„Wenig nachhaltig“: Kuck kritisiert höheren Abschlag 22.06.2026 12:37 Uhr
Die Unionsabgeordnete Dr. Katja Strauss-Köster hat die Noweda in Essen besucht, um sich vor Ort über die aktuellen Probleme der Branche zu informieren. Im Mittelpunkt des Austauschs mit Vorstandschef Dr. Michael Kuck und Vertriebsvorstand Udo Harneit standen die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheken, die Rolle des pharmazeutischen Großhandels sowie die Auswirkungen regulatorischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland.
„Die stufenweise Honorarerhöhung ist ein richtiger Schritt, jedoch wirkt sie vor dem Hintergrund der bevorstehenden Erhöhung des Kassenabschlags wenig nachhaltig“, betonte Kuck. Im Gespräch habe er darauf hingewiesen, dass viele Apotheken zunehmend unter wirtschaftlichem Druck stehen und die im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) beschlossenen Maßnahmen das seit Jahren anhaltende Apothekensterben nicht ausreichend werden bremsen können. Angesichts der steigenden Verantwortung der Apotheken für die dezentrale Arzneimittelversorgung – nicht zuletzt in einem möglichen Krisenfall – betrachte er diese Entwicklung kritisch.
Auch die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen sowie der Ausbau der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) seien diskutiert worden: „Vor-Ort-Apotheken werden von der Politik zunehmend als niedrigschwellige Anlaufstelle für die Menschen in ihrem direkten Umfeld erkannt. Dass die Möglichkeiten rund um Prävention und Beratung nun ausgeweitet wurden, begrüßen wir“, so Harneit.
Ausländische Versender
Die Situation des pharmazeutischen Großhandels gehörte ebenso zu den besprochenen Themen wie unzureichende Transportkontrollen von Arzneimittelversendern aus dem EU-Ausland sowie eine zunehmende Umgehung des Großhandels durch das Direktgeschäft von Arzneimittelherstellern. „Stabile logistische Prozesse sind gerade in Krisenzeiten essenziell für die Versorgungssicherheit. Der pharmazeutische Großhandel hat seine Leistungsfähigkeit in enger Zusammenarbeit mit den Vor-Ort-Apotheken während der Corona-Pandemie bewiesen. Es ist heute wichtiger denn je, diese stabilen Strukturen zu erhalten und zu fördern“, betonte Kuck.
Schutz im Krisenfall
Vor dem Hintergrund eines möglichen Krisen- oder Verteidigungsfalls habe Strauss-Köster auf das Dachgesetz zum Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITISDachG) verwiesen, dessen „Rechtsverordnung zur Bestimmung kritischer Anlagen“ sich gerade im parlamentarischen Verfahren befinde. Mit dem Gesetz sei eine EU-Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen in deutsches Recht umgesetzt worden. „Die Bundesregierung will durch einheitliche Regelungen den Schutz kritischer Infrastrukturen, die Resilienz der Wirtschaft und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung stärken“, so Strauss-Köster. Die Abgeordnete ist unter anderem ordentliches Mitglied im Innenausschuss.