Ärzte: „Wer braucht noch Apotheken?“ 09.06.2026 13:21 Uhr
Im Streit um die Erweiterung der Kompetenzen der Apotheken bringt die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) nun einen „radikalen Sparvorschlag“ ein: „Wer braucht noch Apotheken?“ Durch die Umverteilung der Aufgaben auf Drogeriemärkte ließe sich damit ein Milliardenbetrag sparen, der der wohnortnahen Gesundheitsversorgung zugutekommen könnte.
„Wenn wir schon alles auf den Kopf stellen, dann sollten wir auch radikale Ideen zulassen. Und anstatt Apotheken zu Arztpraxen light zu machen, wie es der Interessenvertretung der Apotheker und der Politik vorschwebt, sollten wir uns fragen, warum wir so viel Geld dafür ausgeben, dass in pharmazeutischen Verkaufsstellen (= Apotheken) 95 Prozent Fertigarzneimittel abgegeben werden“, so die Begründung der Vorstandsvorsitzenden, Frank Dastych und Armin Beck.
Denn: „Eine Dienstleistung, die noch etwas mit Pharmazie im eigentlichen Sinne zu tun hat, findet in den Apotheken kaum noch statt. Zumal sich diese vorrangig über den Beiverkauf von Gummibärchen und Kosmetika zu finanzieren scheinen. Wozu brauchen wir solche Apotheken also eigentlich noch?“
Abgabe durch geschultes Drogerie-Personal
Drogeriemärkte könnten stattdessen Abgabestellen bekommen, die Schulung des Personals würde die KV sogar übernehmen. Den Rest regle der Versand. „Und über die längst überfällige Möglichkeit für Ärztinnen und Ärzte, Medikamente abzugeben (Dispensierrecht), ließe sich eine durchgehende und flächendeckende Arzneimittelversorgung organisieren und gleichzeitig sehr viel Geld einsparen“, so die KV.
Auch der Praxis- und Sprechstundenbedarf und der Bezug von Impfstoffen seien dann durch die Praxen zu organisieren. „Für die Versorgung der restlichen Bevölkerung sollte pro 250.000 Einwohner eine Regionalapotheke mit einem 24/7-Fahrdienst ausreichen, die man idealerweise in der Nähe eines zukünftigen Integrierten Notfallzentrums (INZ) einrichten könnte“, so die abschließenden Vorschläge.
Dass die KV derart gegen die Apotheken poltert, kommt nicht von ungefähr. Schon seit Jahren fährt Dastych wegen der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) immer wieder eine polemische Kampagne gegen die Apotheken. So forderte er die Praxen etwa auf, Fehler aus Apotheken zu sammeln.