ebenso ignoriert wie die gravierenden Folgen des Apothekensterbens für die Gesundheitsversorgung“, kritisiert Dr. Mathias Grau, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands Niedersachsen.
„Trippelschritte helfen nicht. Ein Mehr von 10 Cent pro Rx-Packung im kommenden Jahr fängt nicht einmal ansatzweise die Kostensteigerungen des laufenden Jahres auf“, erklärte auch Tatjana Zambo, Präsidentin des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg.
Rückführung pDL-Topf trifft Patienten
Auch die geplante Rückführung nicht abgerufener Mittel für pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) sieht Zambo kritisch: „Hier wird Geld aus dem System gezogen, das eigentlich für die Weiterentwicklung der Versorgung vorgesehen ist.“ Am Ende treffe das auch die Patientinnen und Patienten, weil weniger Angebote für Beratung, Prävention und zusätzliche pDL zur Verfügung stehen würden.