Milchmädchenrechnung des Ministeriums

„Versteckte Milliardenkosten“: Ärzte kritisieren Reformpaket 23.04.2026 14:15 Uhr

Berlin - 

Die Sparpläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) könnten kostspielige Folgen haben, warnt der Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte (Virchowbund). Die Verbindung der geplanten Notfallreform mit dem Vorschlag, die offene Sprechstunde zu streichen, werde letztendlich zu Mehrkosten in Milliardenhöhe führen.

Aktuell werden laut Virchowbund jährlich rund 10 bis 15 Millionen Patientinnen und Patienten in den offenen Sprechstunden der grundversorgenden Fachärzte behandelt. Um die Finanzlage der GKV zu stabilisieren, sollen offene Sprechstunden nun abgeschafft werden; die Finanzkommission verspreche sich davon Einsparungen von rund 212 Millionen Euro.

Die Folge ist laut dem Virchowbund, dass die betroffenen Patienten dann Hausarztpraxen und Notaufnahmen beziehungsweise INZ aufsuchen und dort ein Vielfaches der Kosten der offenen Sprechstunde verursachen würden. „Hausärzte, INZ und Notaufnahmen sind – im Gegensatz zu den fachärztlichen Praxen – nicht budgetiert. Jeder Behandlungsfall dort wird in voller Höhe bezahlt“, betont der Verband.

Ein Behandlungsfall im INZ würde laut Virchowbund im günstigsten Fall etwa 150 Euro kosten. Wenn nur jeder zehnte Akutfall aus der offenen Sprechstunde stattdessen ein INZ aufsuchen würde, koste das demnach bereits mehr, als die prognostizierte Einsparung betrage. Dabei seien die Kosten für Hausarztbesuche, die anstelle des Facharztbesuches oder wegen einer Überweisung zusätzlich dazu entstehen, noch gar nicht eingepreist.

„Selbst bei der vorsichtigen Annahme, dass in Zukunft jeder Fall, der nun außerhalb der offenen Sprechstunde behandelt wird, nur knapp 80 Euro an weiteren Behandlungskosten verursacht, werden die Behandlungen in Zukunft 1,2 Milliarden Euro kosten. In dem Sparpaket versteckt sich also eine Milliarde Euro Mehrkosten“, rechnet der Bundesvorsitzende des Virchowbund, Dr. Dirk Heinrich, vor. Dass die Streichung der offenen Sprechstunde die Versorgung günstiger mache, sei „eine Milchmädchenrechnung“.

„Am Ende gibt es weniger fachärztliche Akutbehandlungen, aber mehr Kosten und mehr Bürokratie. So viel Ehrlichkeit haben die Beitragszahlerinnen und Patienten verdient“, so Heinrich.