Schleswig-Holstein und Meck-Pomm kooperieren

Telemedizin-Projekt: „Gamechanger für stationäre Versorgung“ 16.09.2026 09:39 Uhr

Kiel/Schwerin - 

Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bauen gemeinsam ein länderübergreifendes Telemedizin-Netz für die Gesundheitsversorgung auf. Das haben die Gesundheitsministerien beider Länder angekündigt.

Die Gesundheitsministerinnen Stefanie Drese aus Schwerin und Kerstin von der Decken aus Kiel haben demnach gemeinsam mit den Krankenhausgesellschaften beider Länder sowie der Universitätsmedizin Rostock und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.

Telemedizin-Netz soll alle Akteure einbeziehen

Das „Telemedizin-Netz Nord-Ost“ (Tenno) solle zunächst die Krankenhäuser beider Länder digital miteinander verbinden und später auch ambulante Versorgung, Rettungsdienst und weitere Gesundheitsbereiche einbeziehen, betonten die Ministerinnen. Damit schaffe man die digitale Infrastruktur dafür, dass medizinische Kompetenz nicht an Landesgrenzen oder am Standort eines Krankenhauses endet.

Im ersten Schritt sollen demnach die stationären Leistungserbringer beider Länder miteinander vernetzt werden. Geplant sind unter anderem Televisiten und Telekonsile. Erste konkrete Anwendungen hierfür könnten in der Kinder- und Jugendmedizin sowie der Not- und Unfallversorgung liegen. Damit könnten Ärztinnen und Ärzte unabhängig vom Standort schnell zusätzliche Expertise hinzuziehen.

Die Universitätskliniken Schleswig-Holstein und Rostock sollen eine koordinierende und operative Rolle beim Aufbau übernehmen. Die Krankenhausgesellschaften beider Länder werden von Beginn an einbezogen. Ziel sei eine transparente Steuerung, die eine offene und neutrale Infrastruktur gewährleistet.

Für einen gemeinsamen Versorgungsraum im Norden

„Gerade für Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit ihren ländlichen Räumen ist das ein wichtiger Schritt für eine leistungsfähige und zukunftsfeste Gesundheitsversorgung“, sagte Drese. „Wir wollen einen gemeinsamen digitalen Versorgungsraum im Norden schaffen“, erklärte von der Decken.

„Wenn medizinische Expertise nicht überall unmittelbar vor Ort verfügbar sein kann, müssen wir sie digital dorthin bringen, wo sie gebraucht wird“, betonte die Kieler Ministerin. Davon profitierten Patientinnen und Patienten ebenso wie die Beschäftigten in den Krankenhäusern. Das Netzwerk solle zudem dazu beitragen, die Zusammenarbeit der Kliniken zu stärken.

Das gemeinsame Netz soll allen Krankenhäusern beider Länder offenstehen – unabhängig von Trägerschaft, Versorgungsstufe oder Standort. Sie sollen verbindlich in das Netzwerk einbezogen werden. „Tenno ist kein Netz einzelner Universitätskliniken, sondern ein Netz für die gesamte Krankenhauslandschaft in beiden Ländern“, sagte Drese.

Für den Aufbau des Netzes wollen beide Länder Mittel aus dem Krankenhaustransformationsfonds für länderübergreifende Projekte nutzen. Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bereiten gemeinsam mit den Universitätskliniken und den Krankenhausgesellschaften einen entsprechenden Antrag vor. Wird das Vorhaben angenommen, soll die Umsetzung ab 2027 beginnen.

„Gamechanger für die stationäre Versorgung“

„Die geplante telemedizinische Verbindung zwischen den Krankenhäusern kann ein Gamechanger für die stationäre Versorgung in M-V werden. Weniger Fachärzte können mehr Patienten betreuen. Der Meinungsaustausch zwischen den Spezialisten kann schneller und sogar Live unter Beteiligung des Patienten erfolgen, auch wenn dieser weit entfernt ist. Wir müssen Tenno daher schnellstmöglich an den Start bringen“, so der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, Uwe Borchmann.

„Der Ansatz, das gemeinsame Telemedizin-Netz nicht als Einbahnstraße zu verstehen, ist richtig und wichtig. Um in unseren Flächenländern medizinische Kompetenz möglichst überall und jederzeit verfügbar zu machen, muss neben der Expertise in der Universitätsmedizin auch auf Kompetenzen in Krankenhäusern anderer Versorgungsstufen zurückgegriffen werden können“, betonte Patrick Reimund, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein.

Dr. Christiane Stehle, Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Vorständin der Universitätsmedizin Rostock, verdeutlichte: „Die Universitätsmedizin Rostock ist bereit, gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein die Planung und Umsetzung von Tenno aktiv voranzutreiben. Dabei ist entscheidend, dass ein leistungsfähiges länderübergreifendes Telemedizin-Netz mit den Partnern vor Ort aufgebaut und betrieben wird. In Mecklenburg-Vorpommern werden wir deshalb besonders mit unseren Partnern der Universitätsmedizin Greifswald sowie den Maximalversorgern in Neubrandenburg und Schwerin eng zusammenarbeiten. So können wir deren unterschiedliche Kompetenzen und Erfahrungen nutzen, um Tenno an den tatsächlichen Anforderungen der Versorgungslandschaft auszurichten.“

„Am UKSH ist Telemedizin im Rahmen unserer Strategie als digitaler Vorreiter bereits seit vielen Jahren fester Bestandteil im Klinikalltag. Gemeinsame Standards können insbesondere im ländlichen Raum den Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung verbessern und den professionellen Austausch zwischen Ärztinnen und Ärzten stärken. Wir freuen uns daher, bei diesem Projekt eine aktive Rolle einzunehmen. Von Tenno können Patientinnen und Patienten hier im Norden profitieren“, so Professor Dr. Jens Scholz, UKSH-Vorstandsvorsitzer (CEO).