Stärkung der Apotheken braucht „kreative Wege“ 23.03.2026 17:00 Uhr
„Es ist bewundernswert, dass wir überhaupt noch Apotheken haben, die tagtäglich die Versorgung sicherstellen“, machte Dr. Ina Czyborra (SPD), Berliner Gesundheitssenatorin, bei der zentralen Kundgebung zum Apothekenprotesttag in Berlin deutlich. Um sie zu stärken, brauche es mitunter kreative Wege.
Knapp 6000 Apothekenangestellte aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nahmen am Protestmarsch mit anschließender Kundgebung in Berlin teil, wie der Berliner Apothekerverein (BAV) informiert. Das Ziel: Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in ihrem Vorhaben, die Apotheken zu stärken, zu unterstützen. „Wir alle brauchen starke Apotheken für unser Gesundheitswesen“, machte Czyborra in diesem Zusammenhang deutlich.
Das Problem: „In Deutschland schließt jeden Tag mindestens eine Apotheke. Jeden Tag eine Apotheke weniger bedeutet längere Wege, längere Wartezeiten, schlechtere Arzneimittelversorgung und das nicht nur auf dem Land, sondern sehr wohl auch in der Stadt!“, erklärte BAV-Chefin Anke Rüdinger bei der Kundgebung. Ein Ende der Schließungswelle sei zudem nicht in Sicht. „Wie denn auch? Die Inflation steigt, die Gewerbemieten steigen, die Energiekosten explodieren geradezu – nur das Apothekenfixum, das bleibt gleich.“
Daher soll der Protest als Weckruf dienen, um die Apotheken zu stärken. „Eine zukunftsfähige Apothekenstruktur ist kein Selbstzweck, sie ist die Voraussetzung für eine sichere pharmazeutische Gesundheitsversorgung und Prävention – gerade in Zeiten wachsender Versorgungsanforderungen“, stellte Abda-Vize und Berlins Kammerchefin Dr. Ina Lucas klar.
Doch bei der geplanten Apothekenreform gibt es Nachbesserungsbedarf, wie auch der Bundesrat bereits deutlich gemacht hatte. „Die Länder wollen eine gute Versorgung für die Menschen, eine gute Bezahlung für die Mitarbeitenden und wir wollen die Niedrigschwelligkeit der Apotheken weiter ausbauen, zum Beispiel durch weitere Leistungen“, so Czyborra weiter. Denn es gehöre auch dazu, dass Apotheken als „letzte Versorger“ mehr tun können, als sie bisher dürfen. Qualifikationen, die für die Erfüllung weiterer Aufgaben benötigt werden, könnten dann auch nachgeholt werden.
Laut Czyborra sei es wichtig, an einem Strang zu ziehen. „Wir müssen gemeinsam alte Zöpfe im Gesundheitssystem abschneiden und die Rollen der Beteiligten überdenken.“ Dafür brauche es mitunter kreative Wege, wenn es in bestimmten Standorten keine Apotheken mehr gebe, wie sie mit Blick auf die geplante PTA-Vertretung deutlich machte.