Terminvergabe: GKV-Patienten benachteiligt 10.08.2026 12:48 Uhr
Der Versicherungsstatus beeinflusse bereits die Chancen, überhaupt einen online buchbaren Facharzttermin zu finden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie des Fachzentrums Finanzen unter Leitung des Finanz- und Versicherungsexperten Dieter Homburg. Die Untersuchung analysierte demnach 25.971 Ärzt:innen aus neun Fachrichtungen und zeigt, dass gesetzlich Versicherte auf einen deutlich kleineren Teil der online sichtbaren Terminangebote zugreifen können als privat Versicherte.
„Die Diskussion über Wartezeiten greift aus unserer Sicht zu kurz“, kritisiert Homburg. „Wir sprechen häufig über Wartezeiten. Unsere Daten zeigen jedoch, dass die Unterschiede bereits davor beginnen – nämlich bei der Frage, welche Termine Patientinnen und Patienten überhaupt online angezeigt bekommen und buchen können.“
Von 25.971 ausgewerteten Ärzt:innen boten der Analyse zufolge lediglich 11.297 beziehungsweise 43,5 Prozent mindestens einen online buchbaren Termin für gesetzlich Versicherte an. 56,5 Prozent der online sichtbaren Terminangebote seien für GKV-Versicherte nicht zugänglich.
Längere Wartezeiten
Auch bei den Wartezeiten zeigten sich deutliche Unterschiede. Während privat Versicherte im Durchschnitt 29,7 Tage auf einen online buchbaren Facharzttermin warten, beträgt die durchschnittliche Wartezeit für gesetzlich Versicherte 49,1 Tage. Die Unterschiede variierten stark nach Fachrichtung: besonders groß in der Neurologie (+44,7 Tage) und Urologie (+41,5 Tage), kleiner in der Inneren Medizin (+7,2) und Augenheilkunde (+6,8).
Nach den Ergebnissen der Studie könnten beide Beobachtungen in einem engeren Zusammenhang stehen: Die Ergebnisse zeigten, dass Regionen und Fachrichtungen mit eingeschränktem Zugang häufig auch längere Wartezeiten aufweisen. Zwar beschreibe die Studie diesen Zusammenhang auf Basis der erhobenen Daten, erhebe jedoch ausdrücklich keinen Anspruch darauf, daraus einen ursächlichen Zusammenhang abzuleiten.
Datengrundlage für sachliche Untersuchung
Für die Untersuchung sind nach eigenen Angaben ausschließlich tatsächlich online buchbare Ersttermine ausgewertet worden. Im Gegensatz zu vielen früheren Untersuchungen basiere die Analyse nicht auf Befragungen, Selbstauskünften oder Testanrufen, sondern ausschließlich auf tatsächlich online verfügbaren und buchbaren Erstterminen. Weitere Terminvergabewege wie telefonische Terminvergaben, Wartelisten, interne Praxisvergaben sowie Akut- und Notfalltermine konnten methodisch nicht berücksichtigt werden. Die insgesamt 25.971 Datensätze seien zwischen dem 18. Oktober und dem 6. November 2025 erfasst worden und umfassten Ärzt:innen aus neun Fachrichtungen in nahezu allen Bundesländern. Zusätzliche ergänzende Stichproben im Jahr 2026 bestätigten zudem nach Angaben der Autoren die Stabilität der beobachteten Muster.
Mit der Untersuchung wollten die Forschenden zunächst eine Datengrundlage schaffen, um einen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion darüber zu leisten, wie der Zugang zur ambulanten Versorgung in Deutschland organisiert ist, erklärt Homburg.